Die Proteste nach dem Tod von Renee Good in Minneapolis nehmen zu. Die Regierung will noch hunderte weitere Beamte entsenden.
Eskalation in MinneapolisTödlicher ICE-Einsatz löst massive Proteste aus – Truppen werden verstärkt

US‑Grenzschutzbeamte nehmen einen Aktivisten in Gewahrsam, nachdem es an einer Tankstelle in St. Paul, Minnesota, zu einer Auseinandersetzung gekommen war. Die Regierung Trump hat schätzungsweise 2000 Bundesbeamte in die Region geschickt, um verstärkt nach undokumentierten Einwanderern zu fahnden.
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Nach den tödlichen Schüssen eines Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE auf eine Frau in Minneapolis verschärft die US-Regierung ihr Vorgehen: Hunderte weitere Bundesbeamte sollen in die Stadt entsandt werden. Das kündigte Heimatschutzministerin Kristi Noem an. Ziel sei es, bereits eingesetzte ICE-Beamte und Grenzschützer bei ihrer Arbeit zu schützen.
In Minneapolis und dem benachbarten St. Paul sind laut Heimatschutzministerium bereits mehr als 2000 Bundesbeamte im Einsatz. Offiziell geht es um Ermittlungen wegen mutmaßlichen Betrugs, unter anderem im Umfeld der somalischen Gemeinschaft. Kritiker bezweifeln jedoch, dass dies der eigentliche Grund für die massive Präsenz der Einwanderungsbehörde ist.
Renee Good wollte sich entfernen, als der Schuss fiel
Auslöser der aktuellen Eskalation sind tödliche Schüsse bei einem ICE-Einsatz am Mittwoch. Ein Beamter erschoss die 37-jährige US-Staatsbürgerin Renee Nicole Good. Nach Darstellung der Behörden habe sie versucht, den Beamten mit ihrem Auto zu überfahren. Diese Version wird unter anderem vom demokratischen Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, zurückgewiesen. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, dass das Fahrzeug von den Beamten weglenkt, als der Schuss fällt.
Der Vorfall hat landesweit Proteste ausgelöst. Allein in Minneapolis demonstrierten Tausende gegen ICE und das harte Vorgehen der Regierung. Auch in Städten wie Los Angeles, Washington, New York oder Portland gingen Menschen auf die Straße und forderten ein Ende der Einsätze. Bürgermeister Frey schrieb auf der Plattform X: „Heute ist ein guter Tag für ICE, um Minnesota zu verlassen.“
Scharfe Kritik kommt auch aus der Politik. Die demokratische Senatorin Tina Smith sprach von Chaos vor Ort und warf der Regierung vor, mit den Abschiebeaktionen die öffentliche Sicherheit zu gefährden. ICE-Beamte hätten amerikanische Staatsbürger inhaftiert und „wie man gesehen hat – auch getötet“, sagte sie. Trump, Noem und Vizepräsident JD Vance versuchten, das Geschehen „zu vertuschen“, indem sie frühzeitig ein bestimmtes Narrativ setzten, kritisierte Smith.
Indes tauchen Videos aus Minneapolis auf, die ICE-Beamte bei ihrem aggressiven Vorgehen zeigen. Begleitet von Pfiffen, Rufen und Hupen von Protestierenden wird etwa ein Mann an einer Tankstelle aus einem Auto gezogen. Nach minutenlangem Ringen tragen mehrere Einsatzkräfte einen regungslosen, halb entkleideten Körper in Fesseln davon. Professor Dr. Thomas Jäger, Politologe von der Universität Köln, hält das für inszenierten Staatsterror mit dem Ziel „Angst und Schrecken verbreiten, zur Überreaktion provozieren“, wie er auf X schreibt. (dpa/afp/sbo)

