Es gibt Zweifel an der Echtheit der Szenerie bei Putins aufgezeichneter Neujahrs-Ansprache. Dabei steht besonders eine Frau im Fokus.
PropagandaWar die „Soldatin“ bei Putins Neujahrsrede eine Statistin?

Soldatin oder Schauspielerin? Die blonde Frau, links von Putin, ist derzeit zentraler Gegenstand der Debatte um die Echtheit der Neujahrsansprache Putins.
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Wie stark hat Putin seine diesjährige Neujahrsrede gefakt? Statt vor dem Kreml ließ er seine Rede in diesem Jahr vorab an einem unbekannten Ort aufzeichnen. Dabei war er scheinbar umgeben von Soldatinnen und Soldaten. Nun werden allerdings Stimmen laut, die die Echtheit der dargestellten Szenerie bezweifeln.
Zentraler Gegenstand der Debatte ist eine blonde, uniformierte Frau, die links neben Putin im Hintergrund steht. Denn diese Frau scheint schon häufiger Teil der offiziellen Termine Putins gewesen zu sein – allerdings in unterschiedlichen Funktionen.
Sarkasmus auf Twitter
Der weißrussische Journalist Tadeusz Giczan veröffentlicht als einer der Ersten einige der Bilder und schreibt dazu: „Eine Soldatin, eine Matrosin, eine fromme Christin. Gott bewegt sich auf geheimnisvolle Weise.“ Ein anderer Nutzer ist von der Offensichtlichkeit der Kreml-Propaganda so genervt, dass er die Bilder mit „Putins Regierung hält alle Russen für Vollidioten“ kommentiert.
Politikjournalist Julian Röpcke nennt die Frau „Schauspielerin“ und schreibt: „Russische Medien sagen, diese ‚zwei Frauen‘ hätten nichts gemeinsam. Links ist Larisa Serguhina, ‚eine Fischerin aus Weliki Nowgorod‘, die Putin 2017 zweimal besuchte. Rechts ist Anna Sidorenko, Hauptmann des Sanitätsdienstes des 71. Regiments. Nun ... ihr entscheidet“ und postet zwei Bilder, auf denen sich die Frauen zum Verwechseln ähnlich sehen.
Konservative Politikerin und Düngemittelexpertin?
Wer ist diese Frau wirklich? Einige Nutzerinnen und Nutzer meinen, Seguhina Larissa Borssowna aus Nowgorod nahe St. Petersburg erkannt zu haben. Die 57-Jährige ist laut dem russischen Regionalparlament Novoblduma weder Soldatin noch Matrosin, sondern Politikerin und stellvertretende Generaldirektorin der internationalen Düngemittelfirma Eurochemservice Management Company.
Außerdem ist sie Mitglied der nationalistisch-konservativen Partei „Einiges Russland“ – ein „künstliches Gebilde zur Unterstützung Putins“ – und Teil der Kommission für die Überwachung der Gesetzgebung und Praxis ihrer Anwendung. (RND/kb)
