In Hamburg beginnt der Prozess gegen den 21-jährigen Shahriar J., der sich im Internet „White Tiger“ nannte. Vor dem Auftakt gab es einen Zwischenfall.
Vor ProzessstartHäftlinge verprügeln „White Tiger“ – Ermittler entsetzt über Abgründe

„White Tiger“ wird in Hamburg der Prozess gemacht. (Symbolbild)
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Shahriar J., besser bekannt als „White Tiger“, soll über Jahre hinweg Kinder und Jugendliche im Internet dazu gebracht haben, sich selbst zu verletzen – bis hin zum Suizid. Nun wird dem jungen Deutsch-Iraner der Prozess gemacht.
Wenige Stunden vor Beginn des „White Tiger“-Prozesses vor dem Landgericht Hamburg ist der 21 Jahre alte Angeklagte laut seiner Anwältin von anderen Häftlingen verprügelt worden.
„White Tiger“ von Häftlingen vor Prozessbeginn brutal attackiert
Der Deutsch-Iraner sei am Donnerstag (8. Januar) gemeinsam mit anderen Insassen aus der Jugendvollzugsanstalt Hahnöfersand nach Hamburg in eine Sammelzelle der Untersuchungshaftanstalt gebracht worden, sagte seine Anwältin in Hamburg. Dort hätten einige der Insassen erst seine Uhr verlangt und dann auf ihn eingeschlagen.
Demnach ist eine Gesichtshälfte des Angeklagten stark geschwollen. Er soll nun zahnmedizinisch und allgemeinmedizinisch untersucht werden.
„White Tiger“ soll Jugendliche in den Selbstmord gedrängt haben
Shahriar J. soll psychisch labile Jugendliche über das Internet zu Gewalttaten gegen sich selbst gedrängt haben, ein 13-Jähriger soll Suizid begangen haben. Selbst erfahrene Ermittler sind angesichts des Ausmaßes der Verrohung und Unmenschlichkeit entsetzt. Der 21-Jährige ist vor dem Landgericht unter anderem wegen Mordes und fünffachen versuchten Mordes angeklagt.
Der 21-Jährige war Mitte Juni vergangenen Jahres in der elterlichen Wohnung in Hamburg festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Dort soll es angeblich auch einen Zwischenfall gegeben haben. Laut dem Magazin „stern“ wurde „White Tiger“ von Mithäftlingen attackiert.
„White Tiger“ soll Kopf einer internationalen Gruppe von Cyberkriminellen gewesen sein
Insgesamt werden dem Angeklagten, der mutmaßlich der Kopf einer internationalen Gruppe von Cyberkriminellen war, 204 Straftaten zur Last gelegt. Diese soll er zwischen 2021 und 2023 als Jugendlicher oder Heranwachsender begangen haben.
Staatsanwaltschaft gab es mehr als 30 Geschädigte im Kindes- und Jugendalter. Aufgrund des Alters des Beschuldigten im mutmaßlichen Tatzeitraum wird vor einer Jugendkammer verhandelt, die Öffentlichkeit ist ausgeschlossen.
FBI ermittelte bereits gegen „White Tiger“ aus Hamburg
Bereits im Jahr 2021 war das FBI in den USA auf Aufnahmen dieser Selbstverletzungen aufmerksam geworden und hatten die Datenspuren bis zu Shahriar J. in Hamburg zurückverfolgt. J. wurde von deutschen Behörden wegen des Verdachts des Besitzes von Jugendpornografie vernommen, die Ermittlungen wurden jedoch wegen Geringfügigkeit eingestellt.
Der Prozess wird die Hamburger Justiz das ganze Jahr beschäftigen. Insgesamt sind für die Verhandlung bis Dezember 82 Verhandlungstermine anberaumt. (mbr/afp)

