Neue Forschungsergebnisse zeigen: Die Domestikation von Hunden erfolgte deutlich früher als angenommen. Schon vor dem Ackerbau waren sie in Europa etabliert.
Älteste SpurenHunde lebten schon vor 16.000 Jahren mit Menschen – auch in der Region

In zwei Studien belegen Forscher die weite Verbreitung der Hunde bereits vor Einführung der Landwirtschaft.
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Zwei Veröffentlichungen im Fachmagazin „Nature“ belegen, dass Hunde schon lange vor dem Beginn des Ackerbaus als Gefährten von Jäger-und-Sammler-Kulturen in Europa dienten. Wie die dpa meldet, geht der älteste Erbgut-Beweis auf ein Tier zurück, das vor 15.800 Jahren existierte. Dieser Fund datiert den bisher frühesten genetischen Beleg um etwa 5.000 Jahre zurück.
Dass sich Hunde vor über 15.000 Jahren von Wölfen trennten, legten archäologische Funde bereits nahe. Ein bedeutender Beleg hierfür kommt aus der Region Köln/Bonn: In der Fundstätte Bonn-Oberkassel wurde ein etwa 14.300 Jahre altes Kieferfragment entdeckt, das Charakteristika eines Hundes zeigt. Das Tier fand seine letzte Ruhe neben zwei Menschen und wies Spuren einer Krankheit auf, die es ohne intensive Betreuung durch Menschen nicht überlebt hätte.
Genetische Analyse bestätigt Alter der Funde
Die eindeutige Zuordnung vieler tierischer Überreste zu Hunden gestaltete sich laut den Wissenschaftlern bisher als kompliziert, da genetische Bestätigungen fehlten. Bisher galten Tiere aus dem nordwestlichen Russland, deren Alter auf circa 10.900 Jahre datiert wird, als die ältesten per DNA-Analyse verifizierten Hunde.
Ein Forscherteam von 17 Institutionen untersuchte für die aktuelle Untersuchung Erbgut aus Proben, die aus der britischen Gough’s Cave und dem türkischen Fundort Pınarbaşı stammen. Diese sind etwa 14.300 beziehungsweise 15.800 Jahre alt. Durch den Abgleich dieser altsteinzeitlichen Daten mit dem Erbgut hunderter heutiger und vergangener Hunde und Wölfe wurde bewiesen: Die untersuchten Tiere waren zweifelsfrei Hunde.
Früher Austausch zwischen Jäger-Gruppen
„Diese Exemplare ermöglichten es uns, weitere früher lebende Hunde an Fundorten in Deutschland, Italien und der Schweiz zu identifizieren, was deutlich zeigt, dass Hunde bereits vor mindestens 14.000 Jahren weit über Europa und die Türkei verbreitet waren“, erläuterte Co-Erstautor William Marsh vom Natural History Museum in London.
Welche Funktion die Hunde damals genau hatten, bleibt trotz des Fundes in Bonn-Oberkassel unklar. Indizien deuten laut dem Forschungsteam darauf hin, dass ein reger Austausch der Tiere zwischen genetisch und kulturell verschiedenen Jäger-und-Sammler-Populationen stattfand. „Die Tatsache, dass Menschen Hunde so früh austauschten, bedeutet, dass diese Tiere wichtig gewesen sein müssen“, so der Paläogenetiker Laurent Frantz von der Ludwig-Maximilians-Universität. Als eine denkbare Aufgabe nennt er ihre Nutzung als effektives Warnsystem.
Ursprung der Hunde vermutlich nicht in Europa
Die genetische Abstammung europäischer Hunde wurde in einer zweiten Untersuchung beleuchtet. Obgleich die ältesten archäologischen Spuren in Europa gefunden wurden, weisen die Erbgut-Daten darauf hin, dass die frühen Hunde nicht von den Wölfen des Kontinents abstammen. Sie gehören vielmehr zu einer Abstammungslinie, die ihre Wurzeln weiter östlich, beispielsweise in Sibirien, hat. Folglich dürfte die Zähmung des Hundes nicht in Europa ihren Anfang genommen haben.
Im Genom moderner Hunde konnten die Wissenschaftler das Erbe von Tieren nachweisen, die mit den Jägern und Sammlern der Mittelsteinzeit lebten und von der östlichen Wolfspopulation abstammten. Darüber hinaus identifizierten sie genetische Anteile von Hunden, die von neolithischen Bauern aus Südwestasien nach Europa eingeführt wurden. In der Summe belegen die Untersuchungen, dass die Ursprünge der heutigen westlichen Hunderassen bis in die Zeit vor dem Ausklang der letzten Kaltzeit zurückreichen. (red)
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