Trotz neuer Gespräche wird die Ukraine weiter beschossen. In Kiew fehlt Tausenden die Heizung – und die Kälte verschärft die Lage.
„Er will Unterwerfung“Kreml schießt weiter auf die Ukraine – Brantner drängt auf Taurus-Lieferung

Ukrainische Rettungskräfte arbeiten in Kiew daran, einen Brand an der Stelle eines Luftangriffs zu löschen. Nach Angaben der Behörden töteten russische Angriffe in der Nacht zum 24. Januar 2026 eine Person und verletzten 23 weitere in der ukrainischen Hauptstadt sowie in der nordöstlichen Stadt Charkiw. Landesweit galt Luftalarm.
Copyright: AFP
Während erneut über ein Ende des Kriegs verhandelt wird, treffen russische Angriffe die Ukraine mit unverminderter Härte. In der Nacht setzte Russland nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe 102 Kampfdrohnen und zwei Iskander-Raketen ein. Zwar wurden 87 Drohnen abgewehrt, dennoch kam es an zehn Orten zu Einschlägen.

„Mit ihr werden wir nie auch nur irgendetwas besprechen, auch die Amerikaner werden das nicht tun“, sagte Dmitri Peskow über die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas.
Copyright: AFP
Besonders angespannt bleibt die Situation in der Hauptstadt Kiew. Nach früheren Angriffen auf die Energieinfrastruktur waren am Samstag in rund 6000 Wohnblocks die Heizungen ausgefallen. Ein Großteil sei inzwischen wieder angeschlossen, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Doch weiterhin sind 1676 Wohnblocks bei zweistelligen Minusgraden in der Nacht ohne Wärmeversorgung. Teams arbeiteten rund um die Uhr, um Schäden zu beheben, erklärte Klitschko, doch neue Angriffe und die Kälte erschwerten die Arbeiten.
Kreml schließt Verhandlungen mit „inkompetenter“ EU-Führung aus
Auch Russland meldete ukrainischen Beschuss. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau wurden 52 ukrainische Drohnen abgewehrt. In der Grenzregion Belgorod seien zudem Energieobjekte beschädigt worden, Details zu den Folgen nannte Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow nicht.
Alles zum Thema Wolodymyr Selenskyj
- „Er will Unterwerfung“ Kreml schießt weiter auf die Ukraine – Brantner drängt auf Taurus-Lieferung
- Kalenderblatt Was geschah am 25. Januar?
- „Nicht das Land der Barbaren“ Schröder stützt Putin – dann lässt Moskau eine Klinik bombardieren
- Laschet kritisiert Europa Putin stellt Bedingung auf – Machtkampf in Moskau entbrannt?
- Krieg in der Ukraine Erste Ukraine-Verhandlungsrunde in Abu Dhabi beendet
- „Nichts hat sich geändert“ Selenskyj spricht vom „Murmeltiertag“ und meint das untätige Europa

Rettungskräfte stellen in Kiew Zelte auf, in denen sich Bewohner benachbarter Wohnhäuser aufwärmen und nachts schlafen können.
Copyright: Dan Bashakov/AP/dpa
Politisch verschärfen sich die Fronten weiter. Der Kreml schloss Verhandlungen mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas aus und bezeichnete die EU-Führung als „ungebildete inkompetente Funktionäre“. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, mit Kallas werde Moskau „nie auch nur irgendetwas besprechen“. Hintergrund ist die anhaltende Unterstützung Europas für die Ukraine.
Grünen-Chefin fordert mehr Unterstützung für Kiew aus Berlin
In Deutschland forderte Grünen-Chefin Franziska Brantner angesichts der neuen Angriffe stärkere Unterstützung für Kiew. Wladimir Putin wolle „keinen Frieden, er will Unterwerfung“, sagte sie. Wer Menschen im Winter die Wärme nehme, führe Krieg gegen Zivilisten. Die Bundesregierung müsse prüfen, welche zusätzlichen Flugabwehrsysteme geliefert werden könnten. Auch eine Lieferung des Marschflugkörpers Taurus sei „ein wichtiges Signal“.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mahnte ebenfalls mehr Hilfe an. „Jeden Tag“ werde Munition für die Luftverteidigung benötigt, schrieb er auf der Plattform X. Allein in dieser Woche habe Russland mehr als 1700 Drohnen, über 1380 Lenkbomben und 69 Raketen abgefeuert. Hunderttausende Menschen seien mitten im Winter ohne Strom und Heizung, für den Energiesektor gelte der Notstand.
Trotz allem laufen die diplomatischen Bemühungen weiter. In den Vereinigten Arabischen Emiraten kamen erstmals seit Monaten wieder russische und ukrainische Unterhändler mit den USA zusammen. Ergebnisse wurden nicht verkündet, beide Seiten bezeichneten die Gespräche jedoch als konstruktiv – und wollen sich erneut treffen. (sbo mit dpa/afp)
