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Innerlich längst am LimitWas eine hochfunktionale Depression ist und was hilft

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Mann im Fahrstuhl fasst sich an die Stirn

Betroffene einer hochfunktionalen Depression wirken nach außen stabil, gehen zur Arbeit und bewältigen ihren Alltag - innerlich fühlen sie sich jedoch erschöpft und leer.

Hochfunktionale Depression: Betroffene wirken nach außen stark, sind innerlich aber am Ende ihrer Kräfte.

Lethargie, eine niedergeschlagene Gemütslage oder das Meiden sozialer Kontakte sind Kennzeichen, die häufig mit einer Depression in Verbindung gebracht werden. Die psychische Erkrankung äußert sich jedoch nicht immer auf diese Weise. Einige Betroffene erscheinen nach außen hin gefestigt und produktiv, haben aber innerlich ihre Belastbarkeitsgrenze längst überschritten. Für dieses Zustandsbild ist umgangssprachlich der Begriff „hochfunktionale Depression“ gebräuchlich geworden. Es stellt jedoch keine offizielle medizinische Diagnose dar, wie Elisabeth Dallüge, die stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV), klarstellt. Stattdessen umschreibt der Ausdruck Personen mit depressiven Anzeichen, die ihren Alltag weiterhin bewältigen.

Symptome: Die Diskrepanz zwischen Schein und Sein

Ein wesentliches Charakteristikum der hochfunktionalen Depression ist der erhebliche Unterschied zwischen der inneren Gefühlswelt und dem nach außen gezeigten Verhalten. „Betroffene wirken nach außen stabil, gehen zur Arbeit und bewältigen ihren Alltag“, so die Psychologin Eva-Lotta Brakemeier, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGP). Aus diesem Grund sind auch Begriffe wie „Smiling Depression“ oder „maskierte Depression“ geläufig. Im Inneren der Betroffenen dominieren jedoch oft Zustände wie Ausgebranntheit, innere Leere oder eine abwertende Selbstsicht.

Zahlreiche Erkrankte fokussieren sich so sehr auf das Funktionieren, die Kontrolle und die Erfüllung von Pflichten, dass sie ihre eigene Überlastung lange Zeit kaum bemerken. Sie agieren gewissermaßen auf Autopilot, wie Dallüge es formuliert. Dies erfordert einen enormen mentalen Energieaufwand, der oft lange unbemerkt bleibt. Ein solches Verhaltensmuster ist für Außenstehende schwer zu durchschauen, da die Personen als pflichtbewusst und kompetent gelten, was die Identifizierung der Krankheit zusätzlich erschwert.

Verhaltensänderungen fallen meist zuerst im privaten Bereich auf, während die berufliche Produktivität oft aufrechterhalten wird. Im häuslichen Umfeld können sich dann sozialer Rückzug, Gereiztheit oder eine emotionale Verflachung zeigen. „Oft gelingt selbst in Ruhephasen keine wirkliche Erholung mehr“, so Dallüge. Brakemeier empfiehlt Betroffenen, ihr Befinden in Momenten der Entspannung zu reflektieren. Leitfragen könnten sein: Finde ich noch Freude an Aktivitäten, die mir einst wichtig waren? Sehe ich noch einen Sinn in meinem Tun?

Auslöser: Hohe Ansprüche und innere Überzeugungen

Der Zwang, trotz depressiver Anzeichen weiterhin zu funktionieren, hat vielfältige Gründe. Laut Brakemeier liegen dem oft ein ausgeprägter Perfektionismus und ein übermäßiger Leistungsanspruch zugrunde. Viele Betroffene internalisieren schon früh Überzeugungen wie „Ich muss funktionieren“ oder „Ich bin nur durch Leistung liebenswert“.

Ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle, Probleme beim Annehmen von Unterstützung und die fortwährende Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse kommen hinzu. Bemerkungen aus dem sozialen Umfeld, beispielsweise „Du hast dich verändert“, werden oft ignoriert oder zurückgewiesen. Dieses Festhalten am Funktionieren blockiert genau das, was förderlich wäre: die Einsicht, dass Anspannung und Gemütslage schwanken dürfen.

Mögliche Hilfsangebote und Strategien

Eine Psychotherapie unterstützt dabei, die ursächlichen Verhaltensmuster zu identifizieren und schrittweise zu modifizieren. Bei mittelschweren bis schweren Krankheitsbildern kann die Gabe von Antidepressiva, am besten in Verbindung mit einer Psychotherapie, ratsam sein. Laut Dallüge ist bei gravierenden Verläufen mitunter eine intensivere Therapie, beispielsweise tagesklinisch oder stationär, erforderlich. Auch der offene und ehrliche Austausch mit nahestehenden Menschen kann eine entlastende Wirkung haben.

Im täglichen Leben ist es zentral, die eigene Wahrnehmung zu schärfen. Laut Dallüge sind regelmäßige Selbstreflexionen oder das Führen von Stimmungstagebüchern nützlich, um persönliche Alarmsignale wie Ausgebranntheit oder den Verlust von Interessen frühzeitig zu identifizieren. Genauso bedeutsam ist der bewusste Umgang mit den persönlichen Leistungsgrenzen sowie das Einplanen ausreichender Erholungsphasen. Körperliche Aktivität, eine gesunde Schlafroutine und achtsamkeitsbasierte Methoden können ergänzend wirken.

Gefahren: Die Konsequenzen einer unbehandelten Depression

Die dauerhafte Missachtung depressiver Anzeichen kann gravierende Konsequenzen haben. „Wir haben alle nur begrenzte Ressourcen – und wenn Belastung dauerhaft ignoriert wird, steigt das Risiko einer Chronifizierung“, warnt Dallüge. Nicht behandelte Symptome können sich verfestigen oder in einer abrupten Krise gipfeln. Physische Auswirkungen wie permanenter Stress, Schlafprobleme und ein gesteigertes Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten kommen hinzu.

Mit der Krankheitsdauer erhöht sich laut Brakemeier auch die Gefahr von Begleiterkrankungen, beispielsweise Suchtproblemen, wenn Betroffene versuchen, ihre Überlastung zu kompensieren. In extremen Fällen kann sich eine Suizidalität entwickeln. Personen, die derartige Gedanken bei sich feststellen, sollten unverzüglich professionelle Unterstützung suchen.

„Studien zeigen, dass wir wirksame Behandlungen haben, die aber umso besser greifen, je früher die Erkrankung erkannt wird“, sagt die Psychologin Brakemeier. Das rechtzeitige Aufsuchen von Hilfe kann diesen Verfestigungsprozess unterbrechen. Eine erste Anlaufstelle kann die hausärztliche Praxis sein. Anonyme und kostenlose Unterstützung bietet die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter den Nummern 08 00/1 11 01 11 und 08 00/1 11 02 22. Zusätzliche Auskünfte sind bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und dem Aktionsbündnis Seelische Gesundheit erhältlich. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.