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Ihr letztes InterviewLuna Jordan über die dunkle Seite ihrer Rollen

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Luna Jordan bei einem Auftritt.

Luna Jordan bei einem Auftritt. (Archivbild)

Luna Jordan blickte in ihrem letzten Interview offen auf den Preis ihrer Arbeit: Die Schauspielerin schilderte, wie Rollen ihre Seele belasteten.

Die Nachricht vom Tod von Luna Jordan hat die Branche erschüttert. Nur zwei Monate vor ihrem plötzlichen Ableben am 13. Mai war die 25-Jährige in der NDR-Dokumentation „Kinderschauspieler – Der Preis des Erfolgs“ zu sehen. In einem emotionalen Gespräch rückte die Schauspielerin, unter anderem durch den Film „Fuchs im Bau“ bekannt wurde, dabei die oft verdrängten psychischen Folgen ihrer Arbeit in den Fokus.

Die Überzeugung der Selbstaufgabe

Jordan, die bereits als Kind vor der Kamera stand, schilderte in der Dokumentation eine Einstellung zum Beruf, die sie rückblickend kritisch hinterfragte. Lange Zeit sei sie der festen Überzeugung gewesen, dass ihre schauspielerische Leistung unmittelbar an ihren eigenen mentalen Zustand gekoppelt sei. „Ich bin der festen Überzeugung gewesen, dass es mir mental so schlecht gehen muss, damit ich abliefern kann“, gestand sie.

Das undatierte Handout zeigt die Schauspielerin Luna Jordan.

Das undatierte Handout zeigt die Schauspielerin Luna Jordan. (Archivbild)

Sie habe sich in jungen Jahren komplett in ihre Rollen gestürzt, dabei ihr Privatleben vernachlässigt und die Figuren als ihr „neues Ich“ definiert. Diesen Zustand beschrieb sie als eine Art Rausch: „Ich habe nie Drogen genommen oder Party gemacht, sondern mich immer in Projekten komplett fallen gelassen, wo ich alles fühlen und spielen durfte, was ich halt als private Luna nicht kann.“

Wenn der Ausstieg aus der Rolle misslingt

Der Preis für diese intensive Hingabe war hoch. Die Schauspielerin berichtete davon, dass sich „emotionale Anteile im Gehirn festsetzen“ würden. Besonders belastend waren Szenen, aus denen sie anschließend nicht mehr herausgefunden habe. Sichtlich mit den Tränen kämpfend, beschrieb sie Momente, in denen sie nach Dreharbeiten eine halbe Stunde lang weinend auf dem Boden gelegen habe, ohne zu wissen, was mit ihr los sei.

Zu dieser Zeit habe sie die Kontrolle über ihre eigene Identität zeitweise verloren. „Man darf sich nicht aus den Augen verlieren während so einer Produktion“, lautete ihr späteres Fazit. Es sei wichtig, dass man sich abends im Spiegel noch erkenne, was ihr zeitweise nicht mehr gelungen sei.

Die späte Erkenntnis

In der Dokumentation reflektierte Jordan, die zuletzt in „Polizeiruf 110: Your Body My Choice“ zu sehen war, auch über den nötigen Wandel in ihrem Selbstverständnis. Sie habe aus früheren Erfahrungen gelernt, dass sie sich nicht für ihre Filme zerstören dürfe: „Sonst kann ich diesen Beruf mit 25 nicht mehr machen.“ Sie sei dazu übergegangen, bei jedem neuen Projekt genau zu prüfen, ob die Dreharbeiten gut für sie seien und ob sie danach „gesund da rausgehen“ könne.

Trotz der tiefen Spuren, die diese Arbeit in ihrem Leben hinterlassen hat, blieb die Leidenschaft für ihr Handwerk bis zuletzt bestehen. Es seien tragischerweise genau diese schwierigen, vielschichtigen Rollen gewesen, die ihre Passion für die Schauspielerei überhaupt erst entfacht hätten. (jag)