Mit stoischer Miene und roter Hosenträger-Uniform wurde Peter Behrens zur Kultfigur der Neuen Deutschen Welle. Nach den großen Erfolgen folgte eine Lebensgeschichte voller Abstürze, Schulden und Einsamkeit. Vor zehn Jahren starb der Musiker im Alter von 68 Jahren.
10. Todestag von NDW-IkoneSo tragisch stürzte der „Clown mit der Trommel“ ab

Gemeinsam mit Kralle Krawinkel (links) und Stephan Remmler (rechts) schrieb Peter Behrens als Trio (nicht nur) deutsche Musikgeschichte. (Bild: IMAGO / United Archives)
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Wenn Peter Behrens hinter seinem Schlagzeug saß, wirkte er oft wie ein Mann aus einer anderen Welt. Regungslos spielte er mit einer Hand Schlagzeug und aß dabei einen Apfel. In der „ZDF-Hitparade“ jonglierte er plötzlich mit Tennisbällen, während Trio ihren Hit „Anna - lassmichrein lassmichraus“ performten. Millionen Zuschauer schauten irritiert, fasziniert - und vergaßen ihn nie wieder. Bis heute gehört der Schlagzeuger mit der aufgestellten Stirnlocke, den roten Hosenträgern und dem unbewegten Buster-Keaton-Gesicht zu den prägendsten Figuren der Neuen Deutschen Welle. Nach der Auflösung der Band folgte jedoch ein ungeahnter Absturz. Am 11. Mai jährt sich der Tod von Peter Behrens zum zehnten Mal.

„Da da da“: Drei Silben machten Trio 1982 international bekannt und zu einer der wichtigsten NDW-Bands. (Bild: ARTE)
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Geboren wurde Behrens 1947 im niedersächsischen Sanderbusch - als unehelicher Sohn eines US-amerikanischen GIs. Seine Mutter gab ihn früh zur Adoption frei. Er wuchs später in Varel bei einer Adoptivfamilie auf, die sich für ihn eine sichere Beamtenlaufbahn wünschte. Doch Behrens hatte früh andere Pläne: Nach einer Fotografen-Ausbildung, dem Wehrdienst (den er gemeinsam mit dem späteren Scorpions-Sänger Klaus Meine absolvierte) und einem begonnenen Lehramtsstudium entschied er sich endgültig für die Musik.
Behrens spielte in Schlager-, Swing- und Krautrockbands, tingelte durch Norddeutschland und arbeitete zeitweise sogar als Clown und Pantomime. Eine prägende Station war die renommierte Mailänder Artistenschule, an der sich Behrens Ende der 1970er-Jahre zum Clown ausbilden ließ. Dort entwickelte er auch jene stoische Bühnenfigur, die später sein Markenzeichen werden sollte.
„Da Da Da“ machte Trio weltweit berühmt

Mit „Drei gegen Drei“ schafften Trio auch den Sprung ins Kino, der Film floppte allerdings und leitete das Ende der Band ein. (Bild: Turbine Medien)
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1980 antwortete der arbeitslose Musiker auf eine Zeitungsannonce von Stephan Remmler und Kralle Krawinkel. Die beiden suchten einen Schlagzeuger für ein neues Bandprojekt. Aus der Idee entstand wenig später Trio. Die Band reduzierte alles auf das Wesentliche: minimale Arrangements, einfache Texte, klare Optik. Peter Behrens trat oft im gleichen Outfit auf - weißes T-Shirt, weiße Hose, rote Hosenträger und rote Schuhe. Dazu die berühmte schwarze Locke.

Nach seiner Trio-Zeit stürzte Peter Behrens (hier auf einem Bild von 2007) ab. (Bild: The original uploader was Havelbaude at German Wikipedia (Original text: Havelbaude Sempf), Public domain, via Wikimedia Commons)
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Was zunächst wie anarchischer Dilettantismus wirkte, war in Wahrheit exakt kalkuliert. Jeder Auftritt war choreografiert, jede Geste geplant. Gerade diese Mischung aus Humor, Reduktion und cooler Absurdität machte Trio Anfang der 1980er-Jahre zu einer Sensation. Der Durchbruch kam 1982 mit „Da Da Da“. Die Single verkaufte sich weltweit mehr als 13 Millionen Mal. Trio spielten plötzlich in New Yorker Clubs und britischen TV-Shows, galten als Aushängeschild der NDW und wurden zu internationalen Popstars.
Es folgten Hits wie „Herz ist Trumpf“ oder „Anna - lassmichrein lassmichraus“. Doch hinter den Kulissen begannen die Spannungen längst zu wachsen. Spätestens nach dem kommerziellen Misserfolg des Films „Drei gegen Drei“ zerbrach die Band zunehmend an künstlerischen Differenzen. Stephan Remmler wollte sich stärker dem Schlager annähern, Kralle Krawinkel dem Rock. „Ich stand zwischen den Stühlen“, erinnerte sich Behrens 2013 im „taz“-Interview. 1986 war endgültig Schluss.
„Kokain, Alkohol, Schulden, Arbeitslosigkeit“

2013 veröffentlichte Peter Behrens seine Autobiografie „Der Clown mit der Trommel“, drei Jahre später starb er im Alter von 68 jahren an multiplem Organversagen. (Bild: Michael Schilling, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons)
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Für den Schlagzeuger begann danach eine schwere Zeit. Während Remmler und Krawinkel weiterhin von Tantiemen profitierten, ging Behrens weitgehend leer aus. An den meisten Trio-Songs war er nicht als Komponist beteiligt gewesen. Die Millionen aus den Erfolgsjahren verschwanden, zurück blieben ein riesiges Loch: „Ich war unten und zwar eine Weile“, sagte er der „taz“: „Kokain, Alkohol, Schulden, Arbeitslosigkeit“.
Zwischendurch verbüßte er wegen eines älteren Verkehrsdelikts sogar eine Haftstrafe im offenen Vollzug. Seine Solokarriere verlief erfolglos. Singles wie „Das Tor“ oder „Dep De Dö Dep“ konnten nicht an frühere Erfolge anknüpfen. Zeitweise lebte der einstige Weltstar von Arbeitslosengeld II und hielt sich mit kleinen Jobs als Clown, Schlagzeuger oder Streetworker über Wasser.
Erst viele Jahre später fand Behrens langsam wieder Halt. Einen entscheidenden Anteil daran hatte Klaus Marschall, ein Lehrer aus Soest, der Kontakt zu ihm aufnahm und ihn ermutigte, seine Geschichte aufzuschreiben. 2013 erschien schließlich seine Autobiografie „Der Clown mit der Trommel“. Darin schilderte Behrens offen seinen Absturz, seine Suchtprobleme und die Einsamkeit nach dem Ruhm. Das Buch wurde später sogar mit dem Deutschen Biographiepreis ausgezeichnet.
In seinen letzten Jahren lebte Peter Behrens zurückgezogen in Wilhelmshaven. Gelegentlich hatte er noch kleine Auftritte in Kneipen oder wirkte in Musikvideos mit. Am 11. Mai 2016 starb Behrens im Alter von 68 Jahren im Klinikum Wilhelmshaven an multiplem Organversagen. Seine Asche wurde später in der Nordsee verstreut. (tsch)