Zahlreiche Akten der NSDAP stehen jetzt im Internet zur Verfügung. Hier finden Sie eine Hilfestellung für die Recherche zur Geschichte Ihrer Ahnen.
NSDAP-Archive onlineSo könnt ihr die Nazi-Vergangenheit eurer Familie erforschen

Auch Adolf Hitler, hier bei seiner Rede vor dem Reichstag in Berlin am 1. September 1939, findet sich in den Unterlagen des US-Nationalarchivs.
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Über acht Jahrzehnte nach dem Ende des NS-Regimes stellt das Nationalarchiv der USA eine Möglichkeit zur weitreichenden historischen Ahnenforschung im Internet bereit. Laut Meldungen der Nachrichtenagentur dpa ist es für jeden möglich, ohne eine Registrierung Millionen von Datensätzen zu durchsuchen, um Informationen über die eigenen Vorfahren zu finden.
Große Datenmengen erstmalig öffentlich einsehbar
Anders als in Deutschland, ermöglichen die Vereinigten Staaten den Zugriff auf eine komplette digitale Version der auf Mikrofilm erfassten NSDAP-Zentralkartei und der Ortsgruppenkartei. Folglich sind über 16 Millionen digitale Dokumente auf mehr als 5.000 digitalisierten Filmrollen öffentlich zugänglich. Darin finden sich Informationen von Millionen Deutschen, welche bis 1945 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) angehörten. Das Deutsche Historische Museum gibt an, dass 1945 „jeder fünfte erwachsene Deutsche einer von insgesamt 8,5 Millionen Parteigenossen“ war und somit das Unrechtssystem zumindest formell unterstützte.
„Das hat eine transatlantische Geschichte – die Unterlagen wurden nach dem Krieg für Entnazifizierung und Prozesse genutzt“, erläutert der Geschichtswissenschaftler Martin Winter von der Universität Leipzig. Aus diesem Grund sei es nicht außergewöhnlich, dass sich derartige Sammlungen im Nationalarchiv der USA befinden. Digitale Duplikate dieser Unterlagen existieren ebenfalls im Berliner Bundesarchiv, ihr Gebrauch ist dort aber aus juristischen Motiven erheblich limitiert.
Einträge zu Hitler, Himmler und Hess auffindbar
Das Herzstück der amerikanischen Kollektion bildet die sogenannte „Master File“, in der verschiedene Hauptkarteien zusammengefasst sind. Ein Teil davon ist die Ortsgruppenkartei, die circa 6,6 Millionen Mitgliederausweise umfasst, welche genaue Informationen wie den Namen, das Geburtsdatum, die Profession, das Eintrittsdatum in die Partei und den Wohnsitz beinhalten. Zusätzlich gibt es die Zentralkartei mit ungefähr 4,3 Millionen Karteikarten, in der auch prominente NS-Führer wie Adolf Hitler, Heinrich Himmler und Rudolf Hess verzeichnet sind. Über 200.000 Fragebögen von Parteimitgliedern aus der Berliner Region kommen noch hinzu.
Leiter einer Papierfabrik verhinderte Zerstörung der Akten
Die Existenz der sorgfältig von den Nationalsozialisten angelegten Karteien ist Hanns Huber, dem Leiter eines Papierwerks im Norden von München, zu verdanken. Kurz vor dem Kriegsende missachtete er die Anweisung, 65 Tonnen des Papiers zu vernichten, und rettete dadurch die umfassenden Beweismittel vor der Zerstörung. Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München bezeichnete dies rückblickend als eine „mutige Entscheidung von politischer Tragweite“.
Recherche-Hilfe Die Nutzung der Datenbank
Um auf der Webseite des US-Nationalarchivs nach Parteimitgliedern der NSDAP zu recherchieren, ist es erforderlich, auf der Homepage die Suchfunktion („Search within this Series“) zu starten. Eine Eingrenzung der Recherche ist durch die Angabe von Familienname, Vorname und optimalerweise dem Wohnsitz zu jener Zeit möglich. Die Resultate lassen sich durch die Hinzunahme des Geburtsdatums im Format TT.MM.JJ (beispielsweise 10.06.18) weiter verbessern. Der Geschichtswissenschaftler Winter hebt hervor, es handle sich nicht um eine „Nazisuchmaschine“, sondern um den Zugang zu sehr umfangreichen Archivbeständen.
Die Nachforschung ist auch mit einem einzigen Ergebnis noch nicht beendet, denn häufig stecken hinter einem Eintrag Tausende von Seiten digitalisierter Mikrofilme. Der Vorgang der Sichtung sei „deutlich langwieriger als man denkt“, so Winter. Hilfreich kann eine Auflistung der Resultate innerhalb des Mikrofilms sein: Karten mit grüner Markierung müssten die gesuchten Begriffe beinhalten.
Die Aussagekraft einer Mitgliedschaft
Wenn ein Name in den Beständen auftaucht, sollte man keine überstürzten Folgerungen ziehen. Nach Winters Aussage belegt die Mitgliedschaft zunächst lediglich den Eintritt einer Person und liefere kaum Informationen über das Verhalten des Individuums während der NS-Zeit. „Allerdings hat man durch den Beitritt auf jeden Fall eine Zustimmung signalisiert“, erläutert der Geschichtswissenschaftler. Im Gegenzug heißt ein ausbleibendes Ergebnis nicht, dass ein Mensch keine Verbindung zum Nationalsozialismus hatte.
Die Frage, ob die neuen Optionen Debatten in Familien auslösen könnten, bewertet Winter als positiv. Das wäre „ein begrüßenswerter Impuls, denn es gibt durchaus eine Verantwortung, sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen“, so Winter. Gleichzeitig unterstreicht der Geschichtswissenschaftler: „Niemand muss heute die moralische Verantwortung für die Taten des Urgroßvaters übernehmen.“ (red)
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