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Comeback eines Nullerjahre-KlassikersDas sind die Kino-Highlights der Woche

6 min
In „Der Teufel trägt Prada 2“ wirken alle Stars mit, die auch schon vor 20 Jahren im Vorgängerfilm zu sehen waren. Im Bild, von links: Anne Hathaway, Meryl Streep und Stanley Tucci. (Bild: Disney/20th Century Studios/Macall Polay)

In „Der Teufel trägt Prada 2“ wirken alle Stars mit, die auch schon vor 20 Jahren im Vorgängerfilm zu sehen waren. Im Bild, von links: Anne Hathaway, Meryl Streep und Stanley Tucci. (Bild: Disney/20th Century Studios/Macall Polay)

„Rose“, „Der Wunderweltenbaum“ und das mit Spannung erwartete Sequel „Der Teufel trägt Prada 2“, in dem Meryl Streep wieder die schlimmste Chefin der Welt spielt: Das sind die Kino-Neustarts am 30. April.

Herablassend, unnahbar, unglaublich anspruchsvoll und zuweilen richtig fies: Miranda Priestly präsentierte sich 2006 als die schlimmste Chefin, die man sich vorstellen konnte - großartig verkörpert von Meryl Streep, die damals für einen Oscar und auch einen Golden Globe als beste Hauptdarstellerin nominiert war. Was war das für ein bittersüßer Hochgenuss, diese Miranda Priestly dabei zu bestaunen, wie sie alle um sich herum schikaniert, allen voran natürlich ihre arme Assistentin Andy Sachs (Anne Hathaway). 20 Jahre später wird die Geschichte in „Der Teufel trägt Prada 2“ endlich weitererzählt - wieder mit den gleichen alten Gemeinheiten?

Miranda Priestly (Meryl Streep, links) trifft nach 20 Jahren wieder auf ihre ehemalige Assistentin Andy (Anne Hathaway): Ist es diesmal eine Begegnung auf Augenhöhe? (Bild: Disney/20th Century Studios/Macall Polay)

Miranda Priestly (Meryl Streep, links) trifft nach 20 Jahren wieder auf ihre ehemalige Assistentin Andy (Anne Hathaway): Ist es diesmal eine Begegnung auf Augenhöhe? (Bild: Disney/20th Century Studios/Macall Polay)

Außerdem neu in dieser Woche: „Rose“ erzählt mit Sandra Hüller in der Hauptrolle von einer Frau, die sich als Mann ausgibt, und mit „Der Wunderweltenbaum“ findet eine hochkarätig besetzte Enid-Blyton-Adaption den Weg auf die Leinwand.

Der Teufel trägt Prada 2

Sandra Hüller wurde bei der Berlinale für ihre Darbietung in „Rose“ mit einem Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. (Bild: Schubert/ROW Pictures/Walker+Worm Film/Gerald Kerkletz)

Sandra Hüller wurde bei der Berlinale für ihre Darbietung in „Rose“ mit einem Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. (Bild: Schubert/ROW Pictures/Walker+Worm Film/Gerald Kerkletz)

Wie böse und herablassend Miranda Priestly zwei Jahrzehnte später wirklich ist - man konnte es anhand der spärlich gesäten Vorab-Informationen zu „Der Teufel trägt Prada 2“ nur erahnen. Es wurde kaum etwas zum Inhalt preisgegeben, außer dass Miranda mit ihrem Hochglanz-Modemagazin „Runway“ in einer grundlegend veränderten Medienwelt ums Überleben kämpft. Und dass sie dabei auch auf alte Bekannte trifft, allen voran ihre ehemalige Assistentin Andy Sachs.

Immerhin, die Trailer deuteten kurz an, dass Miranda Priestly sich selbst weiterhin ganz oben sieht und alle anderen weit darunter. In einer Szene erklärt sie Andy zuerst, dass sie nach wie vor nichts anderes als ihr „Scheitern“ erwarte. Dann steigt sie in eine Limousine und schlägt ihrer ehemaligen wichtigsten Mitarbeiterin die Autotür vor der Nase zu. „Warum nehmen Sie nicht die Bahn, Liebes ...“ - Klassisch Miranda Priestly, der Teufel in Prada, der aber natürlich auch seine charmanten Züge hat. Die Figur ist bekanntlich der ehemaligen „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour nachempfunden, die das alles aber mit Humor nimmt. Zuletzt posierte Wintour gemeinsam mit Meryl Streep auf dem Cover der „Vogue“.

Rose (Sandra Hüller, rechts) willigt in eine arrangierte Ehe mit Suzanna (Caro Braun) ein. Kann die gottesfürchtige junge Frau ein Geheimnis hüten? (Bild: Schubert/ROW Pictures/Walker+Worm Film/Gerald Kerkletz)

Rose (Sandra Hüller, rechts) willigt in eine arrangierte Ehe mit Suzanna (Caro Braun) ein. Kann die gottesfürchtige junge Frau ein Geheimnis hüten? (Bild: Schubert/ROW Pictures/Walker+Worm Film/Gerald Kerkletz)

Neben den Hauptdarstellerinnen Meryl Streep und Anne Hathaway schlüpfen Emily Blunt (als Emily Charleton) und Stanley Tucci (als Nigel Kipling) ebenfalls wieder in ihre bekannten Rollen aus dem Vorgängerfilm, der seinerzeit über 300 Millionen Dollar einspielte und bis heute als einer der größten Kultfilme der Nullerjahre gilt. Auch hinter der Kamera ist ein Großteil des alten Teams wieder dabei. David Frankel führte Regie, Aline Brosh McKenna schrieb basierend auf dem Fortsetzungsroman „Revenge Wears Prada“ von Lauren Weisberger das Drehbuch, Wendy Finerman fungierte als Produzentin. Sie alle waren auch schon vor 20 Jahren dabei, ebenso wie etwa auch Soundtrack-Komponist Theodore Shapiro und Kameramann Florian Ballhaus.

Rose

Joe (Phoenix Laroche), Fran (Billie Gadsdon, Mitte) und Beth (Delilah Bennett-Cardy) finden Wälder eigentlich schrecklich langweilig. In „Der Wunderweltenbaum“ werden sie ihre Meinung aber bald ändern. (Bild: David R. Gaynes/Leonine)

Joe (Phoenix Laroche), Fran (Billie Gadsdon, Mitte) und Beth (Delilah Bennett-Cardy) finden Wälder eigentlich schrecklich langweilig. In „Der Wunderweltenbaum“ werden sie ihre Meinung aber bald ändern. (Bild: David R. Gaynes/Leonine)

Irgendwo im Heiligen Römischen Reich in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, es tobt der Dreißigjährige Krieg. Eine wilde Zeit, in der man froh ist über jeden neuen Morgen und nicht unbedingt alles hinterfragen muss. Zum Beispiel, wenn da plötzlich ein Soldat in einem protestantischen Dorf auftaucht und sich als Erbe eines lange verlassenen Gutshofs ausgibt. Der Soldat Rose zieht also ein und mit ihm ein ungeheuerliches Geheimnis.

Dieses Geheimnis: Der Soldat Rose ist gar kein Soldat, sondern eine Frau mit Namen Rose (Sandra Hüller), die sich als Mann ausgibt. Anders käme sie zu nichts, als alleinstehende Frau hätte sie in der damaligen Zeit viel weniger Rechte und Möglichkeiten als jeder noch so arme männliche Knecht. Rose kümmert sich um seine (oder ihre) eigenen Angelegenheiten, wird dennoch ausreichend anerkannter Teil der Gesellschaft. Um weiter unter falscher Identität leben zu können, willigt Rose sogar in eine arrangierte Ehe mit Suzanna (Caro Braun) ein - die junge Frau ist „unbescholten, gottesfürchtig, in allen weiblichen Arbeiten geschickt“. Ist sie auch vertrauenswürdig?

In „Der Wunderweltenbaum“ tummeln sich viele verrückte Figuren, zum Beispiel Mondgesicht (Nonso Anozie), Frau Wasch (Jessica Gunning, Mitte) und die Fee Seidenhaar (Nicola Coughlan). (Bild: David R. Gaynes/Leonine)

In „Der Wunderweltenbaum“ tummeln sich viele verrückte Figuren, zum Beispiel Mondgesicht (Nonso Anozie), Frau Wasch (Jessica Gunning, Mitte) und die Fee Seidenhaar (Nicola Coughlan). (Bild: David R. Gaynes/Leonine)

„Rose“, nach „Michael“ (2011) und „Angelo“ (2018) erst der dritte Spielfilm von Markus Schleinzer, basiert nicht direkt auf einer wahren Geschichte. Was sich in diesem eindrücklichen Schwarzweiß-Drama zuträgt, hätte aber ganz ähnlich doch passiert sein können. Der österreichische Autor und Regisseur Schleinzer ließ sich inspirieren von mehreren dokumentierten Berichten über europäische Frauen, die sich in der Vergangenheit als Männer ausgaben, um ihr Glück zu finden. Die Premiere von „Rose“ fand im Februar bei der Berlinale statt, wo Sandra Hüller mit dem Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.

Der Wunderweltenbaum

„Da wo wir hinfahren, gibt's einen Wald voll mit den wunderschönsten Bäumen“: Stümperhafter hat wohl noch nie ein Vater versucht, seine Kinder vom Umzug in ein entlegenes neues Zuhause mit viel Grün und wenig Zivilisation zu überzeugen. Teenager-Mädchen Beth (Delilah Bennett-Cardy) haut es ihm sogleich um die Ohren. „Bäume sind wirklich das Langweiligste auf der Welt!“ Der kleine Joe (Phoenix Laroche) hat den Wald und die Bäume derweil schon wieder vergessen. „Gibt's da Internet?“ Nein, da, wo die Familie Thompson hinfährt, gibt es kein Internet. Die Bäume da sind aber wirklich cool - viel mehr noch, als selbst der Papa es sich je erträumt hätte.

Der Vater Tim wird verkörpert von Andrew Garfield, die Mutter Polly von Clare Foy. Drei Kinder haben die Eltern bei ihrem Start in ein völlig neues Leben dabei - neben den besagten Beth und Joe auch noch Fran (Billie Gadsdon). Die Thompsons wollen gerne mehr Natur und weniger Technologie, Tim und Polly gründen ihre eigene Tomatenfarm. Weil so eine Tomatenfarm auch fürchterlich langweilig ist, gehen die Kinder schließlich doch in den Wald, und damit beginnt für sie ein fantastisches Abenteuer.

Enid Blytons „Zauberwald“-Reihe ist hierzulande längst nicht so bekannt wie etwa ihre „Fünf Freunde“-Bücher oder „Hanni und Nanni“, passt aber besonders gut in die heutige Zeit. Jugendromane, die Magie und Natur vermischen, stehen seit Jahren hoch im Kurs, entsprechende Filmproduktionen ebenso. „Der Wunderweltenbaum“ (veröffentlicht im Jahr 1943) wurde von Regisseur Ben Gregor nach einem Drehbuch von Simon Farnaby verfilmt und setzt auf hochkarätig besetzte Fantasy-Unterhaltung für die ganze Familie, im besten Fall noch mit pädagogischem Effekt.

Beth, Joe und Fran jedenfalls stoßen im Wald sehr bald auf einen magischen „Wunderweltenbaum“, in dem ihnen viele verrückte, kunterbunte, lustige Figuren begegnen. Eine Fee namens Seidenhaar zum Beispiel, ein Mondgesicht und ein Pfannenmann, dann noch Sir Namenlos, Mr. Oom Boom Boom und Frau Wasch. Mit diesen ziemlich ulkigen Gestalten reisen die Kinder in die unterschiedlichsten Welten, eine bezaubernder als die andere. Nach Internet fragt bald schon niemand mehr. Nur vor der bösen Madame Klaps, warnt man die Kinder, sollen sie sich unbedingt hüten ... (tsch)