„Er weint, lächelt und spricht nicht“Schicksal von unbegleitetem Kleinkind auf Lampedusa rührt Italien

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Ein Kleinkind wird im Hafen von Salerno (Italien) von einer Rettungskraft vom Schiff getragen. (Symbolbild)

Ein Kleinkind wird im Hafen von Salerno (Italien) von einer Rettungskraft vom Schiff getragen. (Symbolbild)

Der Junge, der auf drei Jahre geschätzt wird, kam ohne Eltern in Lampedusa an – kein Einzelfall, wie Menschenrechtsorganisationen sagen.

Das Schicksal eines kleinen Jungen auf Lampedusa bewegt ganz Italien. Mit tausenden anderen Migranten kam er aus Afrika auf die Mittelmeerinsel, und ist doch ganz auf sich alleine gestellt. Der geschätzt rund Dreijährige, der keine Papiere bei sich trug, reiste offenbar ohne seine Eltern auf einem Boot Richtung Europa.

Kleines Kind auf Lampedusa von jungem Migranten alleine in Wüste gefunden

Ein junger Mann habe das Kind in der Wüste gerettet, berichten italienische Medien. Er hielt die Hand des Kleinkindes, als Rettungskräfte die beiden entdeckten. Laut seinen Angaben wisse er nicht, wer das Kind sei und wo die Eltern stecken könnten. „Ich konnte ihn nicht allein in der Wüste lassen, also nahm ich ihn mit und wir machten uns gemeinsam auf den Weg“, zitiert die Zeitung „Corriere“ den jungen Migranten.

Das Kind wurde italienischen Medien sofort von Freiwilligen des Roten Kreuzes und von der internationalen Organisation „Save The Children“ betreut. Psychologen versuchen nun, das Kind zum Sprechen zu bringen. Giovanna Di Benedetto, Sprecherin der NRO in Lampedusa, erklärte gegenüber dem „Corriere“, dass es kein Einzelfall sei, dass Minderjährige unbegleitet auf die Insel kämen.

Unbegleitete Kleinkinder keine Seltenheit auf Lampedusa

Das bestätigt auch eine Sprecherin von Save the Children: „Immer mehr Kinder unter zehn Jahren sehen sich einer gefährlichen Reise wie der über das Mittelmeer ausgesetzt. Viele dieser Kinder haben ihre Eltern auf der Reise verloren oder müssen zu ihrer Mutter oder ihrem Vater, die bereits in Europa angekommen sind. Immer häufiger werden sie anderen Migranten, Freunden der Familie oder sonst sehr jungen Mitreisenden anvertraut.“

Wie es mit dem Kind jetzt weitergeht, ist noch unklar. „Wir wissen immer noch nichts über das Kind und es wird nicht einfach sein, seinen Hintergrund in einem so heiklen Kontext zu erfahren. Es müssen alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, um den absoluten Schutz des Kindes zu gewährleisten.“ Das Jugendgericht von Palermo müsse nun über das weitere Vorgehen entscheiden.

Tausende Migranten auf Lampedusa: Italien verschärft Zuwanderungsgesetze

Laut „Corriere“ könne es noch dauern, bis das Kind beispielsweise in eine Pflegefamilie komme. Das Gericht müsse zunächst, wie es das Gesetz vorschreibt, prüfen, ob es Verwandte ausfindig machen kann.

Die Ankunft tausender Migranten auf der kleinen Insel Lampedusa hat in Italien die Diskussion um die Aufnahme von Migranten erneut hochkochen lassen. Die Regierung in Rom hat ihr Vorgehen gegen die illegale Zuwanderung verschärft. Wie die Nachrichtenagentur afp aus Regierungskreisen erfuhr, beschloss das Kabinett der ultrarechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni am Montag unter anderem eine deutliche Verlängerung der Höchstdauer der Abschiebehaft von bisher 135 Tage auf 18 Monate. Bereits am Sonntag hatte Meloni die Eröffnung neuer Zentren für ausreisepflichtige Migranten angekündigt.

In Italien sind laut Zahlen des Innenministeriums seit Jahresbeginn rund 130.000 Migranten angekommen, das sind bereits jetzt fast doppelt so viele wie im gesamten Jahr 2022. Zwischen Montag und Mittwoch landeten allein auf der nur 145 Kilometer nördlich von Tunesien gelegenen Insel Lampedusa etwa 8500 Menschen in 199 Booten. Die Zustände sind chaotisch.

Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass auf einem der Boote nach Lampedusa italienischen Medienberichten zufolge ein Baby gestorben ist, das während der Überfahrt geboren wurde. Laut den Berichten starb der Säugling kurz nach der Geburt. (pst)

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