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Messwerte bis zu 800 000 Mal höherGesunkenes russisches Atom-U-Boot strahlt radioaktiv – Meerestiere belastet

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Das Wrack eines U-Bootes liegt am Meeresgrund. (Symbolbild)

Das Wrack eines U-Bootes liegt am Meeresgrund. (Symbolbild)

Aus dem Wrack des gesunkenen U-Bootes tritt Radioaktivität aus. Was bedeutet das für eine der weltweit fischreichsten Regionen? 

Ein sowjetisches Atom-U-Boot, das vor mehr als drei Jahrzehnten gesunken ist, setzt laut jüngsten Berichten weiterhin radioaktive Stoffe in der Norwegischen See frei. Forscher, die das Wrack der K-278 „Komsomolets“ untersuchen, haben nun festgestellt, dass weiterhin radioaktive Substanzen aus dem Schiff austreten, das seit seinem Untergang im Jahr 1989 infolge eines Brandes an Bord in einer Tiefe von etwa 1680 Metern ruht.

Das U-Boot enthält noch immer einen Kernreaktor und zwei Atomtorpedos. Während die Torpedos versiegelt bleiben, zerfällt das Reaktorabteil allmählich, was zu zeitweiligen Freisetzungen radioaktiver Stoffe in das umgebende Wasser führt, berichteten die Forscher jetzt.

Kontaminierte Fontänen strömen aus sowjetischem Atom-U-Boot

Die Lecks treten den Angaben zufolge jedoch nicht kontinuierlich auf, sondern als sporadische Austritte aus bestimmten Bereichen des Rumpfes, darunter ein Lüftungsrohr und der Reaktorbereich. Bei Unterwasserinspektionen beobachteten die Forscher sichtbare Fontänen kontaminierten Wassers, die aus dem Wrack austraten.

Die Analyse von Wasserproben, die in der Nähe des U-Bootes entnommen wurden, ergab erhöhte Konzentrationen radioaktiver Isotope, darunter Strontium, Cäsium, Uran und Plutonium. Die Werte bestimmter Isotope in unmittelbarer Nähe des Schiffes übersteigen demnach die typischen Hintergrundkonzentrationen um das Hunderttausendfache. Die Messwerte von Cäsium-137 waren sogar bis zu 800 000 Mal höher. Diese Werte sinken jedoch innerhalb kurzer Entfernung stark ab, da sich die radioaktiven Elemente im Meerwasser verdünnen.

Keine nennenswerte Anreicherung radioaktiver Stoffe

Die Ergebnisse basieren auf Langzeitbeobachtungen, die von norwegischen Strahlenschutzbehörden und Meeresforschern durchgeführt wurden. Die Daten deuten auf eine anhaltende Korrosion des Kernbrennstoffs im Reaktor hin, berichteten die Forscher weiter.

Am Denkmal, das an die Besatzungsmitglieder des russischen U-Boots K-278 „Komsomolets“ erinnert, werden anlässlich des Jahrestags des Untergangs Blumen niedergelegt. (Archivbild)

Am Denkmal, das an die Besatzungsmitglieder des russischen U-Boots K-278 „Komsomolets“ erinnert, werden anlässlich des Jahrestags des Untergangs Blumen niedergelegt. (Archivbild)

Trotz lokaler Strahlungsspitzen haben die Wissenschaftler jedoch keine nennenswerte Anreicherung radioaktiver Stoffe in der weiteren Meeresumwelt festgestellt. Proben von Meeresorganismen, die rund um das Wrack leben – wie Schwämme, Korallen und Anemonen – weisen jedoch leicht erhöhte Cäsiumwerte auf. Sichtbare Schäden seien aber nicht feststellbar gewesen.

Wrack der K-278: Forscher warnen vor künftigem Strahlungsauftritt

Das sowjetische U-Boot war im April 1989 nach einem Brand an Bord, bei dem der Großteil der Besatzung ums Leben kam, gesunken. Seitdem gilt es als eines der am tiefsten liegenden radioaktiven Wracks in den Weltmeeren.

Die Forscher warnen nun, dass die aktuellen Auswirkungen auf die Umwelt zwar begrenzt erscheinen, sich der Zustand des U-Bootes jedoch im Laufe der Zeit voraussichtlich verschlechtern werde. Ein fortschreitender baulicher Verfall könnte demnach das Risiko erheblicherer radioaktiver Freisetzungen in der Zukunft erhöhen.

Russland will zwei weitere Atom-U-Boote bergen

Russland hatte einem Bericht von RBC zufolge unterdessen bereits im Oktober Pläne vorgelegt, nach denen im Jahr 2026 mit den Vorbereitungen zur Bergung von zwei weiteren Atom-U-Booten aus der Sowjetzeit – K-27 und K-159 – begonnen werden soll. Die K-278 soll demnach weiterhin nicht geborgen werden.

Das Wrack des sowjetischen U-Bootes wird seit den 1990er Jahren überwacht. 2019 erfolgte eine detaillierte Untersuchung mithilfe des ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs Ægir 6000, das Wasserproben entnahm und strukturelle Schäden am Rumpf bewertete. (das)