Abo

Laufendes ParteiausschlussverfahrenAfD-Bezirksbürgermeister in Bochum-Wattenscheid wieder abgewählt

2 min
Sitzung der Bezirksvertretung  Bochum Wattenscheid am Dienstag, dem 21.April 2026 im Großen Sitzungssaal des Rathauses; es gibt eine Abwahl des stellvertretenen Bürgermeister der AfD, Cedric Sontowski. Neue BM ist Katja  Kanthack.
Foto: Walter Fischer /  FUNKE Foto Services

Bei der Sitzung der Bezirksvertretung Bochum-Wattenscheid ist der stellvertretende Bezirksbürgermeister Cedric Sontowski (links im Bild) abgewählt worden. 

Die Bezirksvertretung Bochum-Wattenscheid hat den AfD-Politiker Cedric Sontowski als stellvertretenden Bezirksbürgermeister abgewählt. Hintergrund sind schwere Vorwürfe, die aus der eigenen Partei kamen.

Der erste stellvertretende Bezirksbürgermeister in der Geschichte der AfD in NRW hat seinen Posten wieder verloren. Die Bezirksvertretung Bochum-Wattenscheid beschloss am Dienstag mit 15 von 19 Stimmen die Abwahl von Cedric Sontowski. Auslöser sind Vorwürfe, die aus der Partei selbst kamen.

Alle Fraktionen mit Ausnahme der AfD hatten die Abwahl gemeinsam beantragt. Unter anderem hätten die „öffentlich bekannt gewordenen Vorwürfe“ gegen Sontowski das Ansehen und die Handlungsfähigkeit der Bezirksvertretung Wattenscheid erheblich beeinträchtigt, heißt es im Antrag. Sontowski werde nicht aus parteipolitischen Gründen abgewählt, sondern um Schaden vom Amt abzuwenden. 

Die Wahl von Sontowski hatte im November Überraschung und Protest über Wattenscheid hinaus ausgelöst. Sontowski erhielt eine Stimme mehr, als seine Partei Mandate hält und feierte einen historischen kommunalpolitischen Erfolg für die AfD NRW: Mit dem Posten des Vize-Bezirksbürgermeisters bekam sie ein öffentliches Amt. 

„Mir haben Leute gesagt: Wenn meine Mutter 90 wird, möchte ich nicht, dass Herr Sontowski kommt“

Es blieb ein kurzer Triumph. Nur einen Monat später beantragte die AfD-Bochum Sontowskis Parteiausschluss. Der Kommunalpolitiker soll Kreissprecher Christian Loose bei einer Weihnachtsfeier im Streit gedroht haben: „Du kannst deinen Kindern andere Namen geben. Ich werde sie finden. Bisher habe ich dich in deiner Straße leben lassen. Ich mach dich kaputt“, wird er in einem Antrag zitiert, über den der „Kölner Stadt-Anzeiger“ exklusiv berichtete. Zudem soll er mehrfach ein strafrechtlich relevantes Symbol gezeigt haben. Sontowski hatte die Vorwürfe auf Anfrage dieser Zeitung bestritten und als „haltlos“ bezeichnet. Über sein Ausschlussverfahren wurde noch nicht entschieden, heißt es aus Parteikreisen. Sontowski gehört dem rechtsradikalen Lager innerhalb der AfD an.

Am Dienstagabend wählte die Bezirksvertretung Wattenscheid Katja Kanthack von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) zu Sontowskis Nachfolgerin. „Wir Demokraten wollten ein gemeinsames Zeichen setzen“, sagt Kanthack. Das sei gelungen: Die Fraktionen stimmten einstimmig gegen die AfD. „Mir liegt am Herzen, ein positives Bild von Wattenscheid zu vermitteln“, sagt Kanthack. Künftig vertritt sie den Bezirk Wattenscheid bei lokalen Veranstaltungen und Jubiläen. „Mir haben bereits vor der Abwahl Leute gesagt: Wenn meine Mutter 90 wird, möchte ich nicht, dass Herr Sontowski kommt.“

Nach der Kommunalwahl im September wurden in fünf Städten AfD-Politiker auf Vizebürgermeisterposten gewählt. Nach Bochum-Wattenscheid geschah dies auch im ostwestfälischen Bad Salzuflen, in Velbert und zweimal in Gelsenkirchen – teils ebenfalls mit Stimmen aus anderen Parteien. Mit Sontowski haben nun zwei von ihnen den Posten wieder verloren. Sabine Reinknecht, dritte stellvertretende Bürgermeisterin von Bad Salzuflen, wurde bereits nach 14 Tagen im Amt abgewählt.