Warum Hitze bei manchen Menschen Angst und Panik auslöst und was Betroffene dagegen unternehmen können.
Angst vor der HitzeWarum der Körper bei Wärme wie bei einer Panikattacke reagiert

Für Menschen, die von einer Angststörung betroffen sind, kann Hitze zusätzlichen Stress bedeuten.
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Hohe Temperaturen und Sonnenschein kündigen sich an. Während einige Personen diese Entwicklung begrüßen, blicken andere den bevorstehenden warmen Tagen mit Unbehagen entgegen.
Insbesondere Personen, die mit Angststörungen und Panikattacken zu kämpfen haben, reagieren oft überaus empfindlich auf hohe Temperaturen. Das legt Klara Hanstein, klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin aus dem österreichischen Wels, in einem Beitrag auf ihrer Webseite dar.
Hierfür gibt es verschiedene Ursachen: Einerseits kann extremes Wetter das Empfinden von Hilflosigkeit hervorrufen. Da sich große Wärme kaum umgehen lässt, verspüren Betroffene trotzdem den Druck, ihren alltäglichen Pflichten nachzukommen.
Andererseits bewirkt Wärme auf biologischer Ebene physiologische Anpassungen. „Der Körper versucht, seine Temperatur zu regulieren. Und dafür muss er arbeiten“, notiert die Psychologin. Der Herzschlag beschleunigt sich, die Adern erweitern sich, Schweißbildung setzt ein – das gesamte Kreislaufsystem wird sensibler.
Solche physischen Reaktionen sind vielen Betroffenen von Angstzuständen und Panikattacken vertraut. Laut Klara Hanstein fängt das Gehirn dann häufig an, diese Anzeichen zu verwechseln. In der Folge deutet das Nervensystem die körperlichen Anpassungen fälschlicherweise als Bedrohung.
Eigene Körperreaktionen nicht überbewerten
Was kann man also tun, um die warmen Tage bestmöglich zu überstehen? Klara Hanstein empfiehlt Personen mit Angststörungen, eine aktive Regulierung ihres Nervensystems vorzunehmen. Es könne beispielsweise unterstützen, sich zu vergegenwärtigen, dass die physischen Reaktionen auf Wärme vollkommen normal sind. Ein Unwohlsein an heißen Tagen erleben schließlich zahlreiche Menschen.
Des Weiteren sei es nützlich, den eigenen Körper gezielt weniger zu fokussieren: Er verrichtet lediglich seine Aufgabe, und Transpiration ist ein normaler Vorgang. Eine beruhigende Wirkung kann auch die Vorstellung haben, dass Mitmenschen die hohen Temperaturen ebenfalls meistern und jede Hitzewelle ein Ende findet.
Personen, die trotz der Wärme das Haus verlassen müssen und dadurch Anspannung verspüren, können sich mit einigen einfachen Mitteln vorbereiten:
- Kühlakkus in den Rucksack oder die Tasche packen und bei Bedarf verwenden
- In regelmäßigen Abständen geringe Mengen Wasser zu sich nehmen
- Das Haar befeuchten, ehe man das Haus verlässt
- Einen Eiswürfel in die Hände nehmen und abwechselnd von einer zur anderen Hand geben
- Eine entspannende Atemtechnik anwenden
Sollten Unsicherheiten bestehen – beispielsweise weil der Körper sich in der warmen Jahreszeit spürbar anders verhält –, rät Hanstein zu einem Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin. Dies ist insbesondere im Hinblick auf Arzneimittel relevant: Bestimmte Antidepressiva entfalten bei hohen Temperaturen unter Umständen eine veränderte Wirkung.
Definition: Angst- und Panikstörungen
Gemäß der Definition der Stiftung Gesundheitswissen liegt eine Angststörung vor, sobald Furchtreaktionen in harmlosen Lagen erscheinen. Die empfundene Angst ist dabei unverhältnismäßig zur realen Gefahr. Dennoch wird sie von den Betroffenen auf seelischer und physischer Ebene als sehr stark wahrgenommen. Obwohl sie mitunter einsehen, dass ihre Furcht übertrieben ist, gelingt es ihnen nicht, diese abzustellen oder zu steuern.
Die Panikstörung stellt eine spezielle Ausprägung dar. Hierbei durchleben die Betroffenen wiederholte, unerwartete Panikattacken, für die es keinen ersichtlichen Grund gibt. Charakteristische Anzeichen dafür sind Herzrasen, Kurzatmigkeit, Benommenheit, Schweißsekretion oder Schmerzen im Brustbereich. (dpa/red)
