Hasen sind die Botschafter des Osterfests. Nur wenige Menschen wissen, dass die Tiere für den Schutz der Artenvielfalt in NRW eine besondere Rolle spielen.
Naturschützer legen Hasenapotheken anMeister Lampe sichert die Artenvielfalt in NRW

Ein Feldhase flitzt über einen Gehweg. Die Tiere können bei Gefahr bis zu 80 Stundenkilometer schnell werden.
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NRW ist das „Hasenland Nummer eins“ in Deutschland. Mit etwa 29 Hasen pro Quadratkilometer ist die Population nach Angaben des Deutschen Jagdverbands deutlich größer als im Bundesschnitt, wo pro Quadratkilometer nur 19 Tiere gezählt werden. 2024 gab es eine Zuwachsrate von 15,2 Prozent. Eine gute Nachricht, findet NRW-Umweltminister Oliver Krischer (Grüne). Es lohne sich, den Feldhasen vor Ostern besonders betrachten. Und zwar nicht nur als Überbringer von Eiern und Schokolade. „Sondern als Botschafter einer intakten Natur“.
Trotz des relativ stabilen Bestands ist der Feldhase vielerorts durch Krankheiten und durch den Straßenverkehr bedroht. Wetterkapriolen und extreme Trockenheit setzen den Tieren zu. Viele Menschen wissen nicht, wie wichtig der Fortbestand der Feldhasen für unsere Natur ist. „Wenn wir es schaffen, dem Feldhasen mehr Lebensraum zu geben, retten wir gleich hunderte andere Arten mit“, sagte Krischer, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
In der Biologie wird der Feldhase als „Umbrella Species" (Schirmart) bezeichnet. „Der Hase hat extrem hohe Ansprüche an seinen Lebensraum. Wenn wir die Bedingungen für den Hasen optimieren, spannen wir somit automatisch einen Schutzschirm für hunderte andere Arten auf“, heißt es im Umweltministerium.
Zum Beispiel beim Nahrungsanspruch: Ein Hase braucht das ganze Jahr über frische Kräuter und Gräser. Biologische Stationen und Artenschützer legen deshalb extra Kräuterangebote für Hasen an - sogenannte Hasenapotheken. „Wenn diese Vielfalt da ist, profitieren sofort Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen, die auf dieselben Blüten angewiesen sind“, so das Umweltministerium.
Hasen bräuchten zudem Deckung in Form von Hecken, Brachen und Raine – das sind schmale, meist unbewirtschaftete Streifen Land. Sie bilden die Grenze zwischen zwei Feldern, einer Wiese oder entlang eines Weges. Dieselben Strukturen nutzen Rebhühner, Feldlerchen und Goldammern als Brutplatz.
Die Feldhasen hätten zudem eine wichtige Indikator-Funktion, heiß es, weil sie ortstreu seien. Wenn die Population in einem Revier einbreche, sei das ein direkter Beweis dafür, dass die Vernetzung der Landschaft (Biotopverbund) gestört ist. „Er zeigt uns also, wo die ,grüne Infrastruktur‘ in NRW Löcher hat und wo sie in der Balance ist“, so das Umweltministerium.
Weil der Feldhase über die Artenvielfalt mitentscheidet, arbeiten in NRW die Biologische Stationen aktiv daran, ihren Lebensraum zu erhalten. Beim Projekt „Lebensräume mit Zukunft“ werden Landwirte beraten, wie sie die Strukturen verbessern können, die die Tiere zum Überleben brauchen. Die Biologischen Stationen Rhein-Erft, Euskirchen und Düren kümmern sich um den Schutz der Feldhasen in den intensiv genutzten Ackerbauregionen der Zülpicher Börde.
Der Deutsche Jagdverband zählt die Hasen nachts mit Scheinwerfern, die das licht der Augen reflektieren. Feldhasen sind nahezu doppelt so groß wie Kaninchen, haben längere Ohren und helle Augen. Während Kaninchen sich in unterirdischen Bauten tummeln, sind Feldhasen Einzelgänger, die keine Höhlen bauen. Sie lassen sich am besten in der Paarungszeit von Februar bis April beobachten. Während der „Hasenhochzeit“ sind sie auch tagsüber aktiv.
