Der Schütze beim Korrespondenten-Dinner hat vor seiner Tat ein „Manifest“ verschickt. Donald Trump spricht von einem „kranken Typ“.
Manifest des Trump-Gala-SchützenVom „Lehrer des Monats“ zum „freundlichen Bundeskiller“
Der mutmaßliche Attentäter beim Korrespondenten-Dinner mit Donald Trump in Washington ist nach Angaben des US-Präsidenten „gestört“ und hat in der Vergangenheit ein antichristliches Manifest verfasst. „Der Typ ist krank“, sagte Trump am Sonntag dem Fernsehsender Fox News. „Wenn man sein Manifest liest, merkt man, dass er Christen hasst.“
Auch Verwandte des Mannes hätten sich „darüber beschwert“, sagte Trump weiter. „Sie haben sogar die Polizei eingeschaltet. Er war ein sehr gestörter Mensch.“ Unmittelbar nach dem Anschlagsversuch am Samstagabend hatte Trump gesagt, nach seiner Überzeugung habe der Mann ein Attentat auf ihn verüben wollen.
Attentäter soll „Mitglieder der Regierung im Visier“ gehabt haben
Während des jährlichen Dinners der White-House-Korrespondenten in einem Hotel in Washington hatte der Verdächtige versucht, in den Saal einzudringen, in dem Trump, seine Frau Melania sowie weitere Regierungsmitglieder saßen. An einer Sicherheitskontrolle vor dem Saal fielen Schüsse.
Von den Gästen des Dinners wurde niemand verletzt. Eine Kugel traf die Schutzweste eines Beamten des Secret Service. Der Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht. Der mutmaßliche Angreifer wurde festgenommen.
Nach Angaben von US-Justizminister Todd Blanche deuten erste Erkenntnisse der Ermittler darauf hin, dass der Täter „Mitglieder der Regierung im Visier hatte“. Über den Schützen, einen Mann namens Cole Tomas Allen, werden unterdessen immer mehr Details bekannt.

FBI-Agenten arbeiten an einer Adresse in Torrance, Kalifornien, die mit Cole Tomas Allen in Verbindung steht, der als der mutmaßliche Schütze beim White House Correspondents Dinner am Vorabend identifiziert wurde.
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Laut seinen Profilen in den sozialen Netzwerken handelt es sich um einen Absolventen der renommierten Caltech-Universität in Kalifornien, der als Teilzeit-Lehrer und Spieleentwickler arbeitet. Laut Social-Media-Beiträgen wurde Allen im Dezember 2024 von seinem Arbeitgeber zum „Lehrer des Monats“ ernannt.
Cole Tomas Allen arbeitete offenbar als Lehrer und Spieleentwickler
Medienberichten zufolge bot Allen zudem ein Indie-Spiel namens Bohrdom auf der Spieleplattform Steam für 1,99 US-Dollar zum Verkauf an. Auf LinkedIn schrieb Allen zudem, dass er „derzeit an einem zweiten Spiel mit dem Arbeitstitel ‚First Law‘ arbeitet“.
US-Präsident Trump veröffentlichte auf seiner Plattform Truth Social Bilder des mutmaßlichen Angreifers, der nach seiner Festnahme in Handschellen am Boden lag.
US-Medien zitieren aus Manifest des Täters
Der US-Sender CNN zitierte unterdessen aus dem Manifest, das der Schütze vor der Tat an Familienmitglieder geschickt haben soll. „Zunächst möchte ich mich bei allen entschuldigen, deren Vertrauen ich missbraucht habe“, heißt es darin demnach.
Der Brief des Schützen umfasst US-Medienberichten zufolge mehr als 1000 Wörter und liest sich teils wie eine wirre, persönliche Botschaft, die mit einem ungewöhnlich lockeren „Hallo zusammen!“ beginnt.
„Ich erwarte keine Vergebung“
Allen habe zudem erklärt, es mit seiner Attacke auf Regierungsbeamte abgesehen zu haben. Auch seinen „politischen Zorn“ habe der Schütze darin zum Ausdruck gebracht, berichtete CNN. Allen habe obendrein angemerkt: „Ich erwarte keine Vergebung.“
Nach Angaben des Weißen Hauses soll die Schwester des Schützen erklärt haben, dass ihr Bruder zu „radikalen Äußerungen“ geneigt habe. Allen habe sich in Los Angeles in der linken Szene engagiert, sich Schusswaffen beschafft und regelmäßig auf dem Schießstand geübt, hieß es weiter.
In der Mitteilung an seine Familie soll sich Allen außerdem als „freundlichen Bundeskiller“ bezeichnet haben. Bewaffnet war der Schütze den Angaben zufolge mit einer halbautomatischen Pistole und einer Schrotflinte.
Schütze über Donald Trump: „Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter“
In seinem Schreiben werde Wut über die Zustände in US-Internierungslagern deutlich, berichtete CNN weiter. Überdies mache es den Anschein, als habe der Schütze US-Präsident Trump in seinem Manifest als „Verräter“ bezeichnet, so der US-Sender.
Laut der „New York Post“ enthalten Allens Texte weitere Verweise auf Trump, ohne dass der Schütz den US-Präsidenten dabei namentlich erwähnt habe. „Ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt“, zitierte die US-Zeitung den Schützen etwa.
Allen spottete offenbar über „wahnsinnige Sicherheitslücke“
Zudem soll Allen sich über die „wahnsinnige Sicherheitslücke“ beim Dinner der White-House-Korrespondenten lustig gemacht haben. „Das Einzige, was mir beim Betreten des Hotels sofort auffiel, war das Gefühl von Arroganz“, zitierten US-Medien den Schützen. „Ich komme mit mehreren Waffen herein, und kein einziger dort Anwesender zieht die Möglichkeit in Betracht, dass ich eine Bedrohung darstellen könnte.“
Der Verdächtige soll nun wegen zweifachen unerlaubten Waffenbesitzes und tätlichen Angriffs auf einen Bundesbeamten unter Verwendung einer gefährlichen Waffe angeklagt werden, erklärte die Staatsanwältin für den District of Columbia, Jeanine Pirro.
Donald Trump lobt Einsatz der Sicherheitskräfte
US-Justizminister Blanche erklärte derweil, der Verdächtige sei vermutlich mit dem Zug von Kalifornien nach Chicago und anschließend nach Washington gereist, wo er sich bereits Tage vor der Veranstaltung in dem Hotel eingecheckt habe. Der Verdächtige kooperiere bisher nicht mit den Behörden, hieß es weiter von Blanche.
US-Präsident Trump lobte unterdessen den Einsatz der Sicherheitskräfte. „Es war erstaunlich, weil sobald sie das sahen, konnte man sehen, wie sie ihre Waffen zogen“, erklärte Trump in einem weiteren Interview. „Sie waren so professionell.“ (mit afp)
