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Moderne Sklaverei in ItalienVier Erntehelfer nach Lohnstreit in ihrem Auto verbrannt

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Polizei in Italien

Italien ist entsetzt über den Vierfach-Mord an vier ausländischen Erntehelfern. (Symbolbild)

Vier Erntehelfer wurden in Süditalien bei lebendigem Leib verbrannt. Die Tat war offenbar ein Exempel nach Lohnstreit.

Aufnahmen einer Sicherheitskamera zeigen eine Tat von seltener Grausamkeit. Zu sehen sind zwei Männer, die das Innere eines Minivans mit Benzin füllen, anstatt den Tank zu betanken. Danach setzen sie das Fahrzeug in Brand und blockieren die Türen von außen. Man kann mit Entsetzen beobachten, wie der Fiat Ulisse stark schwankt, da die Insassen vergeblich versuchen, sich zu befreien. Anschließend flüchten die beiden Täter in großer Eile.

Die Tat hat sich am helllichten Tag in der Nähe der 3.000-Einwohner-Ortschaft Amendolara zugetragen. Schauplatz war eine Tankstelle an der vielbefahrenen Staatsstraße 106 im tiefen Süden des Landes. Für vier Männer im Inneren des Wagens kam jede Rettung zu spät: Ismat, Fazal, Waseem und Safi. Alle vier stammten aus Afghanistan und Pakistan. Sie waren als Erntehelfer auf den Erdbeerplantagen der Umgebung tätig, wo sie für minimale Löhne unter kaum als human zu bezeichnenden Umständen arbeiteten. Alle vier wurden bei lebendigem Leib verbrannt.

Entsetzen und bekanntes Problem der Ausbeutung

In den italienischen TV-Nachrichten sind die Bilder seit Montag durchgehend zu sehen. Das gesamte Land zeigt sich schockiert über den Vierfachmord. Bei vielen macht sich zudem erneut ein schlechtes Gewissen breit, dass Migranten im Land derart beschäftigt werden. Denn die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, insbesondere im Süden Italiens mit seinem großflächigen Obst- und Gemüseanbau, sind seit Langem bekannt. Die dort geernteten Erzeugnisse landen im Übrigen häufig auch in deutschen Supermärkten.

Landwirtschaft in Italien

Italien versorgt auch viele andere europäische Länder mit Obst und Gemüse. (Symbolbild)

In der Region um Amendalora, die zwischen der Spitze und dem Absatz des italienischen Stiefels liegt, werden vorwiegend Orangen, Mandarinen sowie Erdbeeren angebaut. Hier ist allgemein bekannt, wie Migranten auf den Feldern behandelt werden. Ein Großteil von ihnen stammt aus Ländern wie Indien, Pakistan, Bangladesch oder Afghanistan. Der Stundenlohn liegt oft bei nicht mehr als drei Euro. Insgesamt wird geschätzt, dass in der italienischen Landwirtschaft über 200.000 Personen unter solchen Verhältnissen arbeiten.

Moderne Sklaverei und das System der „Capos“

Viele bezeichnen dies als eine Form moderner Sklaverei. Manche sprechen auch von einer „Landarbeiter-Mafia“, die streng hierarchisch strukturiert ist und Verbindungen zur 'Ndrangheta unterhält, Italiens einflussreichster krimineller Organisation mit Basis in Kalabrien. Für die Rekrutierung der ausländischen Billiglohnkräfte, ihre Unterbringung und finanzielle Angelegenheiten sind sogenannte Capos zuständig. Dabei handelt es sich häufig ebenfalls um Migranten, denen ein kleiner Aufstieg in der Hierarchie gelungen ist.

Dies war anscheinend auch bei dem vierfachen Mord der Fall. Mithilfe der Bilder der Überwachungskameras konnten zwei Männer aus Pakistan als mutmaßliche Täter ermittelt werden; sie befinden sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Belastet werden die beiden Verdächtigen auch durch die Aussage des einzigen Überlebenden: Taj Alamyar, 35 Jahre alt, der aus Afghanistan stammt und seit wenigen Monaten in Italien lebt. Er befand sich ebenfalls im Auto, konnte aber das Heckfenster zerstören und sich so ins Freie retten.

Streit um Lohn und menschenunwürdige Unterkunft

Mit schweren Verbrennungen an den Händen schildert Alamyar, dass er gemeinsam mit den anderen in einem kleinen Bauernhaus auf einem Matratzenlager untergebracht war, für einen täglichen Lohn von 45 Euro. Zumindest theoretisch. Aber: „Wir haben jeden Tag unsere Bezahlung verlangt. Aber sie haben immer eine Ausrede gefunden. Und für die Fahrt zur Arbeit fünf Euro von uns verlangt. Fünf Euro hin, fünf Euro zurück. Zu Hause bekamen wir Brot und Kartoffeln, sonst nichts.“

Am Morgen des Tattages habe es erneut eine Auseinandersetzung gegeben. „Sie haben eine Pistole auf uns gerichtet: "Mund halten oder Ihr werdet umgebracht."“ Anschließend seien sie wieder zu den Feldern gegangen. Während der Rückfahrt sei es abermals zu einem Wortwechsel gekommen, woraufhin die Capos an der Tankstelle einen Halt einlegten. „Sie wollten uns eine Lektion erteilen. Sie wollen den Landarbeitern hier in der Region klarmachen, dass Befehle nicht diskutiert werden.“

Diese Darstellung deckt sich aktuell mit der Hypothese der Ermittler: Es sollte ein Exempel statuiert werden. In den zurückliegenden Monaten waren bereits mehrfach Fahrzeuge in Brand geraten, in denen Landarbeiter befördert wurden. Gegenwärtig wird auch untersucht, ob es sich bei dem Tod von vier indischen Erntehelfern im vergangenen Jahr wirklich um einen Verkehrsunfall gehandelt hat.

Roberto Saviano

Der Bestseller-Autor Roberto Saviano kritisierte die Zustände seit langem. (Archivbild)

Forderungen nach Konsequenzen

Nach der Bestürzung über den Vierfachmord geht es nun auch um die Frage, welche Konsequenzen zu ziehen sind. Ein Bischof aus Kalabrien, Francesco Savino, verlangt: „Genug mit dem bequemen Schweigen. Genug mit der schäbigen Angewohnheit, es für normal zu halten, dass Männer von weit her bei uns wie Leichen ohne Geschichten sterben.“ In Italien gibt es zwar ein Gesetz gegen ausbeuterische Methoden in der Landwirtschaft, das hohe Geldstrafen und bis zu acht Jahre Haft androht. Die Umsetzung dieses Gesetzes ist nach weitverbreiteter Ansicht jedoch mangelhaft. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.