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Von Socken bis SatanismusPutin und Lawrow verbreiten absurde Lügen über Deutschland

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Kremlchef Wladimir Putin bei einer Rede. (Archivbild)

Kremlchef Wladimir Putin bei einer Rede. (Archivbild)

Bereits oft ist Putin mit historischen Falschdarstellungen aufgefallen. Nun schlägt „Herr Geschichtsfan“ wieder zu – und erntet dafür Häme.

Kremlchef Wladimir Putin hat den russischen Kriegskurs erneut bekräftigt – und mit Falschaussagen über die Wehrmacht und Hitler-Deutschland für Verwunderung gesorgt. Russlands Außenminister Sergej Lawrow unterstellte der Bundesrepublik indes, die „Nazi-Ideologie wiederbeleben“ zu wollen.

Putin äußerte sich bei einer Preisverleihung zu Russlands Krieg gegen die Ukraine und bekräftigte dabei nicht nur Moskaus Kriegsziele, sondern nutzte auch Falschaussagen über Nazi-Deutschland, um die angeblich hohe Unterstützung seiner Armee durch die russische Bevölkerung zu belegen.

Wladimir Putin: „Und warum taten sie das nicht auch in Deutschland?“

„Während des Großen Vaterländischen Krieges arbeitete die gesamte Heimatfront für die Front, für unsere Soldaten, für unsere Verteidiger“, erklärte Putin bei seiner Rede in Moskau. „Aber sie stellten nicht nur Panzer, Flugzeuge, Gewehre und Granaten her. Denn in den härtesten Monaten des Großen Vaterländischen Krieges, in den eisigen Monaten von 1941/42, strickten Kinder, Großmütter und Frauen – genau wie heute – Socken und schickten Pakete und Geschenke an die Front“, führte der Kremlchef aus.

Wladimir Putin (r.) zusammen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei einer Konferenz. (Archivbild)

Wladimir Putin (r.) zusammen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow bei einer Konferenz. (Archivbild)

Dann behauptete Putin schließlich: „Und warum taten sie das nicht auch in Deutschland? Ihre Soldaten erfroren in der Nähe von Moskau, und keine Socken kamen aus Deutschland an.“ Der Schlüssel zum Sieg liege „in dieser Einigkeit“, hieß es weiter von Putin, der anfügte: „Das wird auch jetzt so sein.“

Putins Aussagen entbehren historischer Grundlage

Die Aussagen des Kremlchefs entbehren jedoch historischer Grundlagen. „Das Reich veranstaltete mit großem Tamtam eine Kampagne zur Sammlung warmer Kleidung für die Soldaten an der Ostfront“, zitierte etwa die Investigativ-Plattform The Insider den britischen Militärhistoriker Robert Kershaw.

Auch Aussagen von Reichspropagandaleiter Joseph Goebbels belegen die damaligen Bemühungen Nazi-Deutschlands. „Solange auch nur ein einziges Kleidungsstück für den Winter zu Hause ist, muss es an die Front“, sagte Goebbels in einer Rede im Dezember 1941. „Unsere Soldaten brauchen diese Ausrüstung tausendmal dringender“, hieß es weiter.

„In vielen Briefen werden die Socken ausdrücklich erwähnt“

Der Journalist Wolf Stegemann beschrieb die damaligen Spendenaktionen mit Blick auf die Stadt Dorsten: „Eine neue Dimension erreichte die Spendenflut für die deutschen Heere während des Russlandfeldzuges im Kriegswinter 1941/42“, berichtet Stegemann in einem Aufsatz über die Nazi-Zeit in der westfälischen Stadt. „In Dorsten gingen Frauen und Mädchen von Haus zu Haus und sammelten Textilien.“

Adolf Hitler ließ im Jahr 1941 diesen „Aufruf zum Kriegs-Winterhilfswerk des Deutschen Volkes“ veröffentlichen, um für die Unterstützung der Wehrmacht zu werben.

Adolf Hitler ließ im Jahr 1941 diesen „Aufruf zum Kriegs-Winterhilfswerk des Deutschen Volkes“ veröffentlichen, um für die Unterstützung der Wehrmacht zu werben.

Auch ein „Aufruf zum Kriegs-Winterhilfswerk des deutschen Volkes 1941/42“ von Adolf Hitler belegt die Bemühungen Nazi-Deutschlands: „Zum 9. Male rufe ich das deutsche Volk auf, sein freiwilliges Opfer für das Winterhilfswerk zu bringen“, heißt es etwa auf einem Plakat aus dem September 1941, mit dem Hitler für Spenden für die Wehrmacht warb. Das Winterhilfswerk diente in Nazi-Deutschland zunächst der Unterstützung der Bevölkerung, später nutzte der Machtapparat es dann zur Unterstützung der Wehrmacht an der Ostfront.

Hohn für Putin: „Herr Geschichtsfan hat wieder einen Weg gefunden“

Der Politikwissenschaftler Branislav Slantchev, Professor an der University of California in San Diego, äußerte sich nun entsprechend amüsiert über Putins Falschaussagen. Die Deutschen hätten damals „natürlich Hilfspakete an ihre Soldaten“ geschickt, schrieb Slantchev bei X mit Blick auf Putins Aussagen. „In vielen Briefen von Soldaten werden die Socken ausdrücklich erwähnt.“

Die Unterstützung für die Soldaten an der Ostfront sei sogar so wichtig gewesen, dass „Regimegegner die Sockenproduktion sabotierten, um der Wehrmacht zu schaden“, fügte Slantchev hinzu und verhöhnte Putin, der bereits mehrfach mit eigentümlichen historischen Behauptungen aufgefallen ist. „Es ist gut zu wissen, dass der Herr Geschichtsfan wieder einen Weg gefunden hat, uns zu zeigen, wie sehr sein Regime die Nazis nachahmt“, schrieb Slantchev bei X.

Sergej Lawrow spricht von „Nazi-Ideologie“ in Europa

Während Kremlchef Putin mit seinen historischen Falschdarstellungen für Aufsehen sorgte, wandte sich Außenminister Sergej Lawrow der Gegenwart zu – lieferte dabei jedoch nicht weniger schrille Aussagen ab, bei denen ebenfalls Nazi-Deutschland und Hitler erwähnt wurden.

„Leider wird diese Ideologie, ebenso wie die Nazi-Praxis selbst, wiederbelebt, leider auch in Deutschland und in jenen Ländern, die sich Hitlers Truppen beim Angriff auf die Sowjetunion angeschlossen haben“, behauptete Lawrow nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. „Sie versuchen nun erneut, diese Länder unter diesen verfluchten Bannern zu vereinen, um unserem Land eine strategische Niederlage zuzufügen“, hieß es weiter vom dienstältesten russischen Minister, der immer wieder schrille Nazi-Vorwürfe gegenüber Europa erhebt.

Moskau sieht „florierenden Satanismus“ in Europa

Den Krieg gegen die Ukraine hat Moskau immer wieder mit der Falschbehauptung gerechtfertigt, in Kyjiw sei ein „Nazi-Regime“ an der Macht. Auch in diese Kerbe schlug Lawrow jetzt erneut. Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj wolle „die europäischen Armeen erneut unter der Flagge des Nationalsozialismus vereinen“ und Krieg gegen Russland führen, behauptete Lawrow.

Damit nicht genug: Moskaus Top-Diplomat unterstellte europäischen Ländern und der Ukraine zudem „legalisierte Gotteslästerung“. Nicht nur in der Ukraine, sondern auch in vielen EU-Ländern „floriere der Satanismus“, behauptete Lawrow – auch für diese Aussagen lieferte er keinerlei Belege.

Russland-Experte: Keine Anzeichen, dass Moskau Frieden will

Insbesondere Deutschland ist zuletzt in den Fokus russischer Äußerungen gerückt. Zuletzt hatte Berlin den russischen Botschafter einbestellt, nachdem der Kreml eine Liste mit „potenziellen Zielen“, wie Ex-Präsident Dmitri Medwedew erklärte, veröffentlicht hatte, auf der auch drei deutsche Firmen aufgeführt werden.

Gleichzeitig untermauert Moskau mit seinen jüngsten Worten seinen Konfrontationskurs, wie der Historiker Matthäus Wehowski nun auf der Plattform X erklärte. Putin habe mit der Bekräftigung der russischen Kriegsziele „erneut seine übliche Formal“ beschworen, schrieb Wehowski zu den jüngsten Worten des Kremlchefs. Es gebe weiterhin „keine Anzeichen dafür, dass Russland irgendwelche Kompromisse oder gar Frieden will“, fügte der Historiker hinzu. Erst wenn Putin „Geld, Material oder Soldaten ausgehen, könnte der Wahnsinn ein Ende haben“, lautet die Prognose des Russland-Experten.