In Mexiko herrscht nach dem Tod eines Drogenbosses der Ausnahmezustand. Kartellmitglieder regieren mit verheerender Gewalt.
Drogenboss getötetMexiko versinkt nach Kartell-Rache im Chaos – Touristen verschanzen sich

Die Tötung von Mexikos mächtigstem Drogenboss „El Mencho“ ist das Chaos ausgebrochen.
Copyright: Armando Solis/AP/dpa
Ausnahmezustand in Mexiko: Nach der Tötung des berüchtigten Drogenbosses Nemesio „El Mencho“ Oseguera Cervantes durch die mexikanische Armee ist es am Sonntag (22. Februar) in mehreren Teilen des Landes zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. In den Urlaubsmetropolen stürmten aufgebrachte Kartellmitglieder die Flughäfen.
Die US-Behörden alarmierten ihre Bürger und forderten sie auf, sich zu verstecken. Am Montag blieben in mehreren Staaten die Schulen geschlossen. Das Auswärtige Amt rief Deutsche in Mexiko zur Vorsicht auf.
Mexikos mächtigster Drogenboss „El Mencho“ getötet
In vielen Hotelanlagen, die besonders bei US-Touristen sehr beliebt sind, ging unter den Urlaubern die Angst um. Teilweise herrschten chaotische Zustände. Auch auf den Flughäfen sorgten die Kartellmitglieder für panische Verhältnisse. Viele Bürgerinnen und Bürger zogen sich in ihre Häuser zurück und verbarrikadierten diese.
Im westmexikanischen Bundesstaat Jalisco blockierten mutmaßliche Bandenmitglieder mehr als 20 Straßen mit brennenden Autos und Lastwagen. Auch Banken, Tankstellen und Läden wurden in Brand gesetzt. Mehrere Botschaften riefen ihre Bürger auf, sich in Sicherheit zu bringen. Überall stieg dicker, schwarzer Rauch auf. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bürger zur Ruhe auf. Einige nordamerikanische Fluggesellschaften sagten panisch Flüge in mehrere mexikanische Städte ab.
Zuvor hatte die mexikanische Armee die Tötung von „El Mencho“, dem Anführer des mächtigen Drogenkartells Jalisco Nueva Generación, der in Mexiko und im Nachbarland USA auf den Fahndungslisten stand, bekannt gegeben. Bei dem Militäreinsatz gegen „El Mencho“ in der Stadt Tapalpa in Jalisco kamen nach Angaben des Verteidigungsministeriums sieben Bandenmitglieder bei einem Schusswechsel ums Leben, darunter der berüchtigte Drogenboss. Er erlag seinen Verletzungen, als er nach Mexiko-Stadt geflogen wurde.
Sohn von Kartellboss ebenfalls in Gewahrsam genommen
Die USA hatten eine Belohnung von 15 Millionen Dollar (12,7 Millionen Euro) für Hinweise zu seiner Ergreifung ausgesetzt. Auch der Sohn des getöteten Drogenbosses wurde offenbar in Gewahrsam genommen.
Die mexikanische Armee arbeitete bei ihrem Einsatz eigenen Angaben zufolge mit „ergänzenden Informationen“ von US-Behörden. Auch eine Vielzahl von Waffen ist bei dem Sondereinsatz beschlagnahmt worden, darunter Raketenwerfer.
15 Millionen Dollar Kopfgeld auf „El Mencho“ ausgesetzt
Aus Sicherheitsgründen strichen oder leiteten Fluggesellschaften Flüge um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta, einer touristischen Stadt an der Pazifikküste, die auch von der Gewaltwelle betroffen war. Zu Zwischenfällen kam es ebenfalls in der Stadt Guadalajara, die einer der drei mexikanischen Austragungsorte der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist. Mexiko richtet das Turnier ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada aus.
María Medina, die in einer Tankstelle arbeitet, die in Brand gesteckt wurde, sagte der Nachrichtenagentur AFP, bewaffnete Männer seien gekommen und hätten allen befohlen, hinauszugehen. „Ich dachte sie würden uns entführen“, sagte Medina.
Im Bundesstaat Michoacán, wo das Kartell ebenfalls aktiv ist, sowie im Badeort Puerto Vallarta gab es ähnliche Blockaden wie in Jalisco. Der Bevölkerung wurde geraten, vorerst nicht aus dem Haus zu gehen. Sheinbaum erklärte, die mexikanische Regierung stehe in Abstimmung mit den Behörden der Bundesstaaten.
Chaos in Mexiko: Fluggesellschaften sagen reihenweise Flüge ab
Einige nordamerikanische Fluggesellschaften sagten derweil Flüge in mehrere mexikanische Städte ab. Airlines wie United, Southwest und Air Canada teilten mit, die Städte Puerto Vallarta, Guadalajara oder Manzanillo würden vorerst nicht mehr angeflogen. Einige Flugzeuge, die bereits auf dem Weg nach Mexiko gewesen seien, seien auf halber Strecke umgekehrt. Mehrere Fußballspiele wurden angesichts der Gewalt außerdem abgesagt.
Mehrere Botschaften haben ihre Staatsangehörigen zur Vorsicht aufgerufen. Es wurde dabei explizit vor Gewalttaten in den bei Touristen beliebten karibischen Urlaubsorten Cancún, Cozumel und Tulum gewarnt. Das US-Außenministerium rief US-Bürger in Mexiko auf, sich bis auf Weiteres „an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort in Sicherheit zu bringen und dort zu bleiben“. Die kanadische Regierung wies seine Bürger in Mexiko an, „unauffällig zu bleiben“ und den Anweisungen der örtlichen Behörden Folge zu leisten.
Zahlreiche Regierungen warnen ihre Bürger
Die deutsche Botschaft teilte auf X mit, dass es „in verschiedenen Landesteilen zu Unruhen, Straßensperren und Brandstiftungen“ komme. Sie empfahl, sich an sicheren Orten wie Hotels aufzuhalten und nicht notwendige Fahrten zu vermeiden. „Versuchen Sie bei Straßensperren nicht, sich zu widersetzen oder zu flüchten“, so die deutsche Vertretung weiter.

Ein Plakat mit Fotos eines mutmaßlichen mexikanischen Drogenbarons, Nemesio Oseguera Cervantes alias "El Mencho" aus dem Jahr 2018.
Copyright: dpa
„El Mencho“ galt als besonders gewalttätig
„El Mencho“ wurde 59 Jahre alt. Er wurde am 17. Juli 1966 in Aguililla, einer armen Gemeinde im westlichen mexikanischen Bundesstaat Michoacán, geboren. In der mexikanischen Unterwelt wurde er wegen seiner Vorliebe für Hahnenkämpfe als „Herr der Hähne“ bezeichnet. Sein weiterer Spitzname, „El Mencho“, soll von seinem Vornamen Nemesio abgeleitet sein. Zahlreiche „Narcocorridos“, Lieder über das Drogenmilieu, feiern seine kriminellen Machenschaften.
Das 2009 von „El Mencho“ gegründete Kartell Jalisco Nueva Generación gilt als besonders gewalttätig und ist eines der mexikanischen Drogenkartelle, die US-Präsident Donald Trump als terroristische Organisation eingestuft hat. Die US-Behörden legen dem Kartell zur Last, Kokain, Heroin, Methamphetamin und Fentanyl aus Mexiko über die Grenze in die USA zu schmuggeln.
Die Tötung von „El Mencho“ ist der bedeutendste Schlag gegen die mexikanischen Drogenkartelle seit der Festnahme der Drogenbosse Joaquín „El Chapo“ Guzman und Ismael „El Mayo“ Zambada, die in den USA in Haft sitzen. (mbr/afp)

