Als Thomas Anders fast über Nacht zum Superstar wurde, waren in den 1980er-Jahren drei Begleiter pausenlos an seiner Seite: seine Frau Nora, Modern-Talking-Partner Dieter Bohlen und die „Bravo“. Kein Wunder, dass er damals einen Nervenzusammenbruch erlitt. Der war aber ein Fake.
Geständnis bei RTLThomas Anders erfand wegen Ex-Frau Nora einen Nervenzusammenbruch

Thomas Anders offenbart in „70 Jahre Bravo - Das große Jubiläum“ (RTL), dass er in der großen Modern-Talking-Zeit in den 80er-Jahren einen Nervenzusammenbruch erfand. (Bild: RTL)
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„Hattest du einen Nervenzusammenbruch?“ Diese Frage stellte die „Bravo“ vor gut 40 Jahren einem ihrer damals größten Stars - Thomas Anders. Mit der Antwort tut sich der ehemalige Modern-Talking-Sänger (63) heute noch ein bisschen schwer. Aber er gibt sie - in der dreistündigen Dokumentation „70 Jahre Bravo - Das große Jubiläum“, die RTL am Sonntagabend gesendet hat.
Fakt ist: Auf dem frühen Höhepunkt ihrer Karriere wurden Modern Talking 1986 zu einem TV-Auftritt nach Paris eingeladen. So weit, so gut, denn die Hits von Bohlen und Anders waren auch in Frankreich angesagt. Allerdings gab es ein Problem. In Paris wurden Modern Talking von Moderatorin Désirée Nosbusch, selbst „Bravo“-Star, empfangen. Und auf die war Nora, Thomas Anders' damals frisch gebackene Ehefrau (sie wurden 1999 geschieden) eifersüchtig. Anders erzählt in der RTL-Doku: „Okay. Meine Ex-Frau ist natürlich ausgerastet. Und dann sind wir abgereist.“
Anders und Nora jetteten heim, aber der Auftritt fand trotzdem statt: Dieter Bohlen holte sich in Gestalt von Uwe Borgwardt für die TV-Show einen „Ersatz-Thomas“ auf die Bühne. Borgwardt hatte sogar optisch Ähnlichkeit mit Anders und „Cheri, Cheri Lady“ wurde eh im Vollplayback vorgetragen.
Aus Eifersucht! Nora ließ den Auftritt von Modern Talking in Paris platzen
In Frankreich wurde keine große Welle um das Fehlen von Thomas Anders gemacht. Aber daheim war es, so Anders in der Doku, „das riesengroße Drama“. Und es musste eine Erklärung her. Anders: „Man musste eine Geschichte erfinden, warum ich abgereist bin. Und die musste ziemlich groß sein.“ Man kam auf die Lösung. Anders: „Deshalb: Nervenzusammenbruch. Das zieht immer.“
In der Geburtstags-Doku erinnert sich Thomas Anders an seine durchaus wechselhafte Beziehung mit Deutschlands größtem Jugendmagazin. Er entwickele sich vom Fan, der die „Bravo“ einst wegen ABBA selbst kaufte, zu einem der größten Stars der „Bravo“-Geschichte. „Über ein Jahr lang waren wir wirklich in jeder 'Bravo'.“
Thomas Anders: Kurz nach dem falschen Nervenzusammenbruch kam der echte Burnout
Anders enthüllt auch, dass der erste Bericht über ihn in der „Bravo“ nur Scherereien brachte. Das war nämlich noch vor der Modern-Talking-Zeit. Nachdem Anders in der „Tommi-Ohrner-Show“ aufgefallen war, schrieb die „Bravo“ über den „Schüchternen aus der 12. Klasse“ und legte ihm ein Zitat in den Mund: „Ich habe noch nie ein Girl geküsst“, lautete die Headline.
Anders berichtet: „Ich komme morgens über den Schulhof und alle drehen sich nach mir um.“ Erklärung: „Der liebenswerte Hausmeister hatte die Seite rausgerissen und ans schwarze Brett gehängt.“ Es wurde zum Spießrutenlauf über den Schulhof. „Ich sehe heute noch die bemitleidenswerten Blicke der Sechstklässler.“
Später, mit Modern Talking, gewöhnte sich Anders an die Berichte. Bei seiner Hochzeit (Juli 1985), backstage, sogar im Badezimmer im Schaubad in der Wanne - die „Bravo“ war immer dabei. Zwischen 1984 und 1986 hatten Modern Talking fünf Nummer-eins-Singles (hintereinander!) und drei Nummer-eins-LPs. Es war ein mörderisches Programm, das Spuren hinterließ.
Ironie des Schicksals nach dem damals gefakten Nervenzusammenbruch: Nach drei Jahren Modern Talking war Anders ausgelaugt. „Ich musste damals etwas Abstand halten, weil ich war wirklich richtig überarbeitet nach den ersten drei Jahren von Modern Talking“, gestand er vergangenes Jahr in „Volle Kanne“. Damals gab er zu: „Heute würde man Burnout sagen.“ (tsch)