Seit fast zwei Wochen kämpft eine Russin mit gebrochenem Bein an einem Siebentausender ums Überleben – jede Rettung scheiterte bislang.
Drama im HimalayaBergsteigerin kämpft seit 13 Tagen mit gebrochenem Bein ums Überleben

Der Jengish Chokusu (auch „Pik Pobeda“ oder „Victory Peak“) ist mit 7439 Metern der höchste Berg Kirgisistans. Hier sitzt seit fast zwei Wochen eine verletzte Bergsteigerin fest. (Archivbild)
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Die russische Alpinistin Natalia Nagovitsyna ist seit dem 12. August 2025 in großer Höhe am Jengish Chokusu (auch als „Pik Pobeda“ oder „Victory Peak“ bekannt) blockiert. Dies berichtet unter anderem die größte kirgisischsprachige Tageszeitung „24.kg“. Demnach brach sich die 47-Jährige beim Abstieg vom 7439 Meter hohen Berg, dem höchsten Gipfel Kirgisistans, ein Bein und konnte aus eigener Kraft nicht weitergehen. Rettungsversuche gestalteten sich extrem schwierig. Mehrfach machten Schneestürme und schlechte Sicht einen Hubschraubereinsatz unmöglich. Ein Team konnte Nagovitsyna zwar mit Zelt, Schlafsack, Lebensmitteln und Wasser versorgen, eine Evakuierung blieb jedoch erfolglos.
Natalia Nagovitsyna: Retter stirbt bei Versorgungseinsatz am Pik Pobeda
Besonders tragisch verlief ein Einsatz am 15. August: Der italienische Bergsteiger Luca Sinigaglia wollte seiner verletzten Kollegin erneut Vorräte bringen. Laut CNN starb der 49-Jährige dabei vermutlich an einem Höhenhirnödem oder Sauerstoffmangel. Trotz seines Einsatzes blieb Nagovitsyna weiterhin in extremer Höhe zurück.
Parallel dazu erschwerte ein Hubschrauberabsturz des kirgisischen Militärs die Rettungsarbeiten zusätzlich. Bei dem Unfall wurden mehrere Personen verletzt, was die Ressourcen der Einsatzkräfte stark beanspruchte. Die Wetterbedingungen verschärften sich weiter, sodass auch weitere Versuche zur Bergung gestoppt werden mussten.
Drohnenaufnahme zeigt Bergsteigerin zuletzt am 19. August
Am 19. August konnte eine Drohne die verletzte Bergsteigerin noch einmal im Hochgebirge lokalisieren. Danach fehlte jedoch jedes weitere Lebenszeichen. Das kirgisische Katastrophenschutzministerium schätzt die Überlebenschancen inzwischen als extrem gering ein. Nach fast zwei Wochen am Berg wurde die aktive Suche nach Nagovitsyna eingestellt.
Auch internationale Medien berichten von einem Ende der offiziellen Rettungsbemühungen. Der Jengish Chokusu gilt aufgrund seiner exponierten Lage im Tienschan-Gebirge an der Grenze zu China als besonders gefährlich.
Der Himalaya ist Sehnsuchtsort vieler Bergsteiger, doch immer wieder ereignen sich dort tragische Unglücke. 2025 forderten Expeditionen an den Sieben- und Achttausendern mehrere Todesopfer. Im Frühjahr starben zwei Alpinisten aus Indien und den Philippinen am Everest, ein weiterer am benachbarten Lhotse. Am Makalu erlitt der US-Amerikaner Alex Pancoe einen tödlichen Herzstillstand. Im Mai verunglückte am Kanchenjunga eine französische Bergsteigerin, ihr britischer Begleiter überlebte. Im Juli kam die ehemalige Biathletin Laura Dahlmeier bei einem Felssturz am Laila Peak ums Leben. (jag)

