Gesundheitsminister Zsolt Hegedűs bekam in Budapest Unterstützung von der britischen Musikerin Jalja.
„Dancing machine“Neuer Minister wird mit spektakulärer Performance zum Internet-Star
Nachdem er bei der Wahlparty im April durch seinen Tanz eher unfreiwillig international bekannt wurde, hat der künftige ungarische Gesundheitsminister Zsolt Hegedűs nun einen eigenen Auftritt bekommen. Bei der Feier zum Regierungswechsel wurde dem 57-Jährigen in Budapest viel Platz auf der Bühne für seine Moves eingeräumt. Zudem tanzte er diesmal zu Live-Musik. Videos des Auftritts verbreiten sich seit Samstag in den sozialen Medien.
Zuvor hatte Péter Magyar von der Tisza-Partei offiziell die Regierungsgeschäfte von seinem Amtsvorgänger Viktor Orbán übernommen. Der zuletzt autokratisch regierende Orbán war selbst aber gar nicht anwesend. Der pro-europäische Konservative Magyar wurde im Parlament gewählt und anschließend vereidigt. Der 45-Jährige versprach: „Ich werde nicht über Ungarn herrschen, sondern meinem Land dienen.“
Zur Feier des Regierungswechsels versammelten sich mehr als 100.000 Menschen vor dem Parlament am Donauufer und schwenkten ungarische und EU-Flaggen. Viele zeigten sich erleichtert, dass die düsteren Orbán-Jahre nun beendet sind.
Auch auf der Bühne wurde ausgelassen gefeiert. Magyar rief seinen Anhängern zu: „Willkommen in einem freien und demokratischen Ungarn!“. Er betonte, dass das Land „allen gehört“, und versprach unter dem Jubel der Menschen: „Zusammen werden wir Ungarn wieder aufbauen.“ Er wolle zeigen, dass „Politik schön, mutig und ehrlich sein kann“.
Auf den Stufen des Parlaments tanzten Politikerinnen und Politiker ausgelassen, allen voran erneut Zsolt Hegedűs. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren im Team des neuen Ministerpräsidenten und wurde zum Gesundheitsminister ernannt. Wie schon bei der Wahlparty im April überzeugte der bekannte Mediziner durch seine Tanz-Performance im Anzug. Hegedűs legte Breakdance-Einlagen hin, spielte Luftgitarre und hüpfte im Stil der Blues Brothers über die Bühne. Das Publikum applaudierte frenetisch, und auch Politiker-Kollegen und -Kolleginnen spendeten Applaus.
Jalja feiert mit den Ungarn zusammen
Anders als bei der Wahlparty gab es diesmal Live-Musik: Die britische Musikerin Jalja war mit Band auf der Bühne und sang ihren Song „Midnight (Hanging Tree)“. Zu Beginn des Songs stand Magyar mit seinem Minister auf der Bühne, zog sich dann aber in den Hintergrund zurück. Der Jalja-Song stammt aus dem Film „Die Tribute von Panem“ und wurde in Ungarn – in einer Remix-Version – zum Soundtrack des politischen Wechsels. Zu dieser Musik hatte Hegedűs auch im April getanzt.
Sobald Jalja erschien und die ersten Töne erklangen, kochte die Stimmung auf dem Platz hoch: Die Menschenmenge wandte sich der Bühne zu und jubelte. Später ging Hegedűs zu Jalja hinüber, tanzte neben der Sängerin, umarmte sie nach dem Lied und posierte für ein Selfie, das sich schnell in den sozialen Medien verbreitete.
Der Minister wurde für seinen mitreißenden Auftritt gefeiert. Hegedűs habe sogar Gehbehinderte „geheilt“, heißt es in einem Post: „Zsolt Hegedűs hat sogar eine Person mit Rollator zum Tanzen gebracht! Wir konnten die neuesten medizinischen Methoden sehen“, steht in dem Text mit Bezug auf seinen Beruf als Orthopäde. In dem angehängten Video ist tatsächlich eine Gehhilfe zu sehen, die aus dem Publikum in die Luft gereckt wird.
Auch die internationale Presse berichtete inzwischen über den tanzenden Minister. CNN bezeichnete Hegedűs als „dancing machine“, er habe Magyar die Show gestohlen. Der britische „Guardian“ beschrieb die Ungarn als „rhythm nation“, die in eine neue positive Ära gestartet seien. Der Zeitung sagte Hegedűs, er habe eigentlich gar nicht erneut tanzen wollen, sei dann aber von seinen Gefühlen überwältigt worden und die Menge auf dem Platz nicht enttäuschen wollen.
Der Mediziner und Politiker schrieb später auf seinem Facebook-Account, das alles sei ein „unbezahlbares Gefühl“ gewesen. Zudem postete er einen biblischen Satz: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde. Weinen hat seine Zeit, Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit, Tanzen hat seine Zeit.“ Die Sätze stammen aus dem Buch „Prediger“ im Alten Testament.
