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Royaler StaatsbesuchSo lief die Ankunft von König Charles und Camilla in Berlin – kleine Enttäuschung für Royal-Fans

Lesezeit 5 Minuten
Gute Laune am Brandenburger Tor: König Charles III. schüttelt Hände von Fans beim dreitägigen Staatsbesuch, Berlin ist die erste Station am Mittwoch.

Gute Laune am Brandenburger Tor: König Charles III. schüttelt Hände von Fans beim dreitägigen Staatsbesuch, Berlin ist die erste Station am Mittwoch.

Die Queen war Liebling der Deutschen. Jetzt ist ihr Sohn Charles König und kommt erstmals in seiner neuen Funktion auf Staatsbesuch. Es ist seine erste Auslandsreise - auch wenn dies anders geplant war. Alles rund um den dreitägigen Staatsbesuch.

Ausdauer und Geduld waren nötig. Viele Stunden standen Hunderte Bewunderer und Schaulustige am Mittwoch für einen persönlichen Blick auf den neuen britischen König Charles III. am Brandenburger Tor in Berlin an und warteten. Manche Zuschauer hinter den Absperrungen trugen originelle Hüte, viele britische Fähnchen waren zu sehen.

Mit zunehmender Uhrzeit wuchs die Spannung, Blicke auf die Uhr, auf die Handys und in die Runde. Um 15.10 Uhr, absolut pünktlich, ist es dann so weit: Die Limousine mit Charles und seiner Frau Camilla stoppt vor dem Brandenburger Tor. Eine Minute später steigen beide aus. Nur kurz jubeln die Zuschauer, Applaus ist zu hören. Dann übernimmt erst mal das Protokoll den Ablauf.

König Charles und Camilla in Berlin von Bundespräsident Steinmeier empfangen

Charles trägt einen dunklen Mantel und blauweiße Krawatte, seine Frau einen hellblauen Mantel und einen Hut in Türkis. Kurz vor 14 Uhr waren sie auf dem Berliner Flughafen gelandet. Am Brandenburger Tor wartet bereits Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit seiner Frau für einen Empfang mit militärischen Ehren - erstmals bei einem Staatsbesuch am Brandenburger Tor.

König und Bundespräsident gehen über den Platz und winken. Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr und das Wachbataillon des Verteidigungsministeriums stehen vor dem hohen, steinernen Tor bereit. Beide Nationalhymnen werden gespielt, und die Staatsoberhäupter gehen die Formation der Soldaten ab.

Wenige Minuten nach der Ankunft wendet sich das Königspaar den wartenden Menschen auf beiden Seiten des Pariser Platzes zu. Frühmorgens um 6.30 Uhr hatte eine Mutter mit ihrer erwachsenen Tochter den vordersten Platz in der Warteschlange an den Sicherheitskontrollen besetzt, wie sie später berichteten.

„Wir waren schon Fans von der Queen“, sagte die 30-jährige Tochter. Sie fänden die Königsfamilie einfach „bewundernswert“. Christoph Mühlbach (59) reiste mit dem Zug aus Hamburg an. Er sei schon seit 20 Jahren Anhänger des Königshauses, sagte er. „Ich habe am britischen Königshaus große Freude.“

Staatsbesuch in Berlin: Royal-Fans müssen kleine Enttäuschung hinnehmen

Auf manche Zuschauer wartete eine kleine Enttäuschung. Charles und Camilla wählen verschiedene Wege entlang der beiden langen Absperrgitter, die eine Hälfte der Menschen bekommt den König nur aus der Nähe zu sehen, die andere Camilla.

Aber beide schütteln zahlreiche Hände und wechseln immer mal wieder Worte. Charles lächelt eher verhalten, Camilla strahlt und lacht die Menschen an. Begleitet werden sie von Steinmeier und seiner Frau Elke Büdenbender. Länger bleibt der König am Anfang bei einer Gruppe von Schülerinnen stehen, gibt dann einigen jungen Männern die Hand und nimmt von anderen Tulpen entgegen.

Zwischendurch bückt er sich, hebt eine heruntergefallene gelbe Schirmmütze auf und überreicht sie einem Besucher hinter der Absperrung - der sichtlich überrascht wirkt. Eine Geste, die man schon bei anderen Besuchen von Charles sah. Später sagt der Besucher: „Da hab' ich erst gesehen, dass ich die Mütze verloren hatte. Da hab ich Thank You gesagt, da ist er weiter gegangen“, erzählt er schwärmt: „Das war ganz toll. Jetzt kann ich mir meine Hand ewig nicht waschen. Die muss ich mir jetzt konservieren.“

Viele Besucher filmen zugleich mit ihren Handys, manche scheinen nicht zu wissen, ob sie den lächelnden König, der direkt vor ihnen steht, ansehen sollen oder ihr Display. Eine Viertelstunde dauert der Kontakt zum Volk. Ganz so viele wie die angekündigten 1500 Menschen waren es wohl nicht, Bundespräsidialamt und Polizei ließen nur einige Hundert Zuschauer in den Bereich.

Dann steigt das Königspaar in die Limousine, noch ein kurzes Winken durch die Scheibe. 15.30 Uhr die Abfahrt zum Schloss Bellevue, wiederum auf die Minute pünktlich. Die Scharfschützen der Spezialeinsatzkommandos der Polizei verlassen ihre Posten auf den Dächern, der Polizei-Hubschrauber fliegt davon. Später sollte das Paar zurückkehren zum Brandenburger Tor, im dortigen Luxushotel Adlon wartet ihre Suite.

Royal-Fans in Berlin überwiegend begeistert – viele weitere Termine für Charles und Camilla

„Das war so toll“, sagt Beate Henke ganz begeistert, die eine blaue Kopfbedeckung trägt und kurz mit Charles reden konnte. Sie überreichte ihm als Geschenk eine Tasse und ein Veilchen zum Einpflanzen. Charles sei erst irritiert gewesen, habe sich dann aber nach ihrem Gärtnern erkundigt.

Auch Königs-Fan Christoph Mühlbach, der aus Hamburg anreiste, meinte: „Ich bin total froh, ich bin total glücklich.“ Es sei „eine Krönung meines Lebenswerkes, jetzt dem Monarchen mal die Hand geschüttelt zu haben“. Eine Mutter berichtet, zwei ihrer drei Söhne hätten Charles die Hand gegeben. Sie selber habe das Foto gemacht.

Charles und Camilla steht noch viel Händeschütteln bevor. Am Abend wurden zum Staatsbankett im Schloss Bellevue prominente Gäste erwartet, darunter die früheren Bundespräsidenten Horst Köhler und Joachim Gauck und Altkanzlerin Angela Merkel. Kanzler Olaf Scholz (SPD) sagte nicht zu, dafür aber Finanzminister Christian Lindner (FDP). CDU-Chef Friedrich Merz wollte ebenso kommen wie der Grünen-Vorsitzende Omid Nouripour und die Fraktionsvorsitzenden der Linken, Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch.

Unter den erwarteten Gästen jenseits der Politik waren Stararchitekt David Chipperfield und Campino, Frontmann der Band Tote Hosen. Seine Mutter ist Engländerin, er selber besitzt seit 2019 einen britischen Pass.

Eine besondere Kleiderordnung gab es für die männlichen Teilnehmer. Normalerweise wird beim Staatsbankett Smoking empfohlen, diesmal lautet der Dresscode zu Ehren der Gäste Frack. Die Details des Vier-Gänge-Menüs wurden fast wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Vorab war zu erfahren, dass Koch Jan-Göran Barth eine klassische und eine vegetarische Variante vorbereiten würde, in jedem Fall regional, saisonal und ökologisch. So, wie Charles III. es schätzt. (dpa)

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