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Angst vor der KlassenfahrtExpertinnen geben Eltern Tipps gegen Heimweh und Sorgen

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Mutter tröstet ein trauriges Mädchen

Eine warme Umarmung und ermutigende Worte zum Abschied: So startet das Kind mit einem guten Gefühl auf die Klassenfahrt.

Die erste Reise ohne Eltern ist ein großer Schritt für Kinder und oft von Heimweh begleitet. Zwei Fachfrauen erklären, wie man sie gut vorbereitet.

Eine mehrtägige Reise ohne die Eltern stellt für Grundschulkinder eine aufregende Erfahrung dar. Die erste Klassenfahrt ist eine Zeit für gemeinsame Spiele und neue Erlebnisse, aber auch für das Bewältigen kleinerer Auseinandersetzungen. Dies ist für die Jüngsten zwar eine Herausforderung, bietet jedoch zugleich die Möglichkeit, an Selbstständigkeit und Mut zu gewinnen.

Wie Eltern ihre Kinder bei diesem Schritt unterstützen können, erläutern zwei Fachfrauen. Ratschläge kommen von der Psychotherapeutin Inés Brock-Harder sowie der Grundschullehrerin Svenja Telle. Laut einer Meldung der dpa geben sie Auskunft darüber, wie mit Heimweh umzugehen ist und welche Vorbereitungen für die Fahrt wesentlich sind.

Wie die Vorbereitung auf die Fahrt gelingen kann

Eine sorgfältige Vorbereitung kann viele Bedenken zerstreuen. Entscheidend ist, dass die eigene Nervosität der Eltern nicht auf das Kind übergeht. „Ermöglichen Sie Ihrem Kind diese Erfahrung, die das Gemeinschaftsgefühl und die Selbstständigkeit stärkt“, empfiehlt die Psychotherapeutin Inés Brock-Harder. Eltern sollten stattdessen im Vorfeld eine positive Haltung zur Reise vermitteln. Grundschullehrerin Svenja Telle regt an: „Vielleicht erzählen Sie davon, wie toll Ihre eigenen Klassenfahrten früher waren“.

Unterstützend wirkt es ebenfalls, wenn das Kind weiß, was es erwartet. Gemeinsam mit dem Nachwuchs können Erziehungsberechtigte online Bilder der Herberge betrachten oder die Packliste besprechen. Sollten Sie bemerken, dass Ihr Kind Unbehagen verspürt, fragen Sie nach den Ursachen und nehmen Sie diese Bedenken ernst. Das Einüben praktischer Fähigkeiten, etwa das Beziehen des Bettes, kann dem Kind signalisieren: Du kannst das allein!

Mittel gegen Heimweh: Was hilft und was schadet

Ein bekanntes Objekt aus der gewohnten Umgebung kann bei aufkommendem Heimweh unterstützen. Das favorisierte Stofftier oder ein kleines Kopfkissen stellt eine Brücke nach Hause her und bietet Trost. Die Psychotherapeutin Brock-Harder nennt dies ein „Übergangsobjekt“. Kinder ohne einen solchen Begleiter empfinden dessen Fehlen mitunter als Verlust, so Telle.

Im Gegensatz dazu rät die Pädagogin Telle von Familienfotos ab. Insbesondere bei Kindern mit einer Neigung zu Heimweh könnten solche Abbildungen das Gefühl der Trennung intensivieren, statt Linderung zu verschaffen.

Mobiltelefone auf Reisen: Ist ein Verbot ratsam?

Svenja Telle befürwortet eindeutig ein Verbot von Mobiltelefonen und Smartwatches während Klassenfahrten in der Primarstufe. Bei Heimweh sei ein unmittelbarer Anruf bei den Eltern oft kontraproduktiv. Die Betreuungspersonen vor Ort sollten zunächst versuchen, die Lage zu beruhigen. Sie unterstreicht: „Ein Kontakt ist über uns Lehrkräfte ja immer möglich“.

Darüber hinaus können die Geräte von der gemeinschaftlichen Erfahrung ablenken. „Mit einem Handy könnten sich auch Kinder auf einem Zimmer verstecken und dort zocken, was man auf einer Klassenfahrt in der Grundschule ja auf keinen Fall möchte“, erklärt Telle. Ihre Beobachtung ist, dass das soziale Zusammensein umso besser wird, je länger die Kinder keine Medien nutzen.

Umgang mit dem Wunsch nach Abbruch: Abholen oder bleiben?

Eine vorzeitige Abholung des Kindes von der Reise sollte laut Psychotherapeutin Inés Brock-Harder möglichst umgangen werden. Die Bewältigung von Heimweh trage zur Reifung der Kinder bei. Lehrpersonal sollte die Möglichkeit des Abholens nicht vorschnell ins Spiel bringen.

Sollte sich ein Kind aber dauerhaft nicht trösten lassen, ist die Kontaktaufnahme mit den Eltern durch die Lehrkräfte ratsam. Svenja Telle räumt jedoch ein: „Wenn das Kind mit den Eltern telefoniert, kriegt man die Situation selten wieder eingefangen und meist wird das Kind dann abgeholt.“ Am Ende können Eltern am besten beurteilen, ob hinter dem Heimweh möglicherweise tiefere Ängste verborgen sind. (red)

Falls solche Ängste bestehen, ist das blinde Festhalten an der Klassenfahrt nicht die Lösung, erläutert Inés Brock-Harder. Eine therapeutische Begleitung kann in derartigen Situationen eine sinnvolle Maßnahme sein. Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.