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Grönland-Streit eskaliertSo reagiert Dänemark auf die Drohung von Donald Trump

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Frostige Stimmung herrscht zwischen Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und US-Präsident Donald Trump. Unser Bild zeigt beide beim Nato-Gipfel im Juni 2025.

Frostige Stimmung herrscht zwischen Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und US-Präsident Donald Trump. Unser Bild zeigt beide beim Nato-Gipfel im Juni 2025.

Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen platzt der Kragen: Hör endlich auf, Druck auf uns auszuüben, herrscht sie Trump förmlich an.

Für Donald Trump ist die Sache klar: „Wir brauchen Grönland.“ Der US-Präsident will die rohstoffreiche Insel, die Teil des Königreichs Dänemark ist, lieber heute als morgen unter seine Kontrolle bringen – und diesen Anspruch unterstreicht er wieder und wieder. Nach dem spektakulären Militäreinsatz in Venezuela, bei dem Staatschef Nicolás Maduro gefangen genommen wurde, wirkt seine Forderung besonders bedrohlich. Zunächst gab er der Zeitschrift „The Atlantic“ ein Interview, in dem er seine Besitzansprüche unter Verweis auf angebliche chinesische und russische Aktivitäten in der Region entschieden betonte.

Zugleich raunte er, die Intervention in Lateinamerika werde sicher nicht die letzte seines Landes gewesen sein. Wenig später machte sich der Staatschef an Bord der Air Force One über Dänemark lustig: „Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten geschickt“, höhnte Trump. „Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung.“

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen wurde daraufhin sehr deutlich: „Ich muss es den USA ganz direkt sagen: Es macht absolut keinen Sinn, davon zu sprechen, dass es für die USA notwendig sein könnte, Grönland zu übernehmen“, erklärte sie ohne die sonst üblichen diplomatischen Floskeln. „Die USA haben kein Recht, einen der drei Landesteile des Königreichs zu annektieren.“ Die Regierungschefin führte aus, dass die Vereinigten Staaten dank bilateraler Abkommen gewissermaßen freien Zugang zu Grönland hätten. Ihr Land habe zuletzt „erheblich in die Sicherheit in der Arktis investiert“. „Ich fordere die USA daher nachdrücklich auf, dass sie ihre Drohungen gegen einen historisch engen Verbündeten einstellen.“

„Die aktuelle Rhetorik der USA ist völlig inakzeptabel“

Auch der Chef der grönländischen Regionalregierung, Jens-Frederik Nielsen, wies die neuerlichen Besitzansprüche Trumps entschieden zurück. „Die aktuelle und wiederholte Rhetorik der USA ist völlig inakzeptabel“, sagte er. „Wenn der Präsident der USA sagt, dass er Grönland brauche und uns mit Venezuela und militärischen Interventionen in Verbindung bringt, dann ist das nicht nur falsch. Das ist respektlos.“ Man sei zwar offen für eine weitere intensive Zusammenarbeit. „Aber solche Gespräche müssen über die richtigen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts erfolgen“, sagte Nielsen. Und er fügte hinzu, dass er unter richtigen Kanälen sicher nicht „zufällige und respektlose Beiträge in sozialen Medien“ verstehe.

Damit spielte er auf ein Posting im Kurznachrichtendienst „X“ an, mit dem der gegenwärtige Schlagabtausch um Trumps Annexionsfantasien, der in Windeseile auf die höchste Ebene hochkochte, begonnen hatte. Katie Miller hatte dort eine Karte Grönlands in „Stars and Stripes“-Optik geteilt und dazu die Botschaft „soon“ geschrieben: Schon „bald“ werde die Insel nach dem erfolgreichen Venezuela-Coup unter US-Kontrolle kommen. Aufmerksamkeit erregte dieses Bild, weil Miller nicht irgendjemand ist, sondern eine frühere Sprecherin Trumps und Ehefrau von Stephen Miller. Der wiederum ist stellvertretender Stabschef im Weißen Haus und gilt als treibende Kraft hinter den Besitzansprüchen des US-Präsidenten auf Grönland.

Europäische Partner solidarisieren sich

Unterdessen solidarisierten sich Staats- und Regierungschefs in ganz Europa mit Dänemark und Grönland. Zunächst stärkten Schweden, Norwegen und Finnland ihrem nordischen Nachbarn demonstrativ den Rücken. Finnlands Präsident Alexander Stubb etwa, dem ein besonderer Draht zum US-Präsidenten nachgesagt wird, schrieb: „Niemand entscheidet für Grönland und Dänemark außer Grönland und Dänemark selbst.“ Am Montag stellten sich dann auch die europäischen Atommächte Frankreich und Großbritannien an die Seite Dänemarks und Grönlands. Über die Zukunft der Insel könnten ausschließlich Grönland und Dänemark entscheiden, sagte der britische Premierminister Keir Starmer. Auch Deutschland sicherte Dänemark unmissverständlich Beistand zu.

Kurz vor Weihnachten hatte Trump den erzkonservativen Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zum Sondergesandten für Grönland ernannt. Das konnte zum einen als deutliches Signal für die selbst erklärten Ansprüche der Trump-Administration verstanden werden. Zum anderen konnte man die Berufung aber auch so verstehen, dass die USA sich zeitnah um „Gespräche“ über die Zukunft der Insel bemühen wollen, auch wenn diese sicher nicht den Gepflogenheiten der klassischen internationalen Diplomatie entsprechen dürften. Noch ist vollkommen unklar, wie Landry seine Rolle auszufüllen gedenkt und ob er bald selbst nach Grönland reisen wird. Im vergangenen Jahr hatten Visiten von US-Vize J.D. Vance und von Trumps ältestem Sohn, Donald Jr., schon für erheblichen Wirbel gesorgt.

Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte Trump 2019 Interesse an Grönland bekundet. Die damals frisch ins Amt gewählte dänische Ministerpräsidentin Frederiksen erteilte dem Kauf-Ansinnen eine klare Absage, woraufhin der US-Präsident verschnupft einen Staatsbesuch in Kopenhagen absagte. Wiederholt hat Trump seit seiner Wiederwahl auch militärische Mittel nicht ausgeschlossen, um Grönland unter US-Herrschaft zu bringen.