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Prozess gegen DrogenbossClan-Chef „die Katze“ steht in Marseille vor Gericht

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Drogenkrieg in Marseille - Prozess gegen Clan-Chef startet

Seit Jahren buhlen Banden um die Vorherrschaft über den Drogenhandel in Marseille. (Symbolbild)

Ein brutaler Drogenkrieg erschüttert Marseille. Nun steht der mutmaßliche Anführer eines Clans, „die Katze“, vor Gericht.

In den Hochhaussiedlungen Frankreichs kommt es wiederholt zu Schusswechseln, bei denen oft junge Menschen im Zuge von Konflikten zwischen Drogenkartellen ihr Leben verlieren. Eine besondere Eskalation der Lage zeigt sich in Marseille. Dort wird an diesem Montag ein Gerichtsverfahren gegen den vermeintlichen Anführer des Yoda-Clans, Félix Bingui, bekannt als „die Katze“, und 19 weitere Angeklagte eröffnet. Ihnen wird zur Last gelegt, im Jahr 2023 an einer brutalen Auseinandersetzung mit der DZ Mafia um die Kontrolle des Rauschgifthandels in der Metropole am Mittelmeer beteiligt gewesen zu sein.

Die Anklagepunkte umfassen Rauschgifthandel, die Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation sowie die Wäsche von Geld. Den Beschuldigten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren. „Dieses Netzwerk, das als Yoda-Clan bekannt ist und als äußerst gut strukturiert und organisiert gilt, hat sich insbesondere im Revierkampf mit dem konkurrierenden Netzwerk der DZ Mafia einen Namen gemacht“, so eine Mitteilung der Anklagebehörde.

Anführer des Clans erwartet Prozess in Haft

Die Festnahme von „die Katze“, den die Ermittler für den Kopf der Bande halten, erfolgte im März 2024 in Marokko; die Auslieferung an Frankreich fand 2025 statt. Der 36-jährige Franko-Kameruner, der zwischen Frankreich, Marokko und Dubai pendelte, erwartet nun in einer speziell für schwere Drogenstraftäter errichteten Hochsicherheitshaftanstalt sein Gerichtsverfahren.

Drogenkrieg in Marseille - Prozess gegen Clan-Chef startet

Der Drogenkrieg in Marseille fordert jedes Jahr etliche Opfer. (Archivbild)

Seit langer Zeit tobt in Marseille ein unbarmherziger Konflikt zwischen Rauschgiftbanden, der wiederholt in brutalen Vergeltungsaktionen mündet. Allein im Jahr 2023 forderte diese Gewalt 49 Todesopfer. Zudem wurden 118 Personen verletzt, von denen 18 noch nicht volljährig waren. Die Politik reagiert wiederkehrend mit Kriegserklärungen an den Drogenhandel und setzt auf massive Polizeieinsätze gegen die Händler, was bislang jedoch keinen nachhaltigen Erfolg zeigte.

Prozessbeginn unter strengen Sicherheitsmaßnahmen

Der Prozessauftakt in Marseille erfolgt unter außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen. Diese sollen nicht nur die Sicherheit aller am Verfahren Beteiligten gewährleisten, sondern auch die Entschlossenheit des Staates demonstrieren, die eskalierende Rauschgiftkriminalität einzudämmen. Bewohner der betroffenen Stadtteile in Marseille sowie in Orten wie Nizza, Nîmes oder kürzlich in Nantes klagen wiederholt darüber, von der Regierung mit den Schwierigkeiten alleingelassen zu werden. Projektile trafen bereits Schulen und forderten das Leben von Unbeteiligten, beispielsweise einer Studentin in ihrer Wohnung oder eines Jungen im Fahrzeug seines Onkels.

Für landesweite Empörung sorgte im November des Vorjahres ein Vorfall, bei dem der Bruder eines prominenten Kritikers der Rauschgiftkriminalität in Marseille ermordet wurde. Es wird vermutet, dass Drogenbosse die Tat zur Einschüchterung in Auftrag gaben. Als möglicher Drahtzieher hinter der Tötung gilt der Anführer der einflussreichen Bande DZ Mafia, wie die Zeitung „Le Parisien“ unter Berufung auf Ermittlungserkenntnisse berichtete.

Polizeiskandal um verschwundenes Kokain

Jedoch sorgten auch die Polizeibehörden für Aufsehen. Im Rahmen der „Opération Trident“ wurde im vergangenen Jahr ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dieses richtet sich gegen die Leiterin der Drogenfahndung von Marseille sowie ihren Stellvertreter und steht im Zusammenhang mit einer verschwundenen Lieferung von 400 Kilogramm Kokain, die zuvor observiert worden war.

Zusätzlich wurden zwei weitere Fahnder aus der südfranzösischen Metropole in Gewahrsam genommen. Ihr Plan war es, nach einem anonymen Tipp eine aus Kolumbien stammende Lieferung von 400 Kilo Kokain in den Pariser Raum zu überwachen, um den Drahtzieher zu fassen. Der Hauptabnehmer tauchte allerdings entgegen der Erwartung nicht auf. Laut Medienberichten soll die Droge anschließend mit Beteiligung von Polizei-Spitzeln verkauft worden sein. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.