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Rekord-Teilnahme„No Kings“-Proteste gegen Donald Trump in den USA

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Die Protestierenden in New York haben den Times Square lahmgelegt. /JOHN ANGELILLO

Die Protestierenden in New York haben den Times Square lahmgelegt. /JOHN ANGELILLO

Millionen Menschen haben ein knalliges Zeichen gegen Donald Trump gesetzt. Dessen Sprecherin hatte schon vorher gegen die Märsche gewettert.

Eine Marching Band trommelt auf dem New Yorker Times Square „gegen Faschismus“. Ein bärtiger Brite wettert in einem taubengrünem Laken und mit Kopfteil als US-Freiheitsstatue vor der Carnegie Hall gegen Donald Trump – und Thea Kindos steht nahe dem Broadway ruhig am Straßenrand. Auch die zierliche Dame trägt Kostüm, aber sie ist ruhiger als Zehntausende andere beim „No Kings“-Protest („Keine Könige“) in der US-Millionenmetropole. „Ich sitze viel daheim und arbeite – das hier zeigt mir, dass ich nicht alleine bin“, sagt sie an diesem sonnigen, aber knackig-kalten März-Samstag. „Das gibt mir wieder neue Energie, um weiter für Demokratie zu kämpfen.“

Kindos hat keine fröhliche Verkleidung gewählt, sondern trägt einen samtroten Mantel mit passendem Schal und ein weißes Hutteil, so wie sie im Roman „Der Report der Magd“ und in der Serie „The Handmaid’s Tale“ vorkommen. Es ist ein düsterer Zukunfts-Stoff, in dem Frauen nach und nach ihre Rechte genommen werden und die sogenannten „Mägde“ in ihren roten Gewändern nur dazu da sind, Nachkommen zu gebären.

„Ich bin beim ersten Protest aufgemacht und wusste nicht so recht, was ich sagen soll, aber ich wusste, dass ich diesen roten Mantel habe und dass ich nicht will, dass unser Land zu Gilead wird“, erklärt Kindos mit einem Vergleich zwischen Roman und Wirklichkeit, warum sie zur Demo gekommen ist. Sie ist mit ihrem Wunsch nach einem anderen Amerika bei weitem nicht allein.

Einer der größten Protesttage der US-Geschichte

Bei Tausenden Veranstaltungen sind an diesem Samstag (28. März, Ortszeit) Millionen Teilnehmende durch die Straßen gezogen, um ein lautes Zeichen gegen die Politik von Präsident Donald Trump zu setzen. Die oft eher auffällig älteren Teilnehmer forderten unter anderem ein Ende des Iran-Kriegs, die Veröffentlichung aller Epstein-Akten und ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump. Eine zentrale Organisation hat der Protest nicht, vor Ort kümmern sich teils Dutzende Bürgerrechtsgruppen, Gewerkschaften und Kirchenvertreter um die Demonstrationen.

Acht Millionen Menschen seien gekommen, schätzte Indivisible, eine der vielen begleitenden Bürgerrechtsgruppen, am Abend online – eine verbindlich bestätigte Zahl gab es noch nicht. Fest steht, dass es sich um einen der größten Protesttage in der Geschichte der Vereinigten Staaten handelte und alleine in einigen Großstädten Hunderttausende kamen.

Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James, der Schauspieler Robert Di Niro und Rev. Al Sharpton (l-r) nehmen an einer „No Kings“-Demonstration in New York teil.

Die New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James, der Schauspieler Robert Di Niro und Rev. Al Sharpton (l-r) nehmen an einer „No Kings“-Demonstration in New York teil.

Mehr als 3300 Veranstaltungen in allen 50 US-Bundesstaaten waren auf der zentralen Webseite von „No Kings“ gemeldet worden – so viele wie nie zuvor. Einige Dutzend Demos waren auch im Ausland angesetzt: In Frankfurt, Wien und Zürich im deutschsprachigen Raum gingen genauso Menschen auf die Straßen wie im australischen Sydney. Selbst Fotos, die von einigen Wissenschaftlern mit Protestplakaten vor Pinguinen in der Antarktis aufgenommen sein sollten, machten online die Runde – die Organisation „Indivisible“ schrieb davon, dass auf allen Kontinenten der Erde gegen den US-Präsidenten protestiert worden sei.

Plakate verspotten Donald Trump

In den USA ist das auch immer mit unzähligen selbst gemalten Schildern mit markigen Sprüchen verbunden. „Wer einen Clown wählt, muss sich über den Zirkus nicht wundern“, stand in New York auf einem Plakat.

„Wir wären nicht hier, wenn wir die Frau gewählt hätten“, lautete eine andere Aufschrift. „Wir sind nur noch einen Big Mac von der Rückkehr der Demokratie entfernt“, vermutete ein weiteres Poster. Online zeigten Tausende Bilder Eindrücke von anderen Demonstrationen mit ihren massiven Besuchermengen.

Hunderte andere Plakate schlugen einen ernsteren Ton an und mahnten „Wir sind noch nicht wütend genug“ oder „Keine Frage mehr von links oder rechts, sondern eine von richtig oder falsch“.

Proteste auch in republikanischen Hochburgen

Auch aus tief republikanischen Regionen hatten die „No Kings“-Organisatoren Protestankündigungen erhalten, darunter Hunderte in Texas, Oklahoma und Trumps Wahlheimat Florida.

Inoffiziell hatten die Veranstalter einen Protest in Minnesota als zentrale Veranstaltung ausgerufen, jenem US-Staat, in der über Monate die Bevölkerung gegen die Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE demonstriert hatte und wo in Minneapolis Einsatzkräfte zwei friedlich Demonstrierende getötet hatten. In der angrenzenden Zwillingsstadt St. Paul sang dort am Samstag Bruce Springsteen seinen Protestsong „Streets of Minneapolis“. Schauspielerin und Bürgerrechtlerin Jane Fonda verlas statt einer eigenen Rede ein Statement von Becca Good, der Ehefrau der erschossenen Renee Good.

Tim Walz, früherer Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten und Gouverneur des Staates, wandte sich an die Einwanderer aus Somalia, gegen die Trump zuletzt immer wieder wetterte. „Eure Urgroßenkel werden immer noch hier sein, wenn dieser orangefarbene Clown längst in den Mülleimer der Geschichte gewandert ist“, sagte er.

Weißes Haus spielt Bedeutung herunter

Das Weiße Haus hatte sich schon am Donnerstag abfällig über die Proteste geäußert. „Die einzigen Leute, die sich für diese Therapiestunden für Leute mit Trump-Geistesstörung-Syndrom interessieren, sind Reporter, die für ihre Berichterstattung bezahlt werden“, hatte Sprecherin Abigail Jackson gesagt. Beinahe wie eine direkte Antwort wirkte ein weiteres Plakat aus New York, auf dem groß eine Aufschrift prangte: „An die Welt: Es tut uns leid. An seine Wähler: Wir haben euch gewarnt.“