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Treffen der Atommächte in Moskau
Xi's Abschiedsworte an Putin lassen aufhorchen

Lesezeit 4 Minuten
Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) verabschiedet sich in Moskau von Chinas Präsident Xi Jinping.

Der russische Präsident Wladimir Putin (r.) verabschiedet sich in Moskau von Chinas Präsident Xi Jinping.

Drei Tage war Xi Jinping bei viel Glanz und Gloria in Moskau zu Gast – zum Abschied sprach der Chinese nun von „Veränderungen“, die China und Russland gemeinsam vorantreiben wollen.

Von Montag bis Mittwoch weilte Chinas Präsident Xi Jinping zu Besuch bei Wladimir Putin in Moskau: Nun sorgt die Verabschiedung der beiden Staatschefs, die bereits zuvor die Harmonie zwischen Moskau und Peking betont hatten, für Aufsehen. Videoaufnahmen der Abschiedsszene kursieren in den sozialen Netzwerken – und werden dort heiß diskutiert.

„Im Moment gibt es Veränderungen, wie wir sie seit 100 Jahren nicht mehr gesehen haben“, sagte Xi mithilfe eines Übersetzers zu Putin, während der Kremlchef seinen Gast zum Auto geleitet. „Und wir sind es, die dieser Veränderungen gemeinsam vorantreiben“, fügte Chinas Staatschef an. „Ich stimme zu“, lautet die Antwort von Putin. Dann folgt ein Handschlag. „Bitte passen Sie auf sich auf, mein lieber Freund“, sagt Xi noch. „Gute Reise“, antwortet der Kremlchef.

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Sind diese Worte ein Zeichen für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen den beiden Atommächten? Die beiden Staatschefs bemühten sich seit Xis Ankunft in Moskau um einen öffentlichen Schulterschluss. Bereits zur Begrüßung nannte Xi den Gastgeber „meinen lieben Freund“ – und auch Putin fand während des Besuchs stets anerkennende Worte für Xi.

Xi Jinping zu Wladimir Putin: „Veränderungen, wie wir sie seit 100 Jahren nicht gesehen haben“

Der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshof gegen Putin störte die Harmonie im Kreml derweil nicht. Im Gegenteil: Xi lud Putin prompt zum Gegenbesuch in Peking ein. Am Dienstag bekräftigen China und Russland ihre strategische Partnerschaft zudem mit einem neuen Abkommen.

Insgesamt setzte der Kreml auf viel Glanz und Gloria anlässlich des Besuchs aus Fernost. Die beiden Staatschefs inszenierten sich freundschaftlich – und Russland gab sich prunkvoll. Bei der offiziellen Begrüßung im Kreml liefen die beiden Präsidenten nahezu choreografiert aufeinander zu – und gaben sich dann symbolträchtig die Hand. Putin umschmeichelte seinen Gast, räumte sogar ein, dass Russland „ein bisschen neidisch“ auf die wirtschaftliche Entwicklung Chinas sei.

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Experten sehen die beiden Großmächte trotz der harmonischen Inszenierung jedoch nicht auf Augenhöhe: „In diesem Verhältnis ist Putin der Juniorpartner“, erklärte der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, im ZDF. „Man sieht das auch an den Bildern, wie devot der sonst immer so selbstbewusst auftretende Putin gegenüber Xi ist. Das ist ein Verhältnis, wo ganz klar ist, wer Koch und Kellner ist.“

Wladimir Putin und Xi Jinping auf Augenhöhe? „In diesem Verhältnis ist Putin der Juniorpartner“

Kaum eine Rolle spielte unterdessen die Ukraine bei den Gesprächen im Kreml. „Russland ist immer offen für den Verhandlungsprozess und respektiert den chinesischen Plan zur Lösung der Situation in der Ukraine“, ließ Putin lediglich wissen. „Wir werden diese Frage erörtern.“

Zuvor hatte Peking Ende Februar ein Positionspapier für eine mögliche Beendigung des Kriegs gegen die Ukraine vorgelegt und zu einem Waffenstillstand aufgerufen. Westliche Regierungen zeigten sich angesichts dessen jedoch skeptisch. Einen Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine gab Peking in seinem Papier nicht vor.

Wladimir Putin droht Großbritannien mit „Reaktion“ während Besuchs von Xi Jinping

Putin nutzte das Treffen mit Xi unterdessen erneut, um die russischen Narrative zu verbreiten. So warnte der Kremlchef Großbritannien während des Besuchs des chinesischen Staatschefs vor einer Lieferung von panzerbrechender Munition, die abgereichertes Uran enthält. London hatte eine entsprechende Lieferung zuvor angekündigt.

Aufgrund der hohen Dichte von Uran entfalten derartige Geschosse eine große Durchschlagskraft, die Radioaktivität des abgereicherten Urans liegt jedoch unter der von Uran, das in der Natur vorkommt und erfüllt keinen militärischen Zweck. Die Langzeitwirkung auf Mensch und Umwelt ist umstritten.

Während laut Weltgesundheitsorganisation keine besondere Gefährdung vorliegt, warnen Ärztegruppen vor Folgeschäden, die durch die Uranmunition entstehen können. Die Munition stelle zudem eine Gefahr für das Grundwasser dar, heißt es. Putin drohte nun, Russland sei im Falle einer solchen Lieferung „gezwungen zu reagieren“. Russland ist unterdessen selbst im Besitz derartiger Munition.

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Außerdem bemühte sich der Kremlchef anlässlich des Besuchs von Xi Jinping zu betonen, dass Russland trotz der westlichen Sanktionen gut zurechtkomme. „Wir brauchen den Westen nicht“, erklärte der Kremlchef bei einer Pressekonferenz. Die Szene sorgte in den sozialen Medien allerdings für viel Belustigung, denn Putin verkündete die angebliche Unabhängigkeit Russlands vom Westen mithilfe eines Mikrofons der deutschen Firma Bosch.