Dicht vor der EU-Grenze schlagen Raketen ein. Moskau bestätigt den Einsatz der Oreschnik gegen die Ukraine – und droht offen weiter.
„Russland eskaliert unprovoziert weiter“Moskau feuert Hyperschallrakete Oreschnik ab – Einschlag nahe EU-Grenze

Ein russisches Oreschnik-Raketensystem ist von Moskau eingesetzt worden. (Archivfoto)
Copyright: AFP/Russisches Verteidigungsministerium
Dicht vor der Grenze zur Europäischen Union und zur Nato erschüttern schwere Explosionen die Westukraine. Russland hat nun eingeräumt, bei den jüngsten Angriffen seine neue Mittelstreckenrakete Oreschnik eingesetzt zu haben. Das Verteidigungsministerium in Moskau spricht von einem „massiven Schlag“ mit hochpräzisen Waffen, darunter Drohnen und die Oreschnik.
Der ukrainische Sicherheitsdienst (SBU) bestätigt, dass Fragmente einer russischen Oreschnik in der Region Lwiw gefunden wurden. Der Einsatz sei eine „Vergeltungsaktion“ gewesen. Moskau begründet den Angriff mit einer angeblichen Attacke auf die Residenz von Kremlchef Wladimir Putin im nordrussischen Waldai. Von einem versuchten Terroranschlag war die Rede. Die Ukraine weist diese Darstellung zurück, Experten äußern Zweifel an der russischen Version der Ereignisse.
Es ist bereits das zweite Mal, dass Russland die Oreschnik im Krieg gegen die Ukraine einsetzt. Im November 2024 traf eine Rakete dieses Typs die Partnerstadt Kölns, Dnipro. Damals war sie nach russischen Angaben noch ohne Gefechtssprengkopf unterwegs, die Zerstörung entstand allein durch die enorme Geschwindigkeit. Die Oreschnik gilt als modernste russische Waffenentwicklung: atomwaffenfähig, mit einer Reichweite von bis zu 5000 Kilometern und einer Geschwindigkeit von mehr als 12.000 Kilometern pro Stunde.
Dieses Mal war die Rakete nach Angaben aus Moskau mit konventionellen Sprengköpfen bestückt. Ziel seien Einrichtungen zur Drohnenproduktion sowie Energieanlagen gewesen, „die die Arbeit des Rüstungskomplexes der Ukraine ermöglichen“. Das Militär drohte offen mit weiteren Schlägen, sollte es erneut zu „Terrorangriffen“ kommen.
Dmitri Medwedew nennt seine Gegner „gefährliche Psychopathen“
Scharfe Worte kamen auch von Russlands Ex-Präsident Dmitri Medwedew. Der Vizechef des nationalen Sicherheitsrats verglich den Raketenangriff mit einer Beruhigungsspritze: „Gefährliche Psychopathen brauchen eine Zwangsjacke oder eine Rettungsspritze mit Haloperidol“, schrieb er. Medwedew hat sich seit Kriegsbeginn als Hardliner profiliert und drohte wiederholt auch westlichen Staaten.
Auf ukrainischer Seite wächst unterdessen die Sorge. Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte eine „klare internationale Reaktion“, insbesondere von den USA. Russland müsse jedes Mal Konsequenzen spüren, wenn es erneut auf „Tötungen und die Zerstörung von Infrastruktur“ setze. In Kiew wurden nach offiziellen Angaben bei den nächtlichen Angriffen mindestens vier Menschen getötet, zahlreiche Wohnhäuser beschädigt.
Bundesregierung verurteilt den russischen Angriff auf die Ukraine
Die Bundesregierung hat den russischen Angriff auf die Ukraine mit der modernen Mittelstreckenrakete Oreschnik verurteilt. „Während die Ukraine, die USA und Europa sich in den vergangenen Tagen und Wochen sehr intensiv für einen Frieden in der Ukraine einsetzen, hat Russland die Mittelstreckenrakete Oreschnik gegen die Ukraine eingesetzt“, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung verurteile dies „aufs Schärfste“.
Mit ihrem Angriff auf zivile ukrainische Energieinfrastruktur habe Russland den Konflikt „nochmals eskaliert“. Es handele sich um „symbolische Drohgebärden“, um weiter Angst zu verbreiten. „Russland eskaliert hier unprovoziert weiter“, sagte Meyer. „An unserer Entschlossenheit wird dies nichts ändern – im Gegenteil: Wir stehen weiter eng an der Seite der Ukraine und setzen unsere umfassende Unterstützung ungemindert fort.“
Nach Angaben der ukrainischen Armee feuerte Russland in einer Nacht Dutzende Raketen und Hunderte Drohnen ab. Besonders betroffen war auch die westukrainische Region Lwiw. Dort wurde Infrastruktur getroffen, zeitweise fiel die Gasversorgung aus. Seit Kriegsbeginn beschießt Russland systematisch die Energieversorgung der Ukraine. Die Folgen sind für die Bevölkerung dramatisch: Stromausfälle, Kälte und Dunkelheit prägen vielerorts den Alltag. (sbo/dpa/afp)

