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Roman GarberÖsterreicher reagierte auf Spam-Mail - jetzt sitzt er im kolumbianischen Horror-Knast

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Der Österreicher Roman Garber sitzt seit vier Jahren im kolumbianischen Gefängnis in Cartagena ein. (Bild: ZDF)

Der Österreicher Roman Garber sitzt seit vier Jahren im kolumbianischen Gefängnis in Cartagena ein. (Bild: ZDF)

Der Österreicher Roman Garber sitzt seit vier Jahren im kolumbianischen Knast in Cartagena ein. Der Grund: Drogenschmuggel von Ecuador nach Kolumbien.

27 Tonnen Kokain - so viel wurde allein im Jahr 2025 in der kolumbianischen Hafenstadt Cartagena von den Behörden abgefangen. Die Drogen waren auf dem Weg nach Europa und Mexiko und auch wenn die Behörden einiges beschlagnahmen konnten, ist klar: Die Dunkelziffer der tatsächlich verschifften Drogen dürfte um ein Vielfaches höher sein. Die kolumbianische Stadt ist aufgrund ihrer geografisch günstigen Lage und ihres großen Hafens ein Hotspot für den Drogenschmuggel. Doch nicht nur das: Kriminalität und Gewalt sind an der Tagesordnung, die Gefängnisse mittlerweile hoffnungslos überfüllt.

Das System droht zu kollabieren und mittendrin sitzen rund 50 europäische Häftlinge, die in dem Land in Südamerika ihre Haftstrafe verbüßen. Einer von ihnen ist Roman Garber aus Österreich. Er gibt in der ZDF-Reportage „Deutsche im Knast - Kolumbien und das Kokain“ einen Einblick in den Gefängnisalltag in Cartagena. Inmitten von Justizversagen, Korruption und Gewalt.

Der Österreicher sitzt seit vier Jahren in dem „Carcel de San Sebastián La Ternera“ in der kolumbianischen Stadt. Das Gefängnis war ursprünglich auf 1.700 Insassen ausgelegt, im November 2025 während der Dreharbeiten, lag die Anzahl der Häftlinge bei 2100.

Garbers Geschichte beginnt im Sommer 2021. Da bekam der damals 63-Jährige eine E-Mail, in der ihm ein Gewinn von 10 Millionen Dollar versprochen wurde. Um das Geld zu erhalten, müsse er nur ein paar Dokumente in Ecuador unterzeichnen. Flugtickets und Reisekosten würden übernommen.

Österreicher wird Reise nach Ecuador zum Verhängnis

An den Gewinn glaubte der Österreicher nicht, wie er im ZDF-Film beteuert: „Das würde ja nur ein Idiot tun“, stellt er klar. Eine vermeintlich kostenlose Reise nach Südamerika reizte ihn dennoch: „In Südamerika war ich noch nie und so günstig kann ich da nicht mehr herkommen“, so sein Gedanke damals. Er sei sich des Risikos bewusst gewesen, betont, man müsse eben aufpassen, „dass du da nicht in eine Falle tappst“. Und doch entscheidet er sich, die Reise anzutreten. „Nachdem alles bezahlt war - was hätte noch passieren sollen?“

Zunächst läuft alles nach Plan, Roman trifft die Kontaktpersonen, unterzeichnet die Papiere. Doch bevor es für Roman wieder nach Hause gehen soll, wird er von den Unbekannten noch um einen Gefallen gebeten. Er solle ein Päckchen mit einem Beatmungsgerät mit nach Europa nehmen. Ihm sei erklärt worden, dass der Chef des Auftragsgebers sich in der Schweiz aufhalte und das Gerät dringend benötige. Doch das hinter der Bitte nicht nur ein unschuldiger Gefallen steckte, spürte der Österreicher bereits: „Irgendwie hatte ich dann schon ein ungutes Gefühl, weil das Gepäckstück relativ schwer war.“

Eine Luftaufnahme zeigt das Gefängnis La Ternera. Dort sind etwa 2.100 Häftlinge untergebracht. (Bild: ZDF/ Jan-Cedric Sawatzky)

Eine Luftaufnahme zeigt das Gefängnis La Ternera. Dort sind etwa 2.100 Häftlinge untergebracht. (Bild: ZDF/ Jan-Cedric Sawatzky)

Garber reiste schließlich von Ecuador nach Kolumbien, um von dort weiter nach Europa zu fliegen. Doch noch am Flughafen in Kolumbien endete seine Reise: Bei der Gepäckkontrolle schlug ein Drogenkontrollhund an.

„Viele Häftlinge warten deshalb jahrelang auf ihre Anhörung“

Das ungute Gefühl, dass der mittlerweile Ende 60-Jährige bereits verspürt hatte, wurde bestätigt. Denn anstelle eines Beatmungsgeräts befanden sich in dem Paket mehr als sieben Kilogramm Kokain. Für den ahnungslosen Touristen ging es ohne Spanischkenntnisse direkt in eine überfüllte Gemeinschaftszelle. Dort wartete er zusammen mit 50 bis 60 Leuten auf seine Anhörung.

Garbers kolumbianischer Anwalt, Strafverteidiger Milton Guillermo Martínez Sierra, weiß um die Herausforderungen, die das kolumbianische Justizsystem mit sich bringen: „Das Hauptproblem ist: Während man versucht seine Unschuld zu beweisen, sitzt man bereits im Gefängnis.“ Er betont weiter: „Sobald auch nur eine Person nicht zur Anhörung erscheint, wird die Verhandlung sofort verschoben. Viele Häftlinge warten deshalb jahrelang auf ihre Anhörung.“

Im Mai 2023 bekennt sich Roman schuldig und er wird zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und zwei Monaten sowie einer Geldstrafe von 240.000 Euro verurteilt.

Unmenschliche Haftbedingungen: „Alles ist mit Schimmel befallen!“

Vier Jahre seiner Strafe hat er in „La Ternera“ bereits abgesessen. Die Gemeinschaftszelle konnte er nach den ersten Wochen gegen eine Zelle tauschen, die er sich mit drei Kolumbianern teilt. Nur einer von ihnen spricht Englisch, Deutsch spricht in dem Gefängnis niemand.

Doch die Sprachbarriere und die Isolation sind nicht die einzigen Herausforderungen, die ihm zu schaffen machen. In der Haftanstalt sei „alles mit Schimmel befallen“, beklagt Garber. „Das ist gesundheitsgefährlich!“ Auch das Gefängnisessen macht ihm zu schaffen. „Solches Essen wir bei uns den Hunden verfüttert“, schimpft der Insasse. „Ob Sie es glauben oder nicht, ich kann das nicht essen!“ Das Fleisch enthalte oft Knochenstücke, an denen sich Garber bereits einen Zahn abbrach. Mittlerweile habe er 16 Kilogramm abgenommen.

Sein Anwalt hat einen Antrag auf Bewährung gestellt, das ist frühestens nach drei Fünfteln der Haftstrafe möglich. Doch selbst, wenn der Österreicher es schaffen würde, auf Bewährung freizukommen, dürfte er Kolumbien erst verlassen, wenn seine Bewährungszeit verstrichen ist und er die Geldstrafe abbezahlt hat. Und wenn das kolumbianische Justizsystem mitspielt und Garber rechtzeitig seine Entlassungspapiere erhält.

Voraussetzung für den Bewährungsantrag ist, dass die Insassen im Gefängnis arbeiten oder studieren. Roman erklärt, er sei im Gefängnis für die Mülltrennung zuständig und schiebt dann nach: „Offiziell ...“ Das Kamerateam hakt nach: „Was heißt offiziell?“ Doch Garber hält sich bedeckt, erwidert lediglich lachend: „Sage ich nicht.“

„Deutsche im Knast - Kolumbien und das Kokain“ läuft am Samstag, 23. Mai, bei ZDFinfo und ist schon jetzt in der ZDF-Mediathek zu sehen. (tsch)