In den Nachkriegsjahren verdrängte das Fleisch sie fast vollständig vom Teller – heute sind Lupinen, Linsen und Co. wieder in aller Munde. Unserer Gesundheit tut das richtig gut.
Kleine KraftpaketeHeimische Proteinbomben feiern Revival: Das macht Lupine und Co. so gesund

Veganer Trend: Hülsenfrüchte wie Linsen, Lupinen oder Bohnen sind eine gesunde Alternative zu tierischem Eiweiß und bringen Abwechslung auf den Teller. RND
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Egal ob Vinyl-Schallplatte, Schlaghose oder Take That: Manchmal verschwinden Dinge von der Bildfläche, bevor sie Jahrzehnte später ein echtes Comeback erleben. Und vielleicht ist das auch bei Hülsenfrüchten so. Linsen, Bohnen und Co. waren lange out – bevor sie nun als Hummus, Dhal oder Falafel wieder auftauchen.
Bis zur Industrialisierung bestand ein großer Teil der Ernährung in Deutschland aus Hülsenfrüchten, Getreide und Kartoffeln. Fleisch war teuer und eher die Ausnahme. „Unsere Ernährung war deutlich pflanzenbasierter – und Hülsenfrüchte eine wichtige Proteinquelle“, erklärt Prof. Dr. Melanie Speck, Professorin für Nachhaltige Ernährung an der Hochschule Osnabrück.
Hülsenfrüchte galten als „unsexy“
Sie forscht im Projekt „LINSE – Leguminosen für eine suffiziente Ernährung“ unter anderem dazu, wie Hülsenfrüchte wieder stärker in den Alltag integriert werden können. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Essverhalten grundlegend. Fleisch und Milchprodukte waren ein Zeichen von Wohlstand, Hülsenfrüchte verloren an Bedeutung. Sie galten als altmodisch, einfach „unsexy“. Auch in der Landwirtschaft wurden sie so zunehmend vom Acker verdrängt.
Schade, findet die Ernährungsexpertin. Denn Linsen, Kichererbsen oder Lupinen sind kleine Kraftpakete. „Hülsenfrüchte gehören zu den pflanzlichen Proteinlieferanten. Im Vergleich mit Fleisch oder Milchprodukten wird das Protein hier von vielen Mikro- und Makronährstoffen begleitet“, erklärt Speck. Dazu gehören Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, die unter anderem Entzündungen bekämpfen und das Immunsystem stärken und Mineralstoffe. Für die Gesundheit und auch für eine nachhaltigere Ernährung spielen sie eine wichtige Rolle.
Auf den Punkt
Heute stammen rund 90 Prozent der Hülsenfrüchte, die in Deutschland direkt verzehrt werden, aus dem Ausland. Mit der Eiweißpflanzenstrategie will die Bundesregierung den Anbau und die Nutzung heimischer Eiweißpflanzen wie Ackerbohnen, Linsen oder Süßlupinen stärken. Und aus ernährungsphysiologischer Sicht lohnt es sich unbedingt, diese mal auszutesten und so Vielfalt auf den Teller zu bringen. „Studien zeigen: Wer pro Woche rund 30 verschiedene Pflanzen isst – zu denen in diesem Fall auch Hülsenfrüchte gehören – ist sehr gut mit Nährstoffen versorgt“, erklärt die Expertin.
Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich
Heißt also: Auch wenn Kidneybohnen, die übrigens aus China oder Nordamerika kommen, ein heißgeliebter Klassiker sind – es lohnt sich, wortwörtlich über den Tellerrand zu schauen und neue Hülsenfrüchte zu probieren. „Lupinen zum Beispiel finde ich super, weil sie sehr vielseitig einsetzbar sind“, sagt Speck. Sie seien zudem eine ausgefallene Delikatesse, schließlich landeten sie definitiv nicht bei jedem auf dem Teller.
Ursprünglich kommt die Lupine aus dem Mittelmeerraum, wird aber traditionell in Deutschland angebaut. Die Wildform der Lupine enthält sogenannte Alkaloide, das sind giftige Bitterstoffe, die sich erst durch langes Einweichen und Ausschwemmen auswaschen ließen. Im 20. Jahrhundert wurden diese herausgezüchtet. Diese Form der Lupine wird aufgrund der fehlenden Bitterstoffe als Süßlupine bezeichnet, auch wenn sie gar nicht süß schmeckt.
Ernährungsphysiologisch ist sie interessant: Mit rund 40 Prozent Eiweiß hat die Lupine einen ähnlich hohen Proteingehalt wie die Sojabohne. Zudem enthält sie alle essenziellen Aminosäuren, das Eiweiß ist also gut verwertbar. Und: In der Lupine stecken Vitamin A, Vitamin B1 sowie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen. Rund 15 Prozent des Samens sind Ballaststoffe, denen eine cholesterinsenkende Wirkung nachgesagt wird.
Süßlupinen gibt es ähnlich wie Linsen oder Kichererbsen getrocknet oder fertig gegart im Glas. Gut eingeweicht und gekocht schmecken sie in Salaten, als Aufstrich, in Dips, im Porridge oder als Protein-Zutat fürs Brot. Auch in der Gemeinschaftsverpflegung kommen sie an. „Im Rahmen eines anwendungsorientierten Forschungsprojektes wurde in den Hochschulmensen Osnabrück Lupinenburger aus regionaler Beschaffung angeboten – die waren schnell ausverkauft“, berichtet die Professorin. Zu finden sind Lupinen bislang vor allem in Bioläden oder in gut sortierten, inhabergeführten Supermärkten.
Lupinen können häufig Allergien auslösen
Aber Achtung: Wer eine Erdnussallergie hat, sollte auf Lupinen besser verzichten, denn Kreuzallergien sind möglich. Lupinen stehen seit 2007 auf der Liste der 14 Lebensmitte, die am häufigsten Allergien und Unverträglichkeiten verursachen – und in der Europäischen Union auf Lebensmitteln gekennzeichnet werden müssen.
Und was bedeutet das Comeback der Hülsenfrüchte für Fleisch und Milchprodukte? „Fleisch ist aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht schlecht“, sagt Expertin Speck. Es liefert unter anderem Vitamin B12 und Protein. Aber: Mehr als 150 bis 300 Gramm pro Woche und Person sollten es nicht sein, da sowohl Fleisch als auch Milch- und Milchprodukte gesättigte Fettsäuren enthalten. Heißt also: Pflanzliche Eiweißquellen wie Lupinen, Linsen oder Bohnen sind eine gesunde Alternative zu tierischem Eiweiß und bringen Abwechslung auf dem Teller. Vielleicht erlebt die Lupine auch auf Ihrem Teller ein kleines Revival?
