Abo

Kebekus, Frier und viele mehrProminente Frauen solidarisieren sich mit Fernandes – und fordern Konsequenzen

4 min
Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. In Deutschland solidarisieren sich Tausende Menschen mit der Schauspielerin. (Archivbild)

Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. In Deutschland solidarisieren sich Tausende Menschen mit der Schauspielerin. (Archivbild)

Prominente Frauen stellen sich an die Seite von Collien Fernandes und formulieren Forderungen. Deutschland solle kein „Täterparadies“ mehr sein.

Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang hat gemeinsam mit anderen prominenten Frauen einen Forderungskatalog gegen sexualisierte digitale Gewalt aufgestellt. Zu den Unterstützerinnen der Initiative gehören auch bekannte Kölner Gesichter.

Unter anderem die Komikerinnen und Schauspielerinnen Carolin Kebekus und Annette Frier, die Grünen-Politikerin Katharina Dröge, die Musikerin und Aktivistin Sarah Bora, Moderatorin Jeannine Michaelsen und Schauspielerin Wolke Hegenbarth. Sie demonstrieren Solidarität mit Collien Fernandes.

Fall Fernandes: Prominente Kölnerinnen unterstützen Plan gegen sexualisierte Digitalgewalt

Kern der Initiative ist es, die Erstellung und Verbreitung sogenannter sexualisierter Deepfakes unter Strafe zu stellen und sogenannte Nudify-Apps zu verbieten, mit denen solche gefälschten Sexbilder erstellt werden können. In ihren „10 Forderungen an die Bundesregierung“ formulieren die insgesamt 250 Frauen aus Politik, Wirtschaft und Kultur, dass Internetplattformen verpflichtet werden sollten, sexualisierte Deepfakes schnell zu entfernen. Betroffene sollten klare Rechtsansprüche auf Löschung, Auskunft und Identifizierung der Täter bekommen.

Ricarda Lang und Collien Fernandes kennen sich unter anderem aus einem gemeinsamen Auftritt bei „Hart aber Fair“ 2024. (Archivbild)

Ricarda Lang und Collien Fernandes kennen sich unter anderem aus einem gemeinsamen Auftritt bei „Hart aber Fair“ 2024. (Archivbild)

In dem Zehn-Punkte-Katalog, den Lang mit der Autorin Düzen Tekkal und der Aktivistin Kristina Lunz aufgestellt hatte, werden diverse weitere Punkte gefordert: das Prinzip „Ja heißt Ja“ im Sexualstrafrecht zu verankern; eine „nationale Strategie zur Bekämpfung männlicher Gewalt“ aufzulegen; spezialisierte Gerichte und Staatsanwaltschaften einzuführen; den Straftatbestand des Femizid ins Strafgesetzbuch zu schreiben; die Erstellung und Verbreitung von voyeuristischen Aufnahmen unter Strafe zu stellen. Weiter fordert die Gruppe um Ricarda Lang die „sofortige Einberufung eines Treffens mit der Bundesregierung“.

250 prominente Frauen fordern: „Wir müssen was tun“

„Wir müssen was tun. Um unsere Solidarität zu zeigen. Und um dazu beizutragen, dass sich in Deutschland ordentlich was ändert. Über’s Wochenende haben wir mobilisiert“, schreibt Kristina Lunz, Mitbegründerin der Initiative, zu einem entsprechenden Post auf Instagram. „Die Straflosigkeit männlicher Gewalt muss endlich ein Ende haben. Wir fordern von der Bundesregierung Schutz vor männlicher Gewalt und digitaler sexualisierter Gewalt.“

Weitere prominente Unterstützerinnen sind unter anderem Ines Anioli, Bärbel Bas, Jasna Fritzi Bauer, Katrin Bauerfeind, Hazel Brugger, Nina Chuba, Veronica Ferres, Maria Furtwängler, Cathy Hummels, Renate Künast, Ruth Moschner, Luisa Neubauer, Sophie Passmann, Claudia Roth, Katja Riemann, Düzen und Tugba Tekkal.

Solidarität mit Collien Fernandes – Demo am Wochenende

Hintergrund der aktuellen Diskussion sind schwere Vorwürfe der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Partner, den Schauspieler Christian Ulmen, über die zuerst der „Spiegel“ berichtet hatte. Ulmens Anwalt Christian Schertz kündigte rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung an, bei der es sich „in großen Teilen um eine unzulässige Verdachtsberichterstattung“ handle. Zudem würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet“.

Am Sonntag hatten Tausende in Berlin an einer Demonstration mit dem Titel „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“ teilgenommen. Die Kundgebung am Brandenburger Tor fand nach Angaben der Veranstalter wegen der aktuellen Diskussion in Solidarität mit Fernandes statt.

„Kein Einzelfall“

„Der Fall von Collien Fernandes ist kein Einzelfall“, sagte Lang der Deutschen Presse-Agentur. „Soziale Medien und neue Technologien wie KI bieten zudem neue Möglichkeiten, um Frauen im Netz bloßzustellen und zu unterdrücken.“ Diese Welle des Frauenhasses sei zu lange relativiert und ignoriert worden.

Nicht nur Prominente seien betroffen, sondern etwa auch Frauen nach einer Scheidung bis hin zu Schülerinnen, deren Bilder auf dem Pausenhof herumgereicht würden, warnte Lang. „Wir wollen, dass Deutschland von einem Täterparadies zu einem Land wird, in dem Frauen in ihrer Würde und ihrer Freiheit geschützt sind.“

Wir wollen, dass Deutschland von einem Täterparadies zu einem Land wird, in dem Frauen in ihrer Würde und ihrer Freiheit geschützt sind
Ricarda Lang

Angesichts der öffentlichen Empörung über den Fall der Schauspielerin Collien Fernandes hat das Bundesjustizministerium bereits reagiert – und fordert Tempo bei dem geplanten Gesetz gegen digitale Gewalt. Ein Gesetzentwurf dazu solle noch in dieser Woche in die interne Abstimmung ins Kabinett gegeben werden, teilte ein Sprecher am Montag mit. Danach solle der Entwurf veröffentlicht werden. Das Gesetz solle dann „sehr bald“ verabschiedet werden.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte am Freitag angekündigt, mit dem neuen Gesetz Strafbarkeitslücken zu schließen: „Wir wollen dafür sorgen, dass sich Täter nicht mehr sicher fühlen können, sondern dass sie damit rechnen müssen, dass sie bekannt und wirksam strafrechtlich verfolgt werden“, sagte sie den Sendern RTL und ntv.

Spanien Vorreiter in Europa im Kampf gegen Gewalt an Frauen

Das Erstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes soll künftig ausdrücklich strafbar werden. Für gefälschte Pornos, heimliche Sex-Fotos oder heimliche digitale Überwachung sollen künftig auch Haftstrafen drohen.

Wie es gehen kann, zeigt Spanien, das in Europa als Pionier im Kampf gegen Gewalt an Frauen gilt. Das Gesetz gegen geschlechtsspezifische Gewalt wurde in Spanien bereits 2004 verabschiedet. Seitdem existiert eine staatliche Beobachtungsstelle für häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt. Die aktuelle Gleichstellungsministerin Ana Redondo bezeichnet das Gesetz von 2004 als „revolutionär, wegweisend und internationalen Referenzpunkt“.

Ein zentraler Baustein sind spezialisierte Strukturen, die es zum Beispiel in Deutschland so immer noch nicht gibt: Praktisch jedes spanische Amtsgericht verfügt über eigene Kammern mit speziell ausgebildeten Richtern. Polizei und Justiz arbeiten im Umgang mit Betroffenen nach klaren Abläufen. Spezialisierte Einheiten folgen einem festen Protokoll, das auf jeder Wache gilt. Bereits bei einem Verdacht – selbst ohne Anzeige – müssen Maßnahmen ergriffen werden. (pst mit dpa und afp)