Bereits in den ersten Verhandlungstagen zeichnet sich ein schwieriger Prozessverlauf ab. Auch weil der Vater für große Irritation sorgt.
Mordfall FabianVater gesteht Beziehung zur Angeklagten – Mutter reagiert fassungslos

Die Angeklagte im Mordfall Fabian verdeckt ihr Gesicht im Gerichtssaal in Rostock.
Copyright: Bernd Wüstneck/dpa
Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian aus Güstrow überschlagen sich die Ereignisse. Insbesondere das Verhältnis zwischen dem Vater des toten Jungen, Matthias R., und der des Mordes angeklagten Gina H. wirft viele Fragen auf.
Am Dienstag musste sich Matthias R. vor Gericht zu seinem aktuellen Verhältnis zur Angeklagten äußern. Auf Nachfrage von Richter Holger Schütt bestätigte der 35-Jährige im Sitzungssaal, dass beide wieder ein Paar seien. Die Annäherung habe demnach im Januar während ihrer Inhaftierung begonnen. Er würde die 30-Jährige regelmäßig im Gefängnis besuchen.

Dorina L. (r.), die Mutter des ermordeten achtjährigen Fabian, ist Nebenklägerin.
Copyright: Bernd Wüstneck/dpa
Diese Aussage kam auch für Fabians Mutter Dorina L., die als Nebenklägerin an dem Prozess teilnimmt, überraschend. Bereits am Montag hatte Dorina L. den Tathergang mehr als vier Stunden lang geschildert. Dabei hatte sie immer wieder mit den Tränen zu kämpfen.
Fabians Vater verstrickt sich in Widersprüche
Darüber hinaus rückte der Vater überraschend von früheren Angaben ab und nahm die Angeklagte plötzlich in Schutz. Noch im November 2025 hatte er den Ermittlern berichtet, sie habe heimlich sein Handy durchsucht. Vor Gericht erklärte er nun jedoch, er habe keine Erinnerung mehr daran. Dabei verstrickte er sich immer wieder in Widersprüche. Für Dorina L. war all das schwer erträglich.
Im weiteren Verlauf ging der Richter am Dienstag mit dem Vater die Nachrichten vom Tag des Verschwindens Fabians detailliert durch. Schütt sagte, das Bundeskriminalamt habe eigens eine Kommunikationsanalyse für Matthias R. und die Beschuldigte erstellt, mit der dieser eine mehrjährige Beziehung hatte. Demnach habe die Angeklagte in Nachrichten normalerweise wenig Interesse an der Familie oder dem Befinden des Mannes gezeigt.
Fall Fabian: Kommunikation von Fabians Vater und Gina H. im Fokus
Schütt wies darauf hin, dass sie am Tag von Fabians Verschwinden aber mehrmals nachfragte, was den Vater beschäftige, nachdem er Andeutungen gemacht, aber noch nicht verraten hatte, dass sein Sohn vermisst werde. Er habe sich „nichts dabei gedacht“, sagte der Vater im Verfahren zu dem Verhalten seiner Ex-Freundin.
Oberstaatsanwalt Harald Nowack irritert Verhalten von Vater
Oberstaatsanwalt Harald Nowack zeigt sich irritiert vom zurückhaltenden Engagement des Vaters im Verfahren. Anders als Fabians Mutter lässt er sich nicht als Nebenkläger anwaltlich vertreten. Bislang hatte er nach eigener Aussage keine direkte Akteneinsicht und bezieht seine Informationen nur aus den Medien oder von Dritten.
„Haben Sie Angst davor, die Wahrheit zu erfahren?“, fragt Nowack ihn. Auch Richter Schütt wird angesichts der teilweise zurückhaltenden Aussagen des Zeugen deutlich: „Ich flehe Sie geradezu an, das ist Ihr Sohn, nicht meiner.“
Im Fall Fabian geht es um den Tod des achtjährigen Jungen Fabian aus Güstrow. Nach seinem Verschwinden im Oktober 2025 wurde seine Leiche einige Tage später in der Nähe von Klein Upahl auf einem Feldstück gefunden. Laut Medienberichten meldete die Angeklagte Gina H., der nun heimtückischer Mord vorgeworfen wird, den Fund der Polizei. (mbr/dpa)