Während Großbritannien den Tabakverkauf für junge Menschen verbietet, hat Deutschland laut WHO großen Nachholbedarf.
WHO rügt DeutschlandOrganisation lobt britisches Tabakverbot und übt Kritik

Das britische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das den Verkauf von Tabakprodukten schrittweise verbietet. (Symbolbild)
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Das in Großbritannien verabschiedete umfassende Tabakverbot wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als richtungsweisender Fortschritt bewertet. „Aus Sicht der WHO ist das ein starkes Signal: Tabakkontrolle lässt sich langfristig denken, jenseits kurzfristiger politischer Zyklen“, äußerte Rüdiger Krech, der bei der WHO als Direktor für Umweltfragen fungiert, auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Er ergänzte: „Es könnten in Deutschland viele Menschenleben gerettet werden, wenn die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker bei der Tabakkontrolle von Großbritannien lernen würden.“
Eine Regelung, die den Verkauf von Tabak an kommende Generationen unterbindet, hat am Dienstag die finale Hürde im britischen Parlament passiert. Nachdem nun nur noch die formale Bestätigung des Königs aussteht, wird die Altersgrenze für den legalen Erwerb von Tabakwaren sukzessive erhöht. Menschen, deren Geburtsdatum nach dem 1. Januar 2009 liegt, werden demzufolge nie die Möglichkeit haben, Zigaretten oder verwandte Erzeugnisse legal zu erwerben. Der Akt des Rauchens selbst wird durch die neue Vorschrift allerdings nicht untersagt.
Globale Beispiele und Kehrtwenden
Auch in anderen Staaten wurden vergleichbare Initiativen erwogen oder eingeführt. Auf den Malediven trat laut dpa am 1. November 2025 eine entsprechende Regelung in Kraft, nach der Personen, die seit dem 1. Januar 2007 geboren sind, keine Tabakprodukte mehr legal kaufen können. In Neuseeland wurde ein ähnliches Vorhaben hingegen noch vor der vollständigen Implementierung im Jahr 2024 wieder aufgehoben.
Schweden gilt häufig als Musterbeispiel für eine rauchfreie Gesellschaft. Die Anzahl der täglichen Raucher ist dort erheblich zurückgegangen: Im Jahr 2024 deklarierten lediglich fünf Prozent der schwedischen Bevölkerung über 16 Jahre, dass sie rauchen. Wie die dpa meldet, greifen die Schweden stattdessen vermehrt zu Nikotinbeuteln, die als „Snus“ bekannt sind. Beinahe jeder vierte Mann und jede zehnte Frau in dem skandinavischen Staat nutzte 2024 täglich Snus. Ebenso hat die Verwendung von E-Zigaretten zugenommen.

In Schweden steht «Snus» hoch im Kurs. (Symbolbild)
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Abgesehen von Schweden ist der Vertrieb von Snus in der Europäischen Union fast flächendeckend untersagt. Speziell der weiße, tabakfreie Snus hat sich zu einem schwedischen Exportschlager entwickelt, dessen Handel das Land zu bewahren sucht.
EU-Kommission äußert Bedenken zu neuen Nikotinprodukten
Eine Analyse der EU-Kommission stellte unlängst fest, dass neuartige Tabak- und Nikotinprodukte wie Tabakerhitzer, E-Zigaretten und Nikotinbeutel die Gesundheitssysteme mit neuen Problemen konfrontieren. „Neben den direkten Gesundheitsrisiken können diese Produkte als Einstieg in die Nikotinsucht und den Konsum/das Rauchen traditioneller Tabakprodukte dienen“, mahnten die Mitarbeiter der Behörde in ihrer Analyse.
Beanstandet wurden überdies abweichende nationale Regelungen, beispielsweise zu Geschmacksstoffen in Einweg-E-Zigaretten. Die Vermarktung über soziale Netzwerke, häufig durch Influencer, verschärfe die Problematik zusätzlich. Die bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen seien dieser Entwicklung nicht gewachsen.
WHO: Deutschland hat bei der Tabakprävention Nachholbedarf
Die WHO hat einen Katalog von Maßnahmen zur Eindämmung des Tabakkonsums erstellt und überprüft regelmäßig die Fortschritte der einzelnen Länder. Deutschland wies laut einer Erhebung von 2024 in zahlreichen Aspekten einen Rückstand auf, etwa im Bereich der Besteuerung. Die Organisation spricht die Empfehlung aus, dass Abgaben mindestens 75 Prozent des Endpreises betragen sollten. Ebenso bei der Durchsetzung von Werbeeinschränkungen und Unterstützungsangeboten zur Rauchentwöhnung identifiziert die WHO für Deutschland noch deutliches Verbesserungspotenzial.

Mehr als sieben Millionen Menschen sterben nach Angaben der WHO jedes Jahr weltweit durch Tabakkonsum. (Symbolbild)
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Derzeit plant die deutsche Bundesregierung zwar eine Anhebung der Tabaksteuer noch im laufenden Jahr. Die Mehreinnahmen sollen jedoch nicht der Prävention oder dem Gesundheitssektor zugutekommen. Stattdessen sollen sie gemäß den Plänen der Koalition die steuerliche Begünstigung einer vorgesehenen Prämie für Arbeitnehmer gegenfinanzieren. Eine vom Bundesgesundheitsministerium berufene Expertenkommission hatte kürzlich jährliche Steueranhebungen für Zigaretten im Zeitraum von 2027 bis 2031 angeregt.
„Die Tabakepidemie ist eine der größten Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit, die die Welt je erlebt hat“, hält die WHO fest. Ihren Daten zufolge sterben jährlich weltweit über sieben Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Zusätzlich gibt es 80.000 Todesfälle, die auf Passivrauchen zurückzuführen sind. Allein für die EU beziffert die WHO die Anzahl der durch Tabak verursachten Todesfälle auf eine halbe Million. (dpa/bearbeitet durch Gemini 2.5 Pro)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.