Die USA wollen Grönland. Doch die dänische Regierungschefin hat jetzt klare Worte gen US-Präsident gesendet. Gut so, findet Thomas Paterjey.
Grönland-StreitKlartext aus Kopenhagen: Nur das versteht Trump

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hat sich mit klaren Worten gegen die Grönland-Ambitionen von US-Präsident Trump gestellt.
Copyright: Emil Nicolai Helms/Ritzau Scanpix Foto/dpa
Genug ist genug. Das muss sich Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen am Sonntagabend gedacht haben, als sie mit einem Statement zu den neuerlichen, absurden Besitzansprüchen von US-Präsident Donald Trump an die Öffentlichkeit trat. Sie forderte den mächtigsten Mann der Welt auf, endlich damit aufzuhören, Druck auf ihr Land auszuüben. Bewusst verzichtete die Ministerpräsidentin auf alle diplomatischen Ausschmückungen und kam direkt zur Sache: Die Vereinigten Staaten hätten absolut kein Recht, auch nur daran zu denken, einen Teil des Königreichs Dänemark zu annektieren. Die Zeit war reif für so eine klare Ansage an Trump.
Sicher, forsches Auftreten gegen Trump ist nicht ohne Risiko. Das weiß Frederiksen, die schon 2019 eine erste diplomatische Eiszeit zwischen ihrem Land und den USA heraufbeschworen hatte. Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit als US-Präsident ein Auge auf Grönland geworfen und eine Kaufofferte in Aussicht gestellt. Frederiksen, damals noch ganz frisch im Amt, wies das Ansinnen direkt ab – und musste dann die üble Laune des starken Mannes in Washington ertragen: Verärgert sagte er einen Staatsbesuch in Kopenhagen ab.
Dänemarks Ministerpräsidentin signalisiert Selbstbewusstsein
Auch jetzt weiß niemand, wie Trump auf die klaren Worte aus Dänemark reagieren wird. Doch viel zu verlieren hatte Frederiksen nicht, als sie sich dazu entschied, mit dem launischen Staatenlenker auf der anderen Seite des Atlantiks endlich in einer Sprache zu sprechen, die er versteht.
Im Gegenteil kann in ihrem Vorgehen sogar eine Chance liegen. Signalisiert die dänische Ministerpräsidentin doch das Selbstbewusstsein, Trump auf Augenhöhe zu begegnen. Nicht nur einen weiteren Hundeschlitten, wie Trump an Bord der Air Force One höhnte, habe Dänemark zuletzt nach Grönland geschickt, hielt sie ihm entgegen. Im Gegenteil rüste ihr Land massiv auf und investiere in die Sicherheit der Arktis.
Bisher sagt in Washington niemand, was das ganze Grönland-Theater denn nun wirklich soll.
Klar ist, dass nach diesem starken Auftritt Frederiksens die Annexionsfantasten in Washington nicht verstummen werden. Sie werden weiterhin für eine feindliche Übernahme der rohstoffreichen Insel trommeln. Die steht aber weder zum Verkauf noch sendet die Grönländer anderweitig Signale aus, aus freien Stücken Teil der USA werden zu wollen. Trotzdem könnten die klaren Worte der dänischen Regierungschefin aber etwas verändern: dass sich die USA und Dänemark endlich zusammensetzen und darüber reden, was Trumps Leute auf Grönland eigentlich wollen.
Die USA und Dänemark sollten jetzt Tacheles reden
Wollen die USA etwa militärisch freie Hand haben? Hier kann man sich schnell einig werden, denn das ist im Grunde schon der Fall. Wollen sie Bodenschätze? Auch hier sind Deals möglich. Bisher jedoch sagt in Washington niemand, was das ganze Grönland-Theater wirklich soll. Es ist an der Zeit, dass beide Länder offen miteinander reden. Auch die Berufung des US-Sondergesandten Jeff Landry könnte dafür sprechen, dass es jetzt endlich dazu kommt.
Am Ende könnte es sogar ein persönliches Treffen von Trump und Frederiksen geben. Gut möglich, dass die Dänin auch da mit offenem Visier Paroli bietet. Sie kann so gewinnen.



