Leider hochaktuell: Bernhard Wickis berühmter Antikriegsfilm „Die Brücke“ ist ein Filmkunstwerk, das bemerkenswert gut gealtert ist.
Antikriegs-MeisterwerkEiner der besten deutschen Filme aller Zeiten läuft heute im Free-TV

Eine lächerlich kleine Brücke, eine lächerlich kleine Gruppe, eine große Tragödie: Die unbedarften Oberschüler Hans, Albert, Walter, Jürgen, Klaus, Sigi und Karl (von links: Folker Bohnet, Fritz Wepper, Michael Hinz, Frank Glaubrecht, Volker Lechtenbrink, Günther Hoffmann, Karl Michael Balzer) werden in einen sinnlosen Tod geschickt. (Bild: HR/ARD Degeto)
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Nicht immer braucht es eine Neuverfilmung, um die Wucht einer alten Geschichte zu spüren. Bernhard Wickis Meisterwerk „Die Brücke“ (Samtag, 2. Mai, 23.15 Uhr, hr Fernsehen) von 1959 ist so ein Fall. Denn obwohl es Versuche gab, den bestechenden Plot in Bilder der Gegenwart zu transportieren - zum Beispiel eine ambitionierte ProSieben-Verfilmung aus dem Jahr 2008 -, beeindruckt das Original auch über 60 Jahre nach Kinostart noch immer mit seiner erzählerischen Wucht.
Geschildert wird die dramatische Geschichte von sieben 16-jährigen Jungen im April 1945. In den letzten Tagen des Krieges werden sie von der Schulbank weg eingezogen. Ein Hauptmann hat Mitleid mit den Teenagern und positioniert sie weitab der Gefahr - so glaubt er. Ihr Auftrag: Sie sollen die Brücke vor den Toren einer kleinen deutschen Stadt verteidigen. Doch durch einen idiotischen Zufall kommt der (einzig erfahrene) Anführer der Möchtegern-Soldaten (Günter Pfitzmann) ums Leben.
Ein zeitloses Meisterwerk
Auf sich allein gestellt, beschließen die Jungen, eisern durchzuhalten. Bis zum Schluss. Koste es, was es wolle. Und es kostet viel: Bei einem Tieffliegerangriff kommt der kleine Sigi (Günther Hoffmann) ums Leben, als er sich unbedingt als harter Kerl beweisen will. Getrieben von einer Mischung aus nationaler Begeisterung und Rachegefühlen stellen sich daraufhin die blutjungen Soldaten den vorrückenden amerikanischen Panzern entgegen - und steuern geradewegs in die Tragödie.
Die bittere Absurdität ihres Einsatzes zeigt sich gegen Ende des Films: Die letzten überlebenden Jugendlichen müssen miterleben, wie ein deutsches Kommando anrückt, um die Brücke zu sprengen - schließlich sei die „strategisch völlig unwichtig“. Exemplarisch führt Wicki in „Die Brücke“ am Unsinn eines einzelnen Auftrags den Wahnsinn des gesamten Krieges vor Augen. Ein zeitloses Meisterwerk, das kompromisslos Anklage erhebt und unzweifelhaft das Prädikat Antikriegsfilm verdient.
Für die jungen Darsteller, darunter Fritz Wepper, Volker Lechtenbrink, Michael Hinz und Volker Bohnet, wurde der Film zum prägenden Erlebnis - und für einige auch zum Steigbügel für die Karriere. Der Österreicher Wicki starb im Januar 2000 im Alter von 80 Jahren in München. Für „Die Brücke“ gewann er 1960 unter anderem fünf Deutsche Filmpreise, einen Golden Globe für den besten ausländischen Film, zudem wurde das Werk für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. (tsch)