Wissenschaftler konnten zum ersten Mal dokumentieren, wie Pottwale einander stoßen. Die Szene weckt Assoziationen zu dem Roman „Moby Dick“.
Wie in „Moby Dick“Forscher filmen erstmals Pottwale bei gezielten Kopfstößen

Ein junger Pottwal rammt einen anderen seitlich mit dem Kopf.
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Ein weißer Pottwal ist die Hauptfigur in dem Roman „Moby Dick“, in dem das Schiff „Pequod“ gerammt und zum Sinken gebracht wird. Nun gelangen Forschern Aufnahmen, die belegen, dass diese Tierart ihren Kopf tatsächlich für gezielte Stöße einsetzt – im gefilmten Fall gegen Artgenossen. Wie die dpa meldet, wurde dieses Verhalten somit zum ersten Mal erfasst und wissenschaftlich analysiert.
Erzählungen von Seeleuten aus dem 19. Jahrhundert, denen zufolge Pottwale gezielt Objekte attackieren und Schiffe zum Sinken bringen können, werden durch die neuen Erkenntnisse gestützt. Als bekanntestes Beispiel gilt die Zerstörung des 27 Meter langen Walfängers „Essex“. Dieses Ereignis inspirierte den Autor Herman Melville (1819-1891) zu seinem bekannten Werk. Im Jahr 1820 soll das Schiff nahe der Galapagosinseln nach zwei gezielten Stößen eines großen Pottwal-Bullen gesunken sein.
Einsatz von Drohnentechnologie
Eine Forschungsgruppe unter der Leitung von Alec Burlem, der während der Untersuchung an der University of St. Andrews tätig war, beobachtete zwischen 2020 und 2022 Pottwale vor den Küsten der Azoren und der Balearen. Mittels Drohnen konnten sie dabei zufällig festhalten, wie sich mehrere Exemplare gegenseitig mit dem Kopf stießen. Es handelte sich dabei jedoch nicht um ausgewachsene Bullen, sondern um Jungtiere.
Drei derartige Vorfälle wurden insgesamt dokumentiert. Die Kollisionen fanden entweder Kopf an Kopf oder mit dem Kopf gegen den Körper des Artgenossen statt, wobei teils erhebliche Kraft angewendet wurde.
Die Funktion des Rammverhaltens
Nach Aussage der Wissenschaftler sind zusätzliche Studien, vor allem an großen Bullen, erforderlich, um den Zweck dieser Verhaltensweise zu ergründen. Eine aktuelle Annahme besagt, dass die Kopfstöße im Rahmen von Rivalitätskämpfen unter den Männchen stattfinden könnten. Es ist denkbar, dass die Jungtiere dieses Verhalten im Spiel üben, ähnlich wie es bei vielen anderen heranwachsenden Säugetieren in spielerischen Kämpfen zu beobachten ist.
Ein Gegenargument lautet jedoch, dass solche Stöße aus evolutionärer Sicht wenig sinnvoll wären. Für die 40 bis 60 Tonnen wiegenden Wale sei das Risiko zu hoch, essenzielle Bereiche im Kopf zu beschädigen, die für die Lauterzeugung und die soziale Interaktion notwendig sind. Bereits bei spielerischen Auseinandersetzungen bestünde die Möglichkeit, dass ein kleineres Tier durch einen seitlichen Stoß eines größeren verletzt wird.
Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die mit der Geschlechtsreife zunehmend aggressiven Jungbullen aus ihrer Familiengruppe verstoßen werden, sobald sie beginnen, andere Mitglieder wiederholt mit dem Kopf zu attackieren. Erwachsene Männchen formieren sich danach zunächst zu Junggesellengruppen, bevor sie später alleine die Ozeane durchstreifen.
Ein Gigant der Tiefsee mit besonderen Fähigkeiten
Der Pottwal (Physeter macrocephalus) gilt als ein Säugetier der Superlative. Sein gewaltiger, unproportional groß wirkender Schädel enthält das schwerste Gehirn aller heute existierenden Tierarten. Wofür dieses große Denkorgan genutzt wird, ist bislang größtenteils unbekannt.
Darüber hinaus erzeugen diese Wale die lautesten bekannten Geräusche im Tierreich, welche sie für die Echoortung fokussieren. Die Schallwellen sind so stark, dass Forscher sie noch in einer Distanz von rund fünf Kilometern wahrnehmen können; ein einzelner Wal versetzt somit mehrere Kubikkilometer Ozeanwasser in Schwingung. Die Heimat dieser Tiere ist die Tiefsee, wo sie fern der Küsten vom Äquator bis in die Polarregionen leben. (red)
Die Kommunikation untereinander ist für diese Meeressäuger essenziell und erfolgt über Abfolgen von Klicklauten, die als Codas bezeichnet werden. Dies ermöglicht es ihnen, kollektive Entschlüsse zu fassen, die Futtersuche zu koordinieren und sich gegenseitig bei der Betreuung des Nachwuchses zu unterstützen. Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
