Kaum kehrt in Sachen Grönland etwas Ruhe bei der Nato ein, sorgt US-Präsident Donald Trump für neuen Aufruhr.
„Beleidigend“ und „eine Schande“Trump sorgt mit Nato-Äußerungen für Empörung in Europa

US-Präsident Donald Trump spricht mit Reportern an Bord der Air Force One, nachdem er das Weltwirtschaftsforum in Davos in Richtung Washington verlassen hat. (Archivbild)
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US-Präsident Donald Trump hat mit Aussagen in einem Interview Empörung in den Reihen der Nato-Partner ausgelöst. „Wir haben sie nie gebraucht“, sagte Trump im Gespräch mit dem Sender Fox News über die Unterstützung anderer Nato-Länder. „Sie werden sagen, dass sie einige Soldaten nach Afghanistan geschickt haben … und das haben sie auch, aber sie blieben ein wenig zurück, ein wenig abseits der Frontlinien“, fügte der US-Präsident hinzu. Insbesondere in Großbritannien sorgten die Worte des Republikaners für Aufruhr.
Ein Sprecher von Premierminister Keir Starmer betonte, dass Trump „falsch lag, als er die Rolle der Nato-Truppen, einschließlich der britischen Streitkräfte, in Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September auf die USA herabgewürdigt hat“. Das Opfer der in Afghanistan gefallenen Truppen werde „niemals vergessen werden“, hieß es weiter aus der Downing Street.
Empörung in Großbritannien über Donald Trump
Die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Emily Thornberry, bezeichnete die Äußerungen derweil als „weit mehr als einen Fehler“ und als „Beleidigung“ für die Familien der Verstorbenen. Auch Al Carns, Staatsminister für die Streitkräfte, meldete sich zu Wort und nannte Trumps Worte eine „echte Schande“ und „völlig lächerlich“. Der Labour-Politiker hat selbst als Soldat Einsätze in Afghanistan absolviert.
„Viele mutige und ehrenwerte Soldaten aus vielen Nationen“ hätten damals Seite an Seite mit den USA gekämpft, erinnerte Carns in einem auf der Plattform X veröffentlichten Video, wie die BBC berichtete. Er selbst habe „Blut, Schweiß und Tränen“ in Afghanistan an der Seite seiner amerikanischen Mitstreiter vergossen, erklärte Carns weiter und betonte, dass nicht jeder Soldat damals „nach Hause“ gekommen sei.
Auch Bundeswehr-Soldaten sind in Afghanistan gefallen
Großbritannien verlor 457 Soldaten während der Nato-Mission in Afghanistan. Nach Angaben des „Guardian“ starben insgesamt 3486 Nato-Soldaten in dem 20 Jahre andauernden Konflikt, darunter 2461 US-Soldaten. Dänemark, das sich wegen Trumps Anspruch auf Grönland mit den USA überworfen hat, hatte 44 Gefallene in Afghanistan zu beklagen – die höchste Zahl gemessen an der Einwohnerzahl abseits der USA. Auch 60 Bundeswehr-Soldaten starben während ihrer Einsätze in Afghanistan.
Unter britischen Afghanistan-Veteranen herrschte ebenfalls Empörung, wie der „Guardian“ berichtet. „Trumps Äußerungen sind ebenso beleidigend wie unzutreffend. Es ist äußerst ironisch, dass jemand, der angeblich der Einberufung zum Vietnamkrieg entgangen ist, eine so schändliche Aussage macht“, zitierte die britische Zeitung etwa den ehemaligen Soldaten und nunmehrigen Autoren Stephen Stewart.
„Wäre er ein Mann von Ehre, würde er auf die Knie fallen“
„Er hat das Andenken an Hunderte britischer Soldaten geschändet, die in Afghanistan das höchste Opfer gebracht haben, Menschen, die wir als Freunde und Kameraden bezeichneten. Wäre er ein Mann von Ehre, würde er auf die Knie fallen und die Familien der Gefallenen um Vergebung bitten“, erklärte der Veteran demnach außerdem mit Blick auf Trumps abfällige Worte.
Auch im EU- und Nato-Land Polen stießen Trumps Worte auf Widerspruch. Für die Verteidigung der internationalen Sicherheit hätten polnische Soldaten bei Einsätzen in Afghanistan und im Irak ihr Leben gelassen, sagte Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz. „Dieses Opfer wird nie vergessen werden und darf nicht herabgewürdigt werden.“
Ärger in Polen: „Lasst euch nicht beleidigen“
Im Sender TVN24 erinnerte General Roman Polko daran, dass 43 polnische Soldaten und ein Zivilbeschäftigter der polnischen Armee ihr Leben im Afghanistan-Einsatz gelassen hätten. Weitere 22 polnische Soldaten fielen im Irak. „Und natürlich waren wir in der vordersten Linie“, sagte Polko, der sowohl in Afghanistan als auch im Irak im Einsatz war. „Aber die in der zweiten Linie – Ärzte, Logistiker – sind nicht weniger wichtig.“
Trump werde es nicht gelingen, die Geschichte zu verfälschen. „Liebe Veteranen, lasst euch nicht beleidigen von einem Mann, der sich wegen eines Fersensporns vor dem Wehrdienst gedrückt hat“, sagte Polko in Anspielung auf Trumps Verhalten während des Vietnamkriegs.
Umfrage: Europäer sehen Donald Donald Trump zunehmend als „Feind“
Die USA sind nach wie vor das einzige Land, das sich auf Artikel 5 der kollektiven Sicherheitsvereinbarung der Nato berufen hat, der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 aktiviert wurde.
Trump wird in Europa unterdessen stetig unbeliebter. Mehr als die Hälfte der Menschen aus sieben europäischen Ländern sieht im US-Präsidenten einer Umfrage zufolge einen „Feind Europas“. Insgesamt sehen ihn 51 Prozent der Befragten so – in Deutschland sind es sogar 53 Prozent, wie aus einer am Freitag veröffentlichten Umfrage der französischen Zeitschrift „Le Grand Continent“ hervorgeht.
In Spanien und Dänemark, das Trump durch sein Besitzstreben nach Grönland gegen sich aufgebracht hat, ist der Anteil mit 58 Prozent am höchsten. Eine Ausnahme bildet Polen, wo nur 28 Prozent der Befragten Trump als einen „Feind Europas“ sehen – allerdings auch nur 17 Prozent als einen „Freund Europas“. (mit afp/dpa)

