Auf neutralem Boden loten Unterhändler der Ukraine und Russlands Bedingungen für ein Kriegsende aus. Das Misstrauen ist groß, die Ausgangslage fast unverändert.
Trump macht DruckNeue Gespräche zwischen Ukraine und Russland unter keinem guten Stern

Die Bildkombo zeigt US-Präsident Donald Trump, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den russischen Präsidenten Wladimir Putin.
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Hochrangige Vertreter Russlands und der Ukraine verhandeln ab Dienstag in der Schweiz wieder über ein Ende des vor vier Jahren begonnenen russischen Angriffskriegs. Während die ukrainische Seite bei den unter Vermittlung der USA geführten Gesprächen in Genf vor allem humanitäre Fragen und Sicherheitsgarantien in den Mittelpunkt stellen möchte, beabsichtigt Russland dem Nachbarland dauerhafte Gebietsabtretungen abzuringen.

Die ukrainische Delegation wird von Verhandlungsführer Rustem Umjerow geleitet..
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Die vom Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow, geleitete Delegation aus Kiew traf bereits am Montag in Genf ein.
Russische Delegation muss Nato-Gebiet überfliegen
Russland verlangt einen Rückzug ukrainischer Truppen aus den von ihnen kontrollierten Teilen der Gebiete Luhansk und Donezk und plant, diese dem eigenen Staatsgebiet einzuverleiben. Nicht nur in Kiew wird das kategorisch abgelehnt.
Die mehr als 20-köpfige Gruppe aus Moskau wird von Chefunterhändler Wladimir Medinski geleitet. Die Gespräche zwischen den Kriegsparteien in Genf bauen auf zwei vorherigen Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten auf. Vermittelt wurde dieser Austausch von der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, der seinen Chefunterhändler Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner vorschickt.
Trump erhöht indes den Druck auf Kiew, einer baldigen Einigung mit Moskau zuzustimmen. „Die Ukraine sollte besser schnell an den Verhandlungstisch kommen“, sagte Trump am Montag (Ortszeit) vor Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. In zentralen Fragen liegen Moskau und Kiew allerdings weiterhin weit auseinander.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte am Samstag bei der Münchner Sicherheitskonferenz beklagt, die USA kämen immer wieder auf die Frage von Zugeständnissen zurück, diese werde aber „oft nur im Zusammenhang mit der Ukraine diskutiert“.
Wolodymyr Selenskyj mahnt Angriffe auf Energieanlagen an – Ukraine mit Gebietsgewinnen
Kurz vor Beginn der neuen Verhandlungsrunde in Genf warnte der ukrainische Präsident Selenskyj vor einem massiven russischen Angriff auf Energieanlagen in der Ukraine. „Russland kann der Versuchung nicht widerstehen und möchte in den letzten Tagen der Winterkälte den Ukrainern einen schmerzhaften Schlag zufügen“, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft.
Anders als die Ukrainer seien die Russen nicht kompromissbereit. „Russland verwirft alles, setzt die Sturmangriffe an der Front und die Luftschläge auf unsere Städte und die Energieversorgung fort.“ Deshalb müsse die Führung in Moskau zum Frieden gezwungen werden, etwa mit neuen Sanktionen.
Für Putin kommen die Verhandlungen zu einem Zeitpunkt, an dem der Ukraine offenbar große Geländegewinne an der Front gelingen. Laut einer Datenauswertung konnten die ukrainischen Streitkräfte zwischen Mittwoch und Sonntag 201 Quadratkilometer eigenes Staatsgebiet von der russischen Armee zurückerobern. Experten gehen davon aus, Kiews Streitkräfte seit einer Gegenoffensive im Juni 2023 nicht mehr so viel Gebiet in so kurzer Zeit zurückgewonnen haben.
Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Seit dem Herbst haben die Angreifer ihre Attacken mit Kampfdrohnen und Raketen auf ukrainische Energieanlagen intensiviert. In einem der härtesten Winter seit Jahren leiden Millionen Ukrainer unter Strom-, Heizungs- und Wasserausfällen. (pst/dpa/afp)

