EZB-Vize de Guindos wirft Berlin vor, mit seiner Haltung zur Commerzbank die europäische Bankenunion zu schwächen.
EZB rügt BundesregierungKritik an Widerstand gegen Commerzbank-Übernahme

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos kritisiert die Bundesregierung für Ihren Widerstand gegen eine Übernahme der Commerzbank. (Archivbild)
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Luis de Guindos, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat die deutsche Regierung wegen ihrer ablehnenden Haltung zu einer potenziellen Akquisition der Commerzbank durch Unicredit aus Italien gerügt. De Guindos äußerte gegenüber der „Financial Times“ (FT), dass derartige nationale Positionierungen das Vertrauen in die europäische Spar- und Investitionsunion schwächen.
„Es ist für Regierungen sehr schwierig zu argumentieren, dass sie für die Spar- und Investitionsunion sind, wenn sie dann sagen: Nun, nein, wir sind gegen diese konkrete Transaktion“, äußerte der Vize der EZB. Ein solches Verhalten sei nicht auf diesen Einzelfall beschränkt, sondern finde weithin statt. „Regierungen neigen sehr ähnlich dazu, in private Geschäfte einzugreifen.“ Derartige Eingriffe widersprächen dem Prinzip des europäischen Binnenmarktes.
Berlin positioniert sich gegen Übernahmepläne
Das italienische Finanzinstitut Unicredit verfolgt die Absicht einer Akquisition der Commerzbank und legte unlängst eine freiwillige Offerte zur Aufstockung seiner Beteiligung auf mehr als 30 Prozent vor. Dieses Vorgehen wird von der Commerzbank als feindselig eingestuft, die auf ihre Unabhängigkeit pocht. Rückendeckung kommt dabei von der deutschen Regierung, welche nach der Rettungsaktion mit öffentlichen Mitteln während der weltweiten Finanzkrise noch etwa zwölf Prozent der Aktien besitzt.
Die Offerte von Unicredit wurde erst vor Kurzem von der Bundesregierung deutlich missbilligt. In Berlin nannte der Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille die Vorgehensweise „völlig unangebracht und unfair“.
Plädoyer für grenzüberschreitende Bankenfusionen
De Guindos beschrieb den deutschen Bankensektor im Interview mit der „FT“ als „sehr fragmentiert“ und befürwortete Fusionen über Landesgrenzen hinweg. „Eine echte europäische Großbank könnte mit den amerikanischen konkurrieren. Die Bewertungen könnten deutlich höher ausfallen, und eine günstigere Finanzierung wäre ebenfalls möglich. Die Banken wären diversifizierter“, erklärte de Guindos.
Die Kommentare des EZB-Vizechefs werden als heikel angesehen, denn es kommt selten vor, dass die Zentralbank sich öffentlich zu spezifischen Geldhäusern oder Fusionskonflikten äußert. Üblicherweise überprüft die Bankenaufsicht der EZB nur Anleger, die einen Anteil von mindestens zehn Prozent an einem Finanzinstitut anstreben, um deren Qualifikation als Anteilseigner zu gewährleisten. Die Amtsperiode von de Guindos läuft Ende Mai ab; der Kroate Boris Vujcic wird seine Nachfolge antreten. (dpa/red)
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