Abo

Corona-PandemieWann kommt der angepasste Impfstoff gegen Omikron?

5 min
Symbolbild Biontech-Ampullen

Die Impfstoff-Hersteller testen ein Omikron-Vakzin.

Köln – Mit Omikron hat die Corona-Pandemie an Fahrt aufgenommen. Der Mutante gelingt es besser als ihren Vorgängerinnen, den Impfschutz zu umgehen. Deshalb arbeiten die Impfstoff-Hersteller daran, ihre Vakzine an die aktuell dominierende Variante anzupassen. Doch wie lange dauert es noch, bis der Omikron-Impfstoff verimpft werden kann? Und ist er überhaupt besser als der ursprüngliche Impfstoff?

Um das herauszufinden, laufen seit Ende Januar Studien zu den angepassten Vakzinen. Vorhanden ist der Omikron-Impfstoff bereits. Die Information über das Spikeprotein, mit dem die Coronaviren sich an die menschlichen Zellen heften, wurde gegen eine entsprechende Information ausgetauscht, die sich speziell auf das veränderte Spikeprotein der Omikron-Mutante bezieht. Sowohl Moderna als auch Biontech und Pfizer befinden sich nun in den klinischen Studien.

Dabei untersuchen sie, wie zuverlässig ihre Impfstoff-Updates Antikörper bilden, die die betreffende Virusvariante unschädlich machen – sowohl nach einer Erst-, als auch nach einer Auffrischungsimpfung. Das neue Vakzin muss dabei besser abschneiden als der ursprüngliche Impfstoff. Nach Abschluss der Studien entscheiden die Behörden, ob die Ergebnisse für eine Zulassung reichen. Dies könnte im zweiten Quartal des Jahres der Fall sein.

Omikron-Impfung von Affen zeigt keine großen Unterschiede

Ob das Omikron-Vakzin besser ist als die aktuell verwendeten Impfstoffe, wird sich also erst noch zeigen. Denn ein angepasster Impfstoff ist nicht automatisch die beste Lösung, sobald eine neue Variante auftritt. Erste Ergebnisse aus den Moderna-Studien zeigen, dass das angepasste Vakzin nur geringfügig besser wirkt als das ursprüngliche. Und auch eine als Vorab-Publikation erschienene Untersuchung, die zum Großteil von Forschenden des US-amerikanischen Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) durchgeführt wurde, könnte darauf hindeuten.

Mit dem angepassten Impfstoff von Moderna wurde ein Versuch an acht Affen durchgeführt. Den bereits mit dem Moderna-Impfstoff grundimmunisierten Tieren wurde je zur Hälfte eine Auffrischungsimpfung mit einer weiteren Dosis des ursprünglichen Moderna-Vakzins und eine Auffrischungsimpfung mit dem Omikron-Vakzin verabreicht.

Bei beiden Gruppen führte diese Impfung zu einem signifikanten und vergleichbaren Anstieg von Antikörperantworten gegen alle Varianten, auch Omikron, schreiben die Forschenden in ihrem Bericht. Zudem war der Schutz vor Omikron bei beiden Boosterimpfungen schlechter als der Schutz vor Delta oder der Ursprungsvariante. Dafür sorgten beide Auffrischungsimpfungen für eine deutliche Verbesserung bei den B-Gedächtniszellen des Immunsystems. Diese speichern Informationen für Antikörper gegen eine Krankheit, die der Körper bereits durchlebt hat. Mit einem dritten Viruskontakt, durch Impfung oder Infektion, können die B-Zellen sich deutlich breiter aufstellen. Einen Unterschied der Wirksamkeit zwischen einer Auffrischungsimpfung mit dem ursprünglichen Vakzin und einer mit dem Omikron-Vakzin konnten die Forschenden bei den Affen aber nicht feststellen.

Mäuse bilden keine Omikron-Antikörper

Eine ebenfalls vom NIAID durchgeführte und als Vorab-Publikation veröffentlichte Untersuchung an Hamstern und Mäusen bestätigt das Bild. Der entwickelte Omikron-Impfstoff führt zwar zu einer Immunantwort, bei bereits zuvor immunisierten Mäusen bildeten sich allerdings keine Omikron-spezifischen Antikörper.

Nun lassen sich aus diesen Untersuchungen keine wirklich validen Rückschlüsse auf die Wirksamkeit des Impfstoff-Updates bei Menschen ziehen. Dazu ist die Gruppe der untersuchten Tiere, vor allem die der Affen, zu klein. Zudem reagieren die Tiere nicht unbedingt identisch auf die Impfungen wie Menschen, die Affen beispielsweise produzierten bei den verwendeten Impfstoffmengen deutlich mehr neutralisierende Antikörper als Menschen.

Antigen-Erbsünde könnte Omikron-Impfstoff ausbremsen

Die Erkenntnis, dass ein Omikron-Impfstoff bei bereits Immunisierten keine Omikron-spezifischen Antikörper bildet, passt aber zu einem aus der Immunologie bekannten Phänomen: der sogenannten „Antigen-Erbsünde“. Dabei tendiert das Immunsystem dazu, nach bereits erfolgtem Kontakt zu einem Virus bei einem folgenden Kontakt zu einem nur leicht veränderten Virus vor allem Antikörper gegen die erste Variante zu bilden.

Das würde bedeuten: Hatte ein Mensch, ob durch Impfung oder Infektion, bei einem ersten Mal Kontakt zur Ursprungsvariante und bei einem zweiten Mal Kontakt zur Omikron-Variante, bildet das Immunsystem auch nach dem zweiten Mal vor allem Antikörper gegen die Ursprungsvariante. Das sind keine gesicherten Kenntnisse, für Experten wäre dies aber keine Überraschung. „Das kennen wir aus der Immunologie. Wenn wir eine Impfung gegen ein leicht verändertes Ziel richten, dann kann es sein, dass das Immunsystem den Unterschied nicht erkennt, dass die ursprüngliche Impfung also genauso gut ist“, sagte Infektiologe Bernd Salzberger vom Uniklinikum Regensburg dem Bayerischen Rundfunk. Vielleicht seien die neuen Varianten tatsächlich noch zu nah an der ursprünglichen Variante, so Salzberger weiter.

Das könnte Sie auch interessieren:

Diese Erkenntnisse sind allerdings keineswegs gleichbedeutend mit einem Aus der Impfstoffanpassung. Die Studien befinden sich noch immer im Anfangsstadium, von Biontech gibt es noch keine Wasserstandsmeldung hinsichtlich der möglichen Wirksamkeit eines Omikron-Impfstoffs. Die Datenlage ist noch sehr dünn, weitere Forschung könnte mehr Licht ins Dunkel bringen. Ähnlich wie bei den ursprünglichen Impfstoffen, bei denen beispielsweise auch erst später festgestellt wurde, dass eine Auffrischungsimpfung notwendig ist, um den Impfschutz auf einem guten Niveau zu halten.

Dass die Impfstoffe weiterhin an neu auftretende Varianten angepasst werden, sei grundsätzlich sinnvoll, „da Omikron vermutlich nicht die letzte Corona-Variante sein wird“, gibt Salzberger zu bedenken. Bei jeder größeren Mutation können Studien dann zeigen, ob der Einsatz eines angepassten Impfstoffs einen Vorteil gegenüber dem Einsatz des ursprünglichen Impfstoffs hat – und wer dann mit diesem Vakzin geimpft werden sollte. Laut Salzberger sei es vor allem bei Menschen, die noch nicht geimpft sind, „immer sinnvoll, einen aktuellen Impfstoff zu verimpfen.“ Tauchen dann ältere Varianten, ob mutiert oder nicht, erneut auf der Bildfläche auf, stellt sich allerdings die Frage, wie gut der Impfschutz eines auf eine neuere Variante angepassten Vakzins gegen ältere Mutanten wirkt.