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Jodie Foster auf Mördersuche in ParisDas sind die Kino-Highlights der Woche

5 min
„Paris Murder Mystery“ ist für Jodie Foster die erste französischsprachige Filmproduktion seit über 20 Jahren. (Bild: Plaion Pictures/George Lechaptois)

„Paris Murder Mystery“ ist für Jodie Foster die erste französischsprachige Filmproduktion seit über 20 Jahren. (Bild: Plaion Pictures/George Lechaptois)

„Lee Cronin's The Mummy“, „Kiss of the Spider Woman“ und „Paris Murder Mystery“, der erste französische Film von Jodie Foster seit über 20 Jahren: Das sind die Kino-Neustarts am 16. April.

Eine französische Regisseurin, ein französisches Autorenteam, zahlreiche französische Schauspielerinnen und Schauspieler vor der Kamera - und mittendrin eine Amerikanerin, auf die alle Augen gerichtet sind. Jodie Foster und Frankreich, das ist seit Jahrzehnten eine Liebesgeschichte für sich. Schon in den 70-ern ergatterte die gebürtige Kalifornierin aufgrund ihrer exzellenten Französischkenntnisse erste Filmrollen in französischen Produktionen. Über Jahrzehnte genoss sie in der stolzen Filmnation Frankreich einen hervorragenden Ruf. Nun wirkt sie erstmals seit 22 Jahren (“Mathilde“) erstmals wieder in einer französischsprachigen Produktion mit - eine Krimikomödie diesmal, „Paris Murder Mystery“.

Lilian (Jodie Foster) weckt mit ihren Mordermittlungen auch das Interesse ihres Ex-Mannes Gabriel (Daniel Auteuil). (Bild: Plaion Pictures/Jerome Prebois)

Lilian (Jodie Foster) weckt mit ihren Mordermittlungen auch das Interesse ihres Ex-Mannes Gabriel (Daniel Auteuil). (Bild: Plaion Pictures/Jerome Prebois)

Außerdem neu in dieser Woche: In „Lee Cronin's The Mummy“ wird ein alter Horrorkino-Mythos wieder zum Leben erweckt, und mit „Kiss of the Spider Woman“ bringt Musical-Experte Bill Condon einen Broadway-Klassiker auf die Leinwand.

Paris Murder Mystery

Katie (Natalie Grace) war acht Jahre lang spurlos verschwunden und ist jetzt irgendwie nicht mehr dieselbe. (Bild: 2026 Warner Bros. Pictures/Patrick Redmond)

Katie (Natalie Grace) war acht Jahre lang spurlos verschwunden und ist jetzt irgendwie nicht mehr dieselbe. (Bild: 2026 Warner Bros. Pictures/Patrick Redmond)

Die französische Regisseurin von „Paris Murder Mystery“ ist Rebecca Zlotowski, die 2022 mit „Les enfants des autres“ für den Goldenen Löwen in Venedig nominiert war. Zum Autorenteam gehören neben ihr auch Anne Berest und Gaëlle Macé. Die Rolle der zweifachen Oscargewinnerin Jodie Foster, die bei der Wahl ihrer Figuren in den letzten Jahren doch recht wählerisch war, ist die einer Psychiaterin, die plötzlich zur Detektivin wird.

Ein paar verpasste Therapiesitzungen, damit beginnt diese tragikomische Krimigeschichte, die bereits im Mai 2025 in Cannes Premiere feierte und im Herbst in den französischen Kinos startete. Als ihre Patientin Paula den dritten Termin unentschuldigt sausen lässt, beginnt Psychiaterin Lilian Steiner sich zu sorgen. Paula ist gestorben, wie sich herausstellt. Aber wie? Ein paar merkwürdige Umstände und Ereignisse führen Lilian zu der Vermutung, es könnte ein Mord gewesen sein. Also beginnt sie auf eigene Faust zu ermitteln.

„Lee Cronin's The Mummy“ wirft Fragen auf, zum Beispiel: Warum wurde die acht Jahre lang vermisste Katie ausgerechnet in einem 3.000 Jahre alten Sarkophag gefunden? (Bild: 2026 Warner Bros. Pictures)

„Lee Cronin's The Mummy“ wirft Fragen auf, zum Beispiel: Warum wurde die acht Jahre lang vermisste Katie ausgerechnet in einem 3.000 Jahre alten Sarkophag gefunden? (Bild: 2026 Warner Bros. Pictures)

„Paris Murder Mystery“ erntete nach der Premiere in Cannes viel Lob und war zuletzt auch in der engeren Auswahl für Frankreichs Oscar-Beitrag in der Kategorie „Bester internationaler Film“. Jodie Foster selbst wurde als erste Amerikanerin für einen Prix Lumière als beste Schauspielerin nominiert. Neben ihr gehören unter anderem auch Daniel Auteuil, Vincent Lacoste und Mathieu Amalric zum erstklassig besetzten Cast von „Paris Murder Mystery“.

Lee Cronin's The Mummy

Luis Molina (Tonatiuh, links, mit Diego Luna) träumt sich vom Gefängnis aus immer wieder in die bunte Welt der Filme. (Bild: 2026 Sony Pictures Entertainment)

Luis Molina (Tonatiuh, links, mit Diego Luna) träumt sich vom Gefängnis aus immer wieder in die bunte Welt der Filme. (Bild: 2026 Sony Pictures Entertainment)

Das Telefon der Cannons klingelt, es meldet sich der stellvertretende Missionschef der US-Botschaft, und der erklärt: „Ihre Tochter Katie wurde gefunden. Sie lebt.“ Die Cannons können es kaum fassen. Acht Jahre lang war ihr kleines Mädchen weg, plötzlich verschwunden irgendwo in der Wüste rund um Kairo, ohne jede Spur. Dass sie nun wieder da ist, gleicht einem Wunder. Im Verlauf der Geschichte von „Lee Cronin's The Mummy“ wird aber schnell klar, dass die kleine Katie doch besser verschwunden geblieben wäre ...

Worum geht es in einem Mumien-Film? Um die Mumie, klar, und etwas weiter gefasst natürlich auch um den Grusel, der diese Ikone des Horrorkinos seit knapp hundert Jahren umgibt. Insofern macht dieser Film vielleicht von vornherein schon mehr richtig als der letzte größere Genre-Beitrag „Die Mumie“ von 2017. Hollywood-Superstar Tom Cruise wurde damals mit einer Hauptrolle versehen, selbstverständlich nicht als Mumie, sondern als Held, der gegen das Monster kämpfte. Der Film fiel bei der Kritik komplett durch und blieb auch wirtschaftlich hinter den hohen Erwartungen zurück.

Jennifer Lopez (mit Diego Luna) spielt in „Kiss of the Spider Woman“ eine zentrale Rolle: Sie ist Aurora, die Spinnenfrau. (Bild: 2026 Sony Pictures Entertainment)

Jennifer Lopez (mit Diego Luna) spielt in „Kiss of the Spider Woman“ eine zentrale Rolle: Sie ist Aurora, die Spinnenfrau. (Bild: 2026 Sony Pictures Entertainment)

Die neue „The Mummy“-Adaption von Regisseur und Autor Lee Cronin (“Evil Dead Rise“), der den Film unter anderem mit den Horror-Profis Jason Blum und James Wan (“Saw“, „Conjuring“) produzierte, verzichtet derweil auf teure große Namen im Vordergrund. Jack Reynor und Laia Costa, beide im Mainstream-Kino weitestgehend unbekannt, spielen die Eheleute Charlie und Larissa Cannon. Nachwuchsdarstellerin Natalie Grace schlüpft in die Rolle von Katie.

Als die besagte Katie nach acht Jahren plötzlich wieder da ist, freuen ihre Eltern Charlie und Larissa sich ungemein. Sie haben aber auch Fragen, zum Beispiel: Wo war Katie die ganze Zeit? Was hat sie während ihrer Abwesenheit erlebt? Und warum wurde die Kleine in einem über 3.000 Jahre alten ägyptischen Sarkophag gefunden? Hinter den Antworten, die Lee Cronin in seiner Version von „The Mummy“ präsentiert, steckt natürlich das pure Grauen, und was eine glückliche Familienvereinigung werden sollte, entwickelt sich zu einem echten Albtraum.

Kiss of the Spider Woman

„Kiss of the Spider Woman“ - Für Teile des Mainstream-Publikums klingt das heute vielleicht am ehesten nach einem neuen Superhelden-Spektakel. Ein weibliches Pendant zu Spider-Man? Oder irgendein neuer Tierhorror-Film vielleicht? Weit gefehlt, beides. Ein Stück Musical- und Broadway-Geschichte, darum geht es eigentlich. Oder, wenn man ganz genau ist, um Literatur: 1976 veröffentlichte der argentinische Autor Manuel Puig seinen Bestseller „Der Kuss der Spinnenfrau“, 1992 brachten John Kander und Fred Ebb eine erfolgreiche Musical-Adaption auf die Bühne, erst im Londoner West End, dann am Broadway in New York. Jetzt spinnt die Spinnenfrau ihr Netz im Kino - das aber auch schon zum zweiten Mal.

Es werden sich nicht mehr viele Menschen erinnern, die Messlatte liegt theoretisch aber ziemlich hoch: Der argentinisch-brasilianische Regisseur Héctor Babenco brachte 1985 unter großem Kritikerbeifall die erste Filmadaption von „Kuss der Spinnenfrau“ auf die Leinwand, William Hurt gewann damals einen Oscar als bester Hauptdarsteller. Die Rolle, die Hurt spielte, übernimmt diesmal der amerikanische Schauspieler Tonatiuh, daneben wirken außerdem Diego Luna und Jennifer Lopez in der Neuauflage von „Kiss of the Spider Woman“ mit. Die kreative Leitung im Hintergrund liegt bei Bill Condon, einem Spezialisten für Musical-Filme (“Dreamgirls“, „Chicago“).

Regisseur und Autor Bill Condon nahm einige Anpassungen vor, mit neuen Schwerpunkten und gewissen Aussparungen, das Grundgerüst bleibt aber weitestgehend so, wie man es von früher kennt. Der homosexuelle Schaufensterdekorateur Luis Molina (Tonatiuh) sitzt im Argentinien der frühen 80er-Jahre eine mehrjährige Haftstrafe ab und trifft im Gefängnis auf den Marxisten Valéntin Arregui (Diego Luna). Ob dieser einen Lieblingsfilm habe, möchte Luis wissen. Er selbst träumt sich aus seiner finsteren Zelle nämlich ständig in die schillernde, fantastische Welt alter Technicolor-Filme. Und dort gibt es eine große Heldin, die ganz wunderbar singt und tanzt: Ingrid Luna alias Aurora (Jennifer Lopez), die Spinnenfrau. (tsch)