Ein Feuer in einer Schaltanlage legt Reutlingen lahm. Zehntausende sind ohne Strom, die Ermittler gehen von Brandstiftung aus.
Verdacht auf Anschlag40.000 Menschen in Reutlingen ohne Strom – LKA ermittelt

Die Ermittler gehen allen Hinweisen und Spuren nach.
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Brandstiftung in Reutlingen vermutet: Zehntausende ohne Stromversorgung
In Reutlingen gibt es nach einem Feuer in einer Schaltanlage und einem weitreichenden Ausfall der Stromversorgung zunehmend Anzeichen für eine vorsätzliche Tat. Ein potenzieller Brandbeschleuniger wurde von den Ermittlern sichergestellt. Das Landeskriminalamt (LKA) gab bekannt, dass nun sämtliche Spuren analysiert werden. Die Ermittlungen werden vom Staatsschutz sowie dem Antiterrorzentrum des LKA geführt.
Die Stadt am Fuße der Schwäbischen Alb zählt knapp 120.000 Einwohner. Laut Manuel Hagel (CDU), dem Innenminister von Baden-Württemberg, waren von der Unterbrechung der Stromversorgung circa 40.000 Personen in rund 7.600 Gebäuden betroffen. Zur Sicherung kritischer Infrastruktur und zur Präsenz in den betroffenen Stadtteilen ist eine Polizeieinsatzhundertschaft nach Reutlingen entsandt worden.
Ermittlungen wegen gezielter Störung
Der Fokus der Untersuchungen liegt mittlerweile auf dem Verdacht einer vorsätzlichen Inbrandsetzung und der bewussten Beeinträchtigung öffentlicher Dienste. Hagel äußerte, dass der Vorfall ergebnisoffen geprüft werde – demnach auch, ob ein Brandanschlag oder sogar eine terroristische Handlung die Ursache sein könnte. Auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bezeichnete im ZDF einen Brandanschlag als wahrscheinlich.
Laut Mitteilung des LKA existieren bisher weder Anhaltspunkte zu Tatverdächtigen noch zu einer möglichen Motivation. Die forensischen Untersuchungen, bei denen auch ein Spürhund für Brandmittel eingesetzt wurde, sind noch nicht beendet. Es bleibt weiterhin offen, zu welchem Zeitpunkt die Elektrizitätsversorgung gänzlich wieder funktionieren wird.
Millionenschaden und schrittweise Wiederherstellung
Das Feuer im Umspannwerk Reutlingen-West brach in der Nacht zum Montag aus. Dies führte zum Ausfall der Anlage, wobei auch ein weiteres Werk beeinträchtigt wurde. Phasenweise waren zehntausende Bürger ohne Elektrizität, wovon auch eine Klinik betroffen war. Informationen der Deutschen Presse-Agentur zufolge beläuft sich der durch das Feuer und die Stromunterbrechung verursachte Schaden auf mehrere Millionen Euro.
Die Elektrizitätsversorgung konnte am Montagmorgen für Bereiche der Innenstadt sowie das dort ansässige Krankenhaus wiederhergestellt werden. Im weiteren Tagesverlauf wurde ein Großteil der privaten Haushalte in den Stadtteilen Betzingen und Ohmenhausen erneut an das Stromnetz angebunden. Laut Mitteilung der Stadtverwaltung werden auch Schulen und Kindergärten in diesen Gebieten wieder versorgt.
Parallelen zu früheren Anschlägen in Berlin
Der jetzige Fall weckt Assoziationen zu zwei Brandanschlägen auf die Berliner Stromversorgung, die mutmaßlich von Linksextremisten verübt wurden. Infolge des ersten Angriffs am 9. September 2025 auf zwei Strommasten waren phasenweise etwa 50.000 private Haushalte und circa 2.000 gewerbliche Betriebe von der Versorgung abgeschnitten. Die Unterbrechung währte ungefähr 60 Stunden; erst am Nachmittag des 11. September waren sämtliche Haushalte wieder angeschlossen. Bei der zweiten Tat am 3. Januar wurden auf einer Kabelbrücke 15 Kabel zerstört. Die flächendeckende Wiederherstellung der Stromversorgung erfolgte erst am 7. Januar, was einer Dauer von rund 100 Stunden entspricht.
(dpa/red)
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