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„Konfektionierter Krimi-Käse“Der erste „Alte“ rechnete knallhart mit dem Format ab

3 min
Ein eigenwilliger Kommissar: Siegfried Lowitz (rechts) spielte von 1977 bis 1986 in „Der Alte“ den Hauptkommissar Erwin Köster. (Bild: ZDF / Michael Marhoffer)

Ein eigenwilliger Kommissar: Siegfried Lowitz (rechts) spielte von 1977 bis 1986 in „Der Alte“ den Hauptkommissar Erwin Köster. (Bild: ZDF / Michael Marhoffer)

Er spielte die erste Titelrolle in der ZDF-Serie „Der Alte“, sonderlich glücklich war Siegfried Lowitz mit seiner Rolle aber nicht. Später zog er ein vernichtendes Urteil.

In „Es geschah am hellichten Tag“ (1958) spielte Siegfried Lowitz (links) an der Seite von Heinz Rühmann. (Bild: Praesens-Film AG)

In „Es geschah am hellichten Tag“ (1958) spielte Siegfried Lowitz (links) an der Seite von Heinz Rühmann. (Bild: Praesens-Film AG)

Sie ist eine der am längsten laufenden Serien im deutschen Fernsehen und geht jetzt bereits in ihre 50. Staffel: Am Freitag, 3. April, läuft die 476. Folge der ZDF-Krimiserie „Der Alte“. Während heute Thomas Heinze als Kriminalhauptkommissar Caspar Bergmann ermittelt, prägte in den ersten 100 Episoden ein anderer Schauspieler das Format: Siegfried Lowitz als Hauptkommissar Erwin Köster. Obwohl es seine bekannteste Rolle wurde: Wirklich glücklich war der Charakterdarsteller mit seinem Engagement bei „Der Alte“ nicht.

Lowitz wurde 1914 in Berlin geboren und absolvierte nach dem Abitur eine Schauspielausbildung in Frankfurt. Sein Theaterdebüt gab er 1934, Engagements führten ihn unter anderem nach Mainz, Gießen und Breslau. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er zunächst dem Theater verbunden, später arbeitete er zusätzlich als Hörspielsprecher.

In „Der Greifer“ war Siegfried Lowitz (links) an der Seite von Hans Albers zu sehen. (Bild: Kinowelt)

In „Der Greifer“ war Siegfried Lowitz (links) an der Seite von Hans Albers zu sehen. (Bild: Kinowelt)

Ab den 1950er-Jahren folgten Filmrollen, unter anderem in mehreren Edgar-Wallace-Verfilmungen wie „Der Frosch mit der Maske“, „Der Fälscher von London“, „Der Hexer“ und „Der unheimliche Mönch“. In den ersten drei Produktionen spielte Lowitz jeweils einen Inspektor, im vierten einen korrupten Adligen. Weitere Auftritte hatte er in Filmen wie „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956) und „Es geschah am helllichten Tag“ (1958). Im Fernsehen war er unter anderem 1966 im Dreiteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ zu sehen.

Der alte „Alte“ war ein eigenwilliger Kommissar

Siegfried Lowitz (Bild, rechts, aus „Der Frosch mit der Maske“) spielte in mehreren Edgar-Wallace-Filmen einen Inspektor. (Bild: Tobis Film)

Siegfried Lowitz (Bild, rechts, aus „Der Frosch mit der Maske“) spielte in mehreren Edgar-Wallace-Filmen einen Inspektor. (Bild: Tobis Film)

Erst mit „Der Alte“ wurde Lowitz jedoch zum bekannten (TV-)Star - auch weil die Figur ihre Eigenheiten hatte: Sein Kommissar Köster agiert oft eigenständig und bringt durch riskante Alleingänge sowohl sein Team als auch Vorgesetzte in schwierige Situationen. Bereits im Pilotfilm bietet er sich einem Bankräuber als Geisel an, um an einen gesuchten Auftragskiller heranzukommen.

Die erste Folge mit dem Titel „Dienstreise“ wurde am 11. April 1977 ausgestrahlt. Das Konzept setzte auf ein Ermittlerduo aus erfahrenem Kommissar und jungem Assistenten. Entsprechend konfliktreich gestaltet sich auch die Zusammenarbeit zwischen Köster und Gerd Heymann, gespielt von Michael Ande. Gleich zu Beginn herrscht ein rauer Ton. „Vor zehn Minuten hat Sie das überhaupt noch nicht interessiert“, sagt Heymann irritiert. Köster entgegnet schroff: „Vor zehn Minuten, Mensch! Bist du Historiker oder Polizist?“

Siegfried Lowitz starb 1999 im Alter von 84 Jahren. (Bild: IMAGO / Horst Galuschka)

Siegfried Lowitz starb 1999 im Alter von 84 Jahren. (Bild: IMAGO / Horst Galuschka)

Im Verlauf der Serie entwickelt sich das Verhältnis der beiden Figuren. Köster bleibt ein knorriger Charakter, wird aber zugleich als scharfsinniger Ermittler mit trockenem Humor gezeichnet. In einer frühen Episode kommentiert er eine Schnittverletzung am Finger mit den Worten: „Den hab ich durchgescheuert, als ich mein Gehalt gezählt habe.“

Lowirt: „Wäre wohl in der Psychatrie gelandet“

Nach 100 Folgen endete 1986 seine Zeit in der Serie, offiziell wollte sich Lowitz anderen Projekten widmen. Rückblickend äußerte er sich deutlicher. In seinen „Erinnerungen“ wird er mit den Worten zitiert: „Wie ich diese Rolle des heldischen Polizisten, der alles weiß und alles aufklärt, über 100 Folgen lang ertragen konnte? Es ist wie mit der Liebe auf dem Strich. Hätte ich, wie mein Kollege Horst Tappert 250 Folgen 'Derrick' abgedreht, wäre ich wohl in der Psychiatrie gelandet mit diesem konfektionierten Krimi-Käse.“

Fun Fact: „Schuld“ am Serienende seiner Figur hatte ein späterer Oscar-Preisträger. In der Episode „Zwei Leben“ wird Köster von einer Figur, gespielt von Christoph Waltz, angeschossen und stirbt schließlich an den Folgen. Lowitz selbst starb 1999 im Alter von 84 Jahren. (tsch)