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Russischer Botschafter einbestelltMoskau nimmt „potenzielle Ziele“ in Deutschland ins Visier

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Kremlchef Wladimir Putin (r.) zusammen mit dem früheren russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin (r.) zusammen mit dem früheren russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. (Archivbild)

Der Kreml hat eine „Zielliste“ veröffentlicht, darauf werden auch Firmen in Deutschland genannt. Berlin reagiert mit deutlichen Worten. 

Das Auswärtige Amt hat angesichts Moskauer Drohungen gegen in Deutschland ansässige Rüstungsfirmen den russischen Botschafter Sergej Netschajew einbestellt. „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Solche Drohungen und alle Arten von Spionageaktivitäten in Deutschland sind vollkommen inakzeptabel“, schrieb das Außenministerium am Montagabend (20. April) auf der Online-Plattform X.

Direkte Drohungen Russlands gegen Ziele in Deutschland seien „ein Versuch, unsere Unterstützung für die Ukraine zu schwächen und unsere Geschlossenheit zu testen“. Deshalb sei der russische Botschafter einbestellt worden, hieß es weiter. Konkreter wurden die Angaben des Ministeriums nicht. 

Moskau veröffentlicht Adressen von deutschen Rüstungsfirmen

Die förmliche Einbestellung eines Botschafters gilt als scharfes diplomatisches Mittel, mit dem die Regierung des Gastlandes eine deutliche Verstimmung signalisiert.

Das russische Verteidigungsministerium hatte vergangene Woche mit der Veröffentlichung der Adressen von in Deutschland ansässigen Rüstungsfirmen auf die Ankündigung neuer Drohnenlieferungen an die Ukraine reagiert.

Drei deutsche Firmen auf russischer „Zielliste“

Nach Angaben des Hamburger Nachrichtenmagazins „Spiegel“ werden auf der russischen Liste drei deutsche Firmen genannt: Davinci Avia – ein Tochterunternehmen des ebenfalls gelisteten niederländischen Rüstungskonzerns Destinus, der Motorenhersteller und Rüstungszulieferer 3W Professional in Hanau und das Münchner Luftfrachtunternehmen Airlogistics Germany.

Sergej J. Netschajew ist der russische Botschafter in Deutschland. (Archivbild)

Sergej J. Netschajew ist der russische Botschafter in Deutschland. (Archivbild)

Die Drohungen kamen vor dem Hintergrund weiterer Hilfszusagen an Kyjiw beim Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe in Berlin. Kanzler Friedrich Merz hatte zuvor in Berlin mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj eine „strategische Partnerschaft“ vereinbart, die auch militärische Komponenten beinhaltet.

„Potenzielle Ziele“: Ex-Kremlchef Dmitri Medwedew droht

Bereits in der letzten Woche hat der ehemalige Kremlchef und nunmehrige Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, die vom Kreml veröffentlichte Liste für Drohungen gegen den Westen genutzt.

„Die Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums muss wörtlich genommen werden: Die Liste europäischer Einrichtungen, die Drohnen und andere Ausrüstung herstellen, ist eine Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte“, schrieb Medwedew auf Englisch bei X in der letzten Woche. „Wann Angriffe zur Realität werden, hängt davon ab, was als Nächstes kommt. Schlaft gut, europäische Partner“, fügte der Moskauer Scharfmacher hinzu.

Kremlmedien befeuern Propaganda

Russland beschießt und zerstört seit Beginn des vor mehr als vier Jahren von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Kriegs systematisch Ziele im Hinterland der Ukraine. Das angegriffene Land wehrt sich dagegen immer wieder mit Gegenschlägen, die zuletzt immer öfter russische Energieinfrastruktur zum Ziel hatten. Für die Angriffe setzt die Ukraine regelmäßig auch Drohnen ein. 

In russischen Propagandamedien wird unterdessen weiterhin ein scharfer Ton angeschlagen. Europa habe „Russlands Zielliste“ und die „Warnung“ des russischen Verteidigungsministeriums ignoriert, berichtete etwa die Zeitung „Moskowski Komsomolez“ am Montag mit Blick auf erneute ukrainische Drohnenangriffe auf Ziele in Russland zu Wochenbeginn – und zitierte einen russischen Militärexperten mit drastischen Worten.  

„Der Westen versteht nur Gewalt“, hieß es etwa in der kremlnahen Zeitung, die den aggressiven Kurs Moskaus in ihrem Bericht untermauerte. „Ohne Angriffe auf Logistikrouten, Häfen, Flughäfen, Bahnhöfe und Brücken wird es keine Ergebnisse geben“, zitierte das Blatt den Oberst Lewon Arsanow, ein Mitglied des Präsidiums der gesamtrussischen Organisation „Offiziere Russlands“. (mit dpa)