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Gospel-Album der Godmother of PunkSo brav sah Nina Hagen früher aus

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Nina Hagen ist auch als die „Godmother of Punk“ bekannt. (Bild: 2013 Getty Images/Thomas Lohnes)

Nina Hagen ist auch als die „Godmother of Punk“ bekannt. (Bild: 2013 Getty Images/Thomas Lohnes)

Mit „Highway to Heaven“ veröffentlicht Nina Hagen am Freitag, 27. März, ein neues Gospel-Album. Ein überraschender Schritt der deutschen Godmother of Punk? Eher nicht: Ihre Gläubigkeit hat die Sängerin nie geheim gehalten. Und am Anfang ihrer Karriere machte die heute 71-Jährige ohnehin einen ganz anderen Eindruck ...

1974 machte Nina Hagen in der DDR eine Ausbildung zur „staatlich anerkannten Schlagersängerin“. Ein Jahr später hatte sie mit „Du hast den Farbfilm vergessen“ ihren größten Hit in der DDR. Im Dezember 1976 flüchtete Hagen nach Großbritannien. (Bild: IMAGO / Gueffroy)

1974 machte Nina Hagen in der DDR eine Ausbildung zur „staatlich anerkannten Schlagersängerin“. Ein Jahr später hatte sie mit „Du hast den Farbfilm vergessen“ ihren größten Hit in der DDR. Im Dezember 1976 flüchtete Hagen nach Großbritannien. (Bild: IMAGO / Gueffroy)

Punk, Pop, Schlager, Oper oder Weltmusik: Wenn Nina Hagen Musik aufnimmt, kann es erfahrungsgemäß in jede erdenkliche Richtung gehen. Jetzt richtet die ikonische Sängerin den Blick mal wieder nach ganz oben: 16 Jahre nach ihrem stimmgewaltigen musikalischen Glaubensbekenntnis „Personal Jesus“ (2010) interpretiert sie wieder diverse Gospel-Klassiker neu. Die Platte „Highway To Heaven“ wird am 27. März 2026 veröffentlicht.

Das nach ihrer „Nina Hagen Band“ benannte 1978 erschienene Debütalbum Nina Hagens ist nicht nur eine ältesten Punk-Platten Deutschlands - auch die feministischen Themen der Platte waren bahnbrechend. (Bild: Sony)

Das nach ihrer „Nina Hagen Band“ benannte 1978 erschienene Debütalbum Nina Hagens ist nicht nur eine ältesten Punk-Platten Deutschlands - auch die feministischen Themen der Platte waren bahnbrechend. (Bild: Sony)

Passt das denn überhaupt zu einer Künstlerin, die sich den Spitznamen „Godmother of Punk“ Ende der 70er-Jahre regelrecht verdient hat? Das ist wohl Definitionssache. Die Ärzte definierten ihre Philosophie 1998 in ihrem Song „Punk ist...“ so: „Mach dein Ding, steh dazu / Heul nicht rum, wenn andere lachen.“ Und orientiert man sich daran, so ist Nina Hagen wahrlich stets die deutsche „Godmother of Punk“ geblieben.

Einst sang sie mit einem Ramone, heute über Gott

Auch so kann Subversion funktionieren: Mit dem Titel ihrer neuen Platte stellt Nina Hagen einen Klassiker der Hard-Rock-Band AC/DC auf den Kopf. (Bild: 2010 Getty Images/Sean Gallup)

Auch so kann Subversion funktionieren: Mit dem Titel ihrer neuen Platte stellt Nina Hagen einen Klassiker der Hard-Rock-Band AC/DC auf den Kopf. (Bild: 2010 Getty Images/Sean Gallup)

Denn ihr Ding macht die Künstlerin, die noch nie um eine Kontroverse verlegen war, nun schon seit etwa 50 Jahren - auch wenn sie damit gegen den Strom schwimmt. „Sie ist ein Charakterkopf“, sagte Punk-Legende Dee Dee Ramone ein Jahr vor seinem Tod über die deutsche Sängerin, mit der er 1994 zwei Songs aufgenommen hatte, in einem Interview mit dem Musikmagazin „Ox Fanzine“. Und der Ramones-Bassist sollte es schließlich wissen.

16 Jahre nach ihrem stimmgewaltigen musikalischen Glaubensbekenntnis „Personal Jesus“ (2010) interpretiert sie wieder diverse Gospel-Klassiker neu. Die Platte „Highway To Heaven“ wird am 27. März 2026 veröffentlicht. (Bild: Grönland Records)

16 Jahre nach ihrem stimmgewaltigen musikalischen Glaubensbekenntnis „Personal Jesus“ (2010) interpretiert sie wieder diverse Gospel-Klassiker neu. Die Platte „Highway To Heaven“ wird am 27. März 2026 veröffentlicht. (Bild: Grönland Records)

Auch dem neuen Gospel-Album wohnt ein rebellischer Gestus inne, nicht trotz, sondern wegen seines religiösen Inhalts - eben weil das oberflächlich betrachtet so abwegig scheint. Dabei hat die 71-Jährige nie ein Geheimnis um ihre Gläubigkeit gemacht.

Erst Erfolg, dann Flucht aus der DDR

Auch in ihrer Art, sich zu präsentieren, schlug sich die Exzentrik der Künstlerin stets nieder. Wer den Namen Nina Hagen hört, hat wohl sofort das bleiche, auffällig geschminkte Gesicht und die extravagante Kleidung im Kopf, mit der die Sängerin öffentlich aufzutreten pflegt. Da passt es zur vermeintlichen Unschuld ihres neuen Albums, dass sie zu Beginn ihrer Karriere noch sehr brav aussah - als schließe sich ein Kreis, auch wenn es nur einer aus Schein ist.

Begonnen hatte ihre Karriere auch noch ganz regelkonform: In der DDR machte sie eine Ausbildung zur „staatlich geprüften Schlagersängerin“, gemeinsam mit der Band Automobil hatte sie 1974 mit „Du hast den Farbfilm vergessen“ einen großen Hit. Doch dann kam die Querdenkerin in ihr zum Vorschein: 1976 solidarisierte sich mit dem aus der DDR ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann und landete auf der schwarzen Liste des Regimes. Am 28. Dezember floh Nina Hagen nach Großbritannien, wo sie mit der gerade aufblühenden Punk-Szene in Kontakt kam. Der Rest ist Geschichte. (tsch)