Abo

Leere Tempel in AngkorGrenzkonflikt und neuer Flughafen schrecken Besucher ab

5 min
Folgen
Einige wenige Touristen besuchen den Tempel Bakong, Kambodscha

Touristenflaute am Tempel: Das Angkor-Weltkulturerbe ist derzeit wenig besucht - auch der zugehörige Tempelberg Bakong.

In Angkor Wat herrscht eine ungewöhnliche Ruhe. Die Gründe für den Touristenmangel sind vielfältig.

Früher ein Magnet für Reisende, jetzt herrscht dort eine bemerkenswerte Ruhe. Erfahren Sie die Ursachen, weshalb Sie Angkors berühmte Tempelanlagen derzeit ungestört besichtigen können.

Seit Jahrhunderten blicken die steinernen Antlitze des Bayon-Tempels in der historischen Stadt Angkor Thom freundlich drein, aber an diesem Vormittag erwidert kaum jemand diesen Blick. Eine ungewöhnliche Stille prägt die weltbekannte Stätte in Kambodscha, welche zusammen mit den übrigen Tempeln von Angkor seit 1992 als Unesco-Weltkulturerbe gelistet ist. Ebenso beobachten in Angkor Wat, dem global größten Sakralbau, nur einige hundert Besucher das Schauspiel des Sonnenaufgangs. Ein Selfie ohne andere Personen im Bild zu machen, stellt momentan keine Schwierigkeit dar.

Aus Stein gemeißelten, lächelnden Gesichter am Tempel Bayon

Steinerne Gesichter des Bayon-Tempels in der antiken Stadt Angkor Thom - kaum jemand lächelt zurück dieser Tage.

„Ich habe mit viel mehr Gedränge gerechnet, schließlich ist dieser Tempel ja für viele ein absolutes Sehnsuchtsziel“, sagt eine junge Touristin aus Nordrhein-Westfalen und schaut sich überrascht um.

Kein Andrang im „Tomb-Raider“-Tempel

Auch im von der Vegetation zurückeroberten Ta Prohm ist wenig Betrieb. Vor den imposanten Baumwurzeln, welche sich schlangenartig über das Mauerwerk erstrecken, stellt sich ein einzelnes Paar für ein Foto auf. Unweit davon weiht ein Fremdenführer eine französische Familie in die Mysterien der Ruinenstätte ein. „Man hat derzeit die meisten Tempel fast für sich alleine. Als ich vor 15 Jahren zum ersten Mal hier war, musste man für jedes Foto Schlange stehen“, berichtet eine deutsche Urlauberin.

Touristen versammeln sich am Tempel Angkor Wat, Kambodscha

Touristen beim Sonnenaufgang am berühmten Tempel Angkor Wat. Der Andrang ist gewöhnlich höher am größten religiösen Bauwerk der Welt.

Insbesondere Ta Prohm, welcher 2001 als Drehort für den Kinoerfolg „Lara Croft: Tomb Raider“ mit der Schauspielerin Angelina Jolie fungierte und seither den Beinamen „Lara-Croft-Tempel“ trägt, hatte in der Vergangenheit einen Besucherboom verursacht. Über Jahrzehnte zählte der archäologische Komplex zu den begehrtesten Reisezielen weltweit. Was sind die Gründe für die Veränderung?

Reisende durch Grenzstreit mit Thailand beunruhigt

„Die erneute Eskalation des Grenzstreits zwischen Thailand und Kambodscha im Vorjahr stellt gewiss die wesentliche Ursache für den Rückgang der Besucherzahlen dar. Viele Menschen sind verängstigt“, erläutert der lokale Guide Sin Peng. Die Auseinandersetzung reicht bis in die Kolonialzeit zurück. Im Juli des Vorjahres ereigneten sich heftige Auseinandersetzungen, welche im Dezember ihren Höhepunkt erreichten und auch Todesopfer unter der Zivilbevölkerung forderten. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der mehr als 1.000 Jahre alte Tempel Preah Vihear, auf den beide Nationen als Kulturerbe Anspruch erheben.

Die Umgebung von Siem Reap, Standort der Angkor-Tempel, wird für Reisende allerdings als ungefährlich eingestuft. Die Auseinandersetzungen ereigneten sich in hunderten Kilometern Entfernung und fanden durch einen Waffenstillstand ein baldiges Ende. Das Auswärtige Amt hat ebenfalls lediglich eine Reisewarnung für die direkte Grenzregion zu Thailand ausgesprochen, welche sich über 200 Kilometer weiter im Norden befindet. Sämtliche Grenzübergänge auf dem Landweg sind jedoch vorerst geschlossen.

Vielfältige Gründe für den Besucherrückgang

Nach Angaben der Regierungsagentur Angkor Enterprise sanken die Besucherzahlen im ersten Quartal 2026 gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um über 30 Prozent. Der Zeitraum von Januar bis März wird aufgrund seiner milden Temperaturen für gewöhnlich als Hauptsaison betrachtet. Zusätzlich zum Grenzstreit existieren weitere Gründe: Globale Kriege und Auseinandersetzungen, ökonomischer Druck sowie höhere Flugkosten dämpfen die Reisebereitschaft, wie die Publikation „Khmer Times“ meldete.

Touristen fotografieren sich am Tempel Ta Prohm, Kambodscha

Schnappschüsse in relativer Einsamkeit: Niemand rennt einem am Tempel Ta Prohm ins Bild.

Der neue Airport im Osten von Siem Reap sei ebenfalls mitverantwortlich, meint Reiseleiter Sin Peng. „Der Airport ist einfach zu weit weg, was die Fahrt zum Hotel extrem teuer macht“, sagt der Fahrer eines Remorque, eines traditionellen Motorrad-Tuk-Tuks. Für eine Tour von 15 Minuten Dauer zu einem Nachtmarkt verlangt der Fahrer nur einen einzigen US-Dollar. In von Touristen frequentierten Gegenden werden die Preise zumeist in US-Dollar ausgewiesen, welcher neben dem Riel aus Kambodscha als primäres Zahlungsmittel fungiert.

Wenig Betrieb am neuen Airport

Seit Oktober 2023 ist der Siem Reap Angkor International Airport in Betrieb, der den vorherigen, lediglich acht Kilometer von Siem Reap entfernten Airport abgelöst hat. Das von China finanzierte und mehrere Milliarden Dollar teure Bauprojekt hatte zum Ziel, die Tempelanlagen vor Erschütterungen und Lärm durch Flugzeuge zu bewahren. Des Weiteren nahm die Regierung an, der alte Airport würde bald an seine Kapazitätsgrenzen stoßen. Jedoch hat sich der Tourismus zu den Tempeln seit der Corona-Pandemie nie wirklich erholt. Anstelle von regem Betrieb ist in den Gängen des neuen Flughafens häufig Leere zu beobachten.

Touristen besuchen den Tempel Bayon, Kambodscha

Am Tempel Bayon in Angkor Thom aus dem 12. Jahrhundert treten sich die Besucher auch nicht gerade auf die Füße.

Ein Grund dafür ist auch das Fehlen von Direktverbindungen aus Europa. Die Flugzeuge landen aus asiatischen Großstädten wie Bangkok oder Singapur. Zu den Aufwendungen für die komplizierte Anreise summieren sich zusätzliche Kosten: Eine Taxifahrt zum Hotel in Siem Reap schlägt schnell mit über 35 Dollar zu Buche. Die Eintrittskarte für drei Tage in den Tempelkomplex beläuft sich auf 62 Dollar je Person.

Besonderes Erlebnis für Liebhaber der Tempel

Für jene Besucher, die aktuell die Reise antreten, bieten die steinernen Monumente der Khmer-Kultur jedoch eine außergewöhnliche Erfahrung. Angkor Wat, Bayon, Ta Prohm sowie die übrigen beeindruckenden Tempel in dieser Leere zu entdecken und ungestört durch die von Vegetation umschlungenen Ruinen zu wandeln, ist ein einmaliges Erlebnis.

Touristen besuchen den Tempel Ta Prohm, Kambodscha

Wurde nach 2001, als «Lara Croft: Tomb Raider» herauskam, zum Pilgerort für Filmfans: der Tempel Ta Prohm.

Deutsche Staatsbürger benötigen für die Einreise nach Kambodscha ein Visum, welches für 30 Dollar online beantragt werden kann. Zusätzlich muss vor der Ankunft eine Online-Registrierung erfolgen. Eintrittskarten für den archäologischen Park sind je nach Gültigkeitsdauer für 37 bis 72 US-Dollar verfügbar und können im Internet oder direkt vor Ort erworben werden. Als optimale Reiseperiode gilt die Trockenzeit von November bis März. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.