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Riesengeschenke und Gebasteltes„Mich stresst der Wettstreit unter Eltern im Advent“

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Früher gab es Nüsse, Mandarinen, ein paar Plätzchen und ein kleines Geschenk. Reicht das heutzutage nicht mehr aus?

Berlin – Unter vielen Eltern scheint ein Wettstreit um den schönsten selbstgebastelten Adventskalender oder das aufregendste Geschenk im Nikolausstiefel entbrannt zu sein. Katharina Nachtsheim vom Familien-Blog „Stadt, Land, Mama“ fragt sich, wann dieser Trend losgegangen ist und ob sie selbst ein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ihre Kinder da nicht mithalten können.

Wenn ich mich in diesen Tagen durch Facebook und Instagram scrolle, habe ich das Gefühl, ich gucke mir ein DIY-Zeitschrift an. Überall treffen sich Freunde zum Adventskranz flechten, es werden Adventskalender genäht, Fensterbilder gebastelt und Weihnachssterne gefilzt. Überall – nur nicht bei uns zu Hause.

Einerseits bewundere ich das alles, andererseits fühle ich mich aber auch ein bisschen schlecht. Und frage mich: Wann hat dieser Trend angefangen?

Früher gab's nur eine Unterscheidung: Adventskalender mit Bildchen oder mit Schoko

Als ich ein Kind war, bekam ich jedes Jahr einen gekauften Adventskalender mit Schokoladentäfelchen drin. Er war kein Luxusteil, die Schokolade schmeckte ein bisschen so, als läge sie schon zwei Jahre hinter den Türchen. Ich habe ihn trotzdem geliebt und mich jeden Tag wie Bolle darauf gefreut, ihn zu öffnen. Soweit ich mich erinnern kann, hatte keiner meiner Freunde einen Adventskalender mit Säckchen – es gab nur die Unterscheidung Bildchen-Kalender und Schoko-Kalender.

Als meine Kinder dann in das Alter kamen, wäre ich allerdings nie darauf gekommen, einfach nur einen Schoko-Kalender zu kaufen. Ich habe natürlich auch Säckchen befüllt, zwar nur mit Kleinigkeiten, aber alles in allem kommt da doch auch ganz schön was zusammen. Und ich frage mich: Muss das sein?

Ich habe den Adventskranz nicht selbst gemacht, sondern gekauft

Ich habe den Adventskranz nicht selbst gemacht, sondern ganz einfach einen gekauft. Und auch keinen, der Unsummen Geld gekostet hat, sondern ein relativ simples Exemlar, mit vier roten Kerzen und kitschigen goldenen Schleifen (die fand meine Tochter so toll). Wenn ich allerdings bei Freunden zu Besuch bin, staune ich über diese üppigen Kunstwerke und das Engagement dahinter.

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Ist es so, dass andere Eltern einfach Spaß daran haben - während ich bei dem Gedanken, einen Adventskranz zu basteln, einen Fluchtreflex bekomme? Zum Glück haben wir eine großartige Babysitterin, die sehr gerne bastelt und mir das abnimmt.

Seit wann bringt der Nikolaus so große Geschenke?

Was ich außerdem beobachte: Die Geschenke werden immer größer. Ich kenne Familien, da bringt der Nikolaus ein neues Fahrrad und die Adventskalender haben einen Gegenwert von 100 Euro. Wo bleibt denn da die Verhältnismäßigkeit? Und das schlimmste ist: Ich bekomme automatisch ein schlechtes Gewissen, weil meine Kinder „nur“ Schokolade in ihren Nikolausstiefeln haben. 

Der Text erschien ursprünglich im Blog Stadt Land Mama.

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