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MondmissionDiese kritische Hürde muss die Artemis-Crew noch überstehen

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Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre muss die Artemis Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius und extreme mechanische Belastungen aushalten.

Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre muss die Artemis Temperaturen von mehreren tausend Grad Celsius und extreme mechanische Belastungen aushalten.

Bei der unbemannten Mission Artemis I gab es bereits massive Probleme mit dem Hitzeschild. Wie sicher sind die Astronauten?

Die zehntägige Mondmission der vier „Artemis 2“-Astronauten geht in die entscheidende letzte Phase. Die Crew hat den Mond umflogen und ist auf dem Rückweg. Während die Wasserlandung im Pazifik für den 10. April geplant ist, gilt der bevorstehende Wiedereintritt in die Atmosphäre als die größte verbleibende kritische Hürde für die Astronauten Wiseman, Glover, Koch und Hansen.

Beim Eintritt in die Erdatmosphäre rast Orion mit etwa 40.000 km/h auf die Erde zu. Durch die Reibung entstehen Temperaturen von bis zu 1.650 °C. Der Hitzeschild aus Avcoat-Material muss die Crew davor schützen – doch genau hier liegt das große Risiko.

Artemis auf dem Weg zurück zur Erde: Diese Hürde müssen die Astronauten noch nehmen

Bereits bei der unbemannten Artemis-I-Mission im Jahr 2022 zeigte der Hitzeschild unerwartete Schäden in Form von starken Abplatzungen („Spalling“) und einem höheren Materialverlust als berechnet. Die NASA hat daraufhin die Eintritts-Trajektorie für Artemis II steiler und kürzer gestaltet, um die Belastung zu verringern, und zusätzliche Tests durchgeführt.

Die Crew der Artemis II: Jeremy Hansen, Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover.

Die Crew der Artemis II: Jeremy Hansen, Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover. (v.l.)

Dennoch warnen Experten – darunter ehemalige NASA-Ingenieure wie Charles Camarda oder auch der deutsche Physiker Ulrich Walter – vor einem hohen Restrisiko: Ein Versagen des Schildes könnte die Kapsel zerstören und die Crew gefährden.

Der ehemalige Astronaut Walter, der selbst schon zehn Tage im Weltall verbracht hat, betonte gegenüber der „Bild“-Zeitung, dass die größte Gefahr von möglichen, bislang unentdeckten Schäden am Hitzeschild ausgehe. Diese könnten während der zehntägigen Reise im All durch Mikrometeoriten entstanden sein. Er beschrieb die Funktionsweise des ablativen Hitzeschilds, dessen Material an der Oberfläche gezielt verglüht und verdampft, um die Hitze von der Kapsel fernzuhalten.

Artemis 2 stellt Rekorde auf und ist auf dem Rückweg

Sollte das heiße Plasma jedoch durch eine beschädigte Stelle eindringen, würde die Kapsel laut Walter unweigerlich verglühen. Walter hob hervor, dass diese Phase besonders gefährlich ist, da dieser spezielle Hitzeschild zum ersten Mal unter realen Bedingungen mit Menschen an Bord getestet wird.

Bereits mit ihrem Start am Mittwoch in Florida hat die Artemis-2-Besatzung Geschichte geschrieben. Im Rahmen der ersten bemannten Mondmission seit über einem halben Jahrhundert umrundeten die vier Astronauten den Erdtrabanten und entfernten sich dabei weiter von der Erde als je ein Mensch zuvor. Aktuell befindet sich die Orion-Kapsel auf der Rückkehrbahn, während die NASA eine Mondlandung erst für das Jahr 2028 anstrebt. (mbr)