Eine Reihe fataler Ereignisse mit zahlreichen Todesopfern lässt Zweifel aufkommen: Gilt die Schweiz weiterhin als Vorbild für Sicherheit und hohe Standards?
Tödliche UnglückeSerie von Katastrophen erschüttert das Image der Schweiz

Bröckelt das Image der Schweiz als Musteridylle? (Archivbild)
Copyright: Christiane Oelrich/dpa
Das Ansehen der Schweiz als Garant für Qualität und Ordnung wird durch eine Abfolge schwerwiegender Vorfälle beeinträchtigt. Seit Jahresbeginn forderten mehrere Tragödien zahlreiche Opfer: In Crans-Montana starben 41 Menschen bei einem Feuer in einer Bar. Sechs weitere Personen kamen in Kerzers in einem Bus ums Leben, den ein psychisch labiler Mann in Brand gesetzt hatte. Ferner verunglückte eine Person tödlich, als eine Gondel im Skiareal von Engelberg bei starkem Wind abstürzte.
In seinem täglichen Podcast stellt Roger Köppel, SVP-Politiker und Verleger der „Weltwoche“, die provokante Frage: „Ist das die totale Verlotterung der Schweiz?“ Er prangert ein Versagen der Behörden bei den Brandschutzprüfungen in Crans-Montana an, ebenso wie bei der Beaufsichtigung des psychisch kranken Mannes in Kerzers. Hinsichtlich des Gondelunglücks in Engelberg hebt Köppel hervor, dass der Seilbahnbetreiber eine vom Produzenten 2022 offerierte Modernisierung der Halteklemmen nicht wahrgenommen hatte. Köppels Schlussfolgerung lautet: „Die Schweiz muss wirklich aufpassen, dass sie nicht auch verlottert, wie so vieles um uns herum“.
Risse im Heidiland-Image?
Jürg Stettler, Professor am Institut für Tourismus und Mobilität der Hochschule Luzern, äußerte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass die Vorstellung von der Schweiz als „heile Welt“ durch derartige Vorfälle Schaden nehme. Seiner Meinung nach ist auch die Eidgenossenschaft nicht immun gegen Unzulänglichkeiten. „Drei Fälle in so kurzer Zeit sind erschütternd“, konstatierte Stettler.

Die Schweiz präsentiert sich gerne mit perfekter Kulisse. (Archivbild)
Copyright: Bernd Weißbrod/dpa
Der Professor ergänzte: „Die Schweiz muss sich unangenehme Fragen stellen: Lebt sie noch von ihrem Image, während die Realität eine andere ist?“ Er führte weiter aus, dass sich die Nation häufig als Spitzenreiter mit einem „weltmeisterlichen Qualitäts- und Zuverlässigkeitsimage“ präsentiere. Aus diesem Grund seien die Ansprüche sehr hoch, was das potenzielle Scheitern umso gravierender mache.
Evelyne Binsack, eine Extremsportlerin aus der Schweiz, hielt sich am Tag des Vorfalls in der Gegend von Engelberg auf, hatte ihre Unternehmung aber wegen der heftigen Böen eingestellt. Gegenüber der Publikation „Blick“ erklärte sie: „Es scheint, dass die Verantwortlichen der Technik mehr vertrauten als dem gesunden Menschenverstand. Es ist eine Art Zeitgeist, der mich beunruhigt.“
Ansehen im Ausland bislang ungetrübt
Die Reputation der Schweiz im internationalen Vergleich ist historisch stark. In Erhebungen zum „Nation Branding“, welche die Wahrnehmung und Anziehungskraft von Ländern bewerten, erzielt die Schweiz konstant vordere Platzierungen. Nach Angaben des Außenministeriums erreichte das Land 2024 in repräsentativen Befragungen zum Gesamteindruck den ersten Rang, noch vor Kanada, Schweden, Dänemark, den Niederlanden und Deutschland. Aktuellere Daten aus Umfragen sind bisher nicht verfügbar.

Die Schweiz pflegt ihr Heidiland-Image. (Archivbild)
Copyright: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
Alexandre Edelmann, der die Abteilung „Präsenz Schweiz“ leitet, erläuterte der dpa: „Was wir zum Image der Schweiz im Ausland wissen: Das Vertrauen ist sehr hoch, die Schweiz wird als stabil und sicher wahrgenommen“. Ungeachtet der Vorfälle habe es allem Anschein nach keine Stornierungen von Reisen gegeben. „Wir gehen nicht davon aus, dass diese Wahrnehmung langfristig gestört ist“, fügte Edelmann hinzu.
Eine Frage des Geldes und der Werte
Bezüglich des Vorfalls in Crans-Montana merkte Edelmann an, dass die Ereignisse auch für die Schweizer Bevölkerung schockierend gewesen seien. Die allgemeine Erwartungshaltung sei, dass Vorschriften eingehalten und Gesetze korrekt angewendet werden, was in diesem Fall nicht geschehen sei. Die Entschuldigungen und die bekundete Anteilnahme von Politikern seien jedoch als positives Signal gewertet worden.
Nach Ansicht von Tourismus-Professor Stettler sind derartige Katastrophen teilweise eine finanzielle Angelegenheit, beispielsweise wenn es um die Modernisierung einer Gondel oder die Beschränkung der Besucherzahl in einer Bar geht. „Aber das greift zu kurz“, äußerte Stettler laut dpa. Vielmehr seien auch Werte, Sorgfalt und Qualität entscheidend. Jede Person in einer leitenden Position stehe nun vor der Frage: „Was muss ich tun, damit die Kunden Vertrauen haben?“ (red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
